Geigenvirtuose Jiří Vodička gastiert in Wien

Jiří Vodička (Foto: YouTube)

Liebhaber der tschechischen Klassik können am Mittwochabend im Wiener Palais Khevenhüller den jungen Geigenvirtuosen Jiří Vodička hören. Gemeinsam mit dem Pianisten Miroslav Sekera wird er Werke von Janáček, Martinů und Foerster spielen. Gerald Schubert mit einem Portrait des tschechischen Jungstars.

Miroslav Sekera und Jiří Vodička (Foto: Gerald Schubert)
Jiří Vodička ist 25 und wird bereits jetzt in einem Atemzug mit den anderen Größen unter den tschechischen Violinvirtuosen genannt. Schon in jungen Jahren machte er durch Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben auf sich aufmerksam. Heute arbeitet er als Solist und unterrichtet am Prager Konservatorium. Trotz seiner langjährigen Erfahrung bezeichnet Vodička das bevorstehende Konzert in Wien als einen Meilenstein seiner bisherigen Karriere:

„Wien ist eines der Zentren der klassischen Musik, und bis heute ist dort die Musik auf einem Spitzenniveau. Das schlägt sich auch im Programm unseres Konzerts nieder. Als Tschechen werden wir zwar ausschließlich Musik tschechischer Komponisten spielen, aber gerade Foerster hat auch in Wien viel gearbeitet. Seine Frau wirkte an der Wiener Staatsoper, Foerster selbst hat in Wien unterrichtet. Überhaupt hat ja das Zentrum der Monarchie auch die tschechische Kultur stark beeinflusst, und hier vor allem die klassische Musik.“

Foto: Salvatore Vuono, FreeDigitalPhotos.net
Natürlich beschränkt sich Vodička nicht auf Kompositionen aus seiner Heimat. Dennoch ist er immer wieder froh, im Ausland tschechische Musik präsentieren zu können:

„Was die Komponisten betrifft, so ist Tschechien sicher eine Großmacht. Nehmen Sie nur Antonín Dvořák, Leoš Janáček, Bohuslav Martinů oder eben Josef Bohuslav Foerster. Die haben allesamt Weltgeltung. Ob in Wien oder Berlin, in den USA oder in Japan – gerade jetzt, während wir dieses Gespräch führen, wird irgendwo auf der Welt diesen Komponisten applaudiert.“

Mit sechs Jahren hat Jiří Vodička begonnen, Geige zu spielen. Erst später, nachdem er erfolgreich an einigen Wettbewerben teilgenommen hatte, wurde ihm langsam klar, dass die Musik in seinem Leben wohl den Ton angeben wird:

Jiří Vodička (Foto: YouTube)
„Meine Anfänge waren relativ ruhig. Ich bin in Ostrau aufgewachsen, und die dortige Philharmonie hat mich sehr unterstützt. Seit ich zwölf war, konnte ich mehrmals pro Jahr mit dem Orchester auftreten. Für meine Karriere war das extrem wichtig, denn Ostrau ist zwar eine relativ große Stadt, die mir aber dennoch ein intimes, heimisches Umfeld geben konnte. Dort habe ich viele Erfahrungen gesammelt. Nach Prag bin ich erst vor etwa sechs Jahren gezogen.“

Vor fünf Jahren hat Vodička am Musikwettbewerb Young Concert Artist in Leipzig teilgenommen. Dort setzte er sich gegen hunderte Geiger aus Europa, Asien und Australien durch. Im Januar 2009 fuhr er dann zum großen Finale nach New York. Er hatte damals gerade keine gute Geige – aber einen Zettel mit der Adresse eines Geschäfts in Manhattan, wo man ihm eine leihen würde:

Jiří Vodička (Foto: YouTube)
„Dort hat mir ein Mann eine Geige gebracht und gesagt, ich soll probieren, ob sie für mich okay ist. Ich öffnete also den Koffer und sah drinnen die Vignette mit der Aufschrift ‚Antonio Stradivari’“.

Wenige Minuten später spazierte der damals 20-jährige Jiří Vodička mit einer Stradivari in der Hand durch die winterlichen Häuserschluchten von Manhattan. Er musste lediglich unterschreiben, dass er eine Geige im Wert von drei Millionen Dollar übernommen hat. Nach einer Woche brachte er das Instrument unversehrt zurück. Im New Yorker Wettbewerb hatte er den zweiten Platz belegt.


In Wien spielt Jiří Vodička am Mittwoch, dem 2. Oktober, um 19 Uhr im Palais Khevenhüller. Die Adresse: Wien 9, Türkenstraße 19.

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