Gedenkfeiern in Lidice - Anschuldigungen gegen Ex-Präsident

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Das Dorf Lidice - in der ganzen Welt ein Begriff für die brutale Willkürherrschaft der Nazis. Am 10. Juni 1942 machten SS- Einheiten das mittelböhmische Dorf dem Erdboden gleich - 192 männliche Bewohner wurden erschossen, 196 Frauen in Konzentrationslager abtransportiert und 82 Kinder endeten in der Gaskammer.

Am vergangenen Wochenende beging man in Lidice den Gedenkakt anlässlich des 59. Jahrestages dieses Massakers. Bereits in ihrer Freitagsausgabe hatte die auflagenstärkste Tageszeitung Mlada Fronta Dnes einen Bericht veröffentlicht, nachdem vier Nazigrößen, die nach dem 2.Weltkrieg in der Tschechoslowakei zum Tode verurteilt worden waren, vom damaligen Staatspräsidenten Antonin Zapotocky insgeheim begnadigt worden wären. Olaf Barth berichtet.

Max Rostock, so hieß jener SS- Führer, der im Jahre 1951 von einem tschechoslowakischen Gericht der Beteiligung an der Planung und Durchführung des Massakers von Lidice für schuldig befunden und deshalb zum Tode verurteilt wurde. Doch dann kam alles anders, wie der Direktor des "Amtes zur Aufklärung kommunistischer Verbrechen", Irenej Kratochvil, zu berichten weiß:

"Präsident Zapotocky entschied sich im Jahre 1953 unter bisher noch ungeklärten Umständen für eine Begnadigung der vier verurteilten Nazi- Kriegsverbrecher - namentlich Max Rostock, Richard Schmidt, Ernst Hitzegrad und Kurt Walter Richter."

Und Kratochvil fügt an:

"Es handelte sich bei diesen Personen keineswegs um kleine Fische."

Aber auch die lebenslänglichen Freiheitsstrafen haben nicht allzu lange gedauert, so die Mitarbeiter des Amtes. Alle vier seien im Laufe der sechziger Jahre nach Deutschland ausgewiesen worden - Max Rostock bereits 1960.

Skandalös fand diese Vorgänge nicht nur die Zeitung "Mlada Fronta Dnes", sondern auch Direktor Kratochvil. Er äußerte, es sei schwer zu verstehen, dass Unschuldige hingerichtet worden seien, diese Schwerverbrecher jedoch begnadigt wurden. Aber mittels der nun entdeckten Dokumente könnte endlich auch einer der letzten Mythen über die Kommunisten zerstört werden (ZITAT): "Die Öffentlichkeit sieht in den Kommunisten nämlich immer noch überzeugte Kämpfer gegen den Faschismus."

Diese Enthüllungen waren natürlich eine Steilvorlage für alle politischen Gegner der Kommunistischen Partei und davon gibt es hierzulande viele.

Anlässlich des Gedenkfeierlichkeiten in Lidice verlangte Kulturminister Pavel Dostal denn auch, die heutigen kommunistischen Politiker sollten sich von der durch Zapotocky ausgesprochenen Begnadigung distanzieren und dies als eindeutig verabscheuenswürdige Tat verurteilen.

Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei, Miroslav Grebenicek, entgegnete jedoch, es herrsche noch ein Mangel an Informationen. Der genaue Sachverhalt müsse erst noch geklärt werden.