Gefeiertes neues Album des Rock-Poeten Vladimír Mišík

Er ist ein Urgestein der tschechischen Blues- und Rockszene: der Sänger Vladimír Mišík. Sein Album „Vteřiny, měsíce a roky“ (Sekunden, Monate und Jahre) aus dem vergangenen Jahr wird hochgelobt. Am zurückliegenden Wochenende ist es nun auch mit dem wichtigsten Musikpreis des Landes, dem Anděl (Engel), als beste Einspielung 2024 ausgezeichnet worden. Und Mišík selbst wurde als Solokünstler des Jahres geehrt.

Vladimír Mišík | Foto: Zuzana Bonisch,  Verlag Animal Music

Mišík gilt als Rock-Poet – zum einen vertont er Gedichte, zum anderen ist er ein guter musikalischer Erzähler. Dies hat der heute 78-Jährige im Laufe seiner langen Karriere mehrfach bewiesen, vor allem mit seiner Band Etc ab 1974 und danach als Solo-Künstler. Diese Mischung findet sich auch auf dem aktuellen Album „Vteřiny, měsíce a roky“. Denn die Texte zu fünf der insgesamt 15 Stücke schrieb er selbst, die anderen sind teils eben Gedichte oder stammen aus der Feder der Bandmitglieder.

In „Metál“ (Metall) zum Beispiel beschäftigt sich Vladimír Mišík mit dem Verdienstorden, den Staatspräsident Miloš Zeman ihm 2013 verleihen wollte, den der Sänger jedoch nicht angenommen hat. Dabei klingt auch das an, was Mišík zu kommunistischen Zeiten erleiden musste – unter anderem zwei Jahre Auftrittsverbot in der ersten Hälfte der 1980er Jahre.

Von Blues über Folkrock bis Reggae

Petr Ostrouchov und Vladimír Mišík | Foto: Zuzana Bonisch,  Verlag Animal Music

Als musikalische Begleiter hat Vladimír Mišík schon seit längerem die Band Blue Shadows, bestehend aus den beiden Gitarristen Josef Štěpánek und Petr Ostrouchov, dem Bassisten Matěj Belko und dem Schlagzeuger Martin Novák. An dem neuen Album hat aber auch eine ganze Reihe Gastmusiker mitgewirkt, besonders der Organist Ondřej Pivec prägt den Sound mit. Zwei Musiker aus dem Ausland sind ebenfalls dabei, so der US-amerikanische Perkussionist Michito Sanchez und der englische Pedal-Steel-Gitarrist B.J. Cole.

Stilistisch ist das Album breit gefächert. Neben Blues und Folkrock bietet es zum Beispiel auch Reggae und Ska.

Keine Auftritte mehr live

Vladimír Mišík | Foto: Zuzana Bonisch,  Verlag Animal Music

In einem seiner neuen Songs, Milé mozkové závity (Liebe kleine Gehirnwindungen), glossiert Mišík mit einer guten Portion Selbstironie die altersbedingten Aussetzer im Erinnerungsvermögen. Ohnehin ist es ein kleines Wunder, dass das Album entstanden ist. 2021 gab der Sänger bekannt, wegen mehrerer Leiden und Krankheiten nicht mehr live aufzutreten. Und natürlich hat seine Stimme nicht mehr die Umfänge von früher. Dafür aber ist der Gesang wunderbar entspannt.

Autor: Till Janzer
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