Hochsaison im Tschechischen Zentrum München

Im Tschechischen Zentrum München gibt es zur Zeit eine Reihe interessanter Veranstaltungen - Grund genug für unsere freie Mitarbeiterin Bettina Schlener, sich vor Ort einmal genauer umzuschauen.

Pünktlich zu den ersten warmen Tagen blüht das Tschechische Zentrum in München geradezu auf und eine Veranstaltung jagt die andere. So standen in den letzten Tagen gleich zwei Lesungen an.

Jiri Kratochvil stellte im Gasteig seinen 1997 erschienenen Roman "Die unsterbliche Geschichte" vor - unterstützt von Übersetzerin Milka Vagadayova und dem Münchner Schriftsteller Jaromir Konecny. Kratochvil beschreibt seinen Roman als ein fröhliches und bitteres Buch zugleich, in dem er den Versuch unternimmt, das 20. Jahrhundert in einer Büchse unterzubringen. Ein pikaresker Roman-Karneval sei dabei entstanden, denn - so der Autor - wenn man sich das 20. Jahrhundert mit etwas Abstand anschaue, entstehe dabei das Gefühl eines Karnevalreigens. Und so bunt und grotesk bot sich schließlich der Eindruck, den die gelesenen Auszüge der unsterblichen Geschichte hinterließen.

Ganz anders die Eindrücke, die sich aus der Lesung Libuse Monikovas "Bavane für eine verstorbene Infantin" ergeben. Hier herrscht die Bitterkeit vor, in den kurzen Auszügen wird das Leben als Last und Verzweiflung geschildert. Diese Atmosphäre unterstützt ihre Sprache, denn die Emigrantin schrieb auf deutsch. Aufgrund der Wortwahl, so Michael Krüger, der Herausgeber ihrer Bücher, merke man sofort, dass deutsch nicht ihre Muttersprache, der Gebrauch kantiger Ausdrücke aber von ihr durchaus beabsichtigt gewesen sei. Deshalb mutete auch die tschechische Version, vorgetragen von Übersetzer Radovan Charvat, etwas eleganter und eingänglicher an. Eine Frage, die offen blieb war, ob Monikova nun als tschechische oder deutsche Schriftstellerin betrachtet werden sollte.

Der Künstler Peter Fischerbauer jedenfalls hält sie für die beste deutsche Schriftstellerin. Die Eindrücke ihres Romans "Treibeis" hat er in 43 Bildern festgehalten, Bilder wie er sagt, die er in den böhmischen Farben gehalten hat. Was böhmische Farben sind, können Sie vom 7. Mai bis zum 28. Juni in der Geologischen Staatssammlung in München sehen. Im Tschechischen Zentrum selbst geht es in einer Podiumsdiskussion am 10. Mai um Vergangenheits- und Zukunftsbwältigung und am 15. Mai wird die Ausstellung "Odsun-Abschub" der Malerin Elena-Florentine Kühn eröffnet.

Autor: Bettina Schlener
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