Gasexplosion mit fünf Toten in Frenštát – vorsätzliche Tat?

Foto: ČTK

Am frühen Sonntagmorgen hat sich eine der schwersten Zivilkatastrophen in der Geschichte der Tschechischen Republik ereignet: In einem dreistöckigen Plattenbau im ostmährischen Frenštát pod Radhoštěm / Frankstadt explodierte Gas. Durch die Explosion und im anschließenden Feuer starben insgesamt fünf Menschen. Elf weitere Menschen wurden verletzt, zwei davon schwer.

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Am Sonntagmorgen kurz vor 4 Uhr erschütterte eine Explosion das Zentrum von Frenštát pod Radhoštěm und weckte die ganze Kleinstadt in den Beskiden. Eines der Plattenbauhäuser in der Straße des 6. Mais stand in Flammen. Ein älterer Mann aus dem Haus gegenüber äußerte sich fassungslos:

„So einen Knall habe ich nie gehört. So was Schreckliches kann man sich gar nicht vorstellen. Die Wohnungen haben gebrannt, die Leute haben geschrien und wollten raus, aber es gab wahrscheinlich keinen Weg hinaus.“

Petr Kůdela (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Das erste Opfer der Explosion wurde gleich am Sonntagmorgen gefunden. Vier weitere Tote, darunter drei Kinder, haben die Feuerwehrleute erst in der Nacht auf Montag in den Trümmern des Hauses entdeckt. Elf Verletzte wurden nach dem Unglück ins Krankenhaus eingeliefert, zwei davon befanden sich in einem kritischen Zustand, sie hatten schwere Verbrennungen erlitten. Die Sucharbeiten, bei denen die Feuerwehrleute nur mit Schaufeln arbeiten können, wurden am Montag fortgesetzt. Denn es werde noch ein weiterer Mensch vermisst, sagte der Sprecher der Feuerwehr, Petr Kůdela:

„Wir müssen noch einen weiteren Vermissten finden. Dann könnten die Abrissarbeiten am Gebäude schneller vorangehen, denn vorher können wir die schwere Technik nicht einsetzen.“

Zdeňka Leščišinová (Foto: Archiv der Stadt Frenštát pod Radhoštěm)
In den letzten 24 Stunden habe sich die Stadt geändert, sagte am Montagmorgen die Bürgermeisterin Zdeňka Leščišinová. Einerseits handele es sich um eine große Tragödie, andererseits erlebe sie eine unglaubliche Welle von Solidarität:

„Die Bereitschaft zu helfen, ist enorm groß. Dafür möchte ich mich bei allen bedanken. Die Leute bieten uns nicht nur finanzielle, sondern auch materielle Hilfe an. Jetzt sind wir gerade dabei, ein Sonderkonto für die Opfer des Unglücks einzurichten. Wir werden demnächst die Information veröffentlichen, an welchem Ort materielle Hilfe gesammelt wird. Wir kontaktieren alle Verletzten, die in den Krankenhäusern behandelt werden, um ihnen mitzuteilen, dass sich die Stadt um sie kümmert, dass sie wieder ein Zuhause haben werden, in das sie zurückkommen können. Wir haben Ersatzunterkünfte für die Betroffenen organisiert. Über Einzelheiten werden wir noch im Stadtrat beraten.“

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Ursache des Unglücks soll eine Gasexplosion gewesen sein. Die Polizei schließt derzeit nicht aus, dass es sich um eine vorsätzliche Tat gehandelt hat. Einige Bewohner aus der Umgebung behaupten nämlich, dass im explodierten Haus ein Sonderling gewohnt haben soll. Er war wegen Schulden durch ein Gericht gezwungen worden, seine Wohnung zu verlassen, und soll damit gedroht haben, auch die anderen Bewohner mitzunehmen.