Hörerforum

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Ahoi und herzlich willkommen zum Hörerforum von Radio Prag. Auch heute wollen wir wieder ein wenig in der Postmappe blättern und uns mit Ihren Zuschriften befassen. Am Mikrofon begrüßen Sie dazu Dagmar Keberlová und Lothar Martin.

"Jeden Morgen freue ich mich darauf, die Nachrichten aus der Tschechischen Republik zu lesen. Fast täglich ist ein Thema immer dabei. Und zwar die Benes-Dekrete. Muss das sein, dass diese Diskussion immer wieder aufblüht? Ich bin der Meinung, dass schon genug darüber gesprochen wurde."

Mit diesen Worten teilte uns Herr Dieter Feltes aus Pyrbaum fast schon beschwörend mit, welches gegenwärtige Thema er bereits für ausgereizt bzw. überstrapaziert hält. Ähnlich wie Herr Feltes denkt auch unser Hörer Hermann Tyralla aus Hattingen, der uns per Fax mitteilte: "Es ist bedauerlich, dass die Probleme um die Benes-Dekrete nicht zur Ruhe kommen wollen. Natürlich ist es schmerzlich, auf die erfolgte Weise seine Heimat zu verlieren. Aber einmal muss es ein Vergeben und Vergessen geben. Zumal viele der Protestierer nach 1945 geboren wurden."

Auch Klaus Leifer aus Frankfurt/Main will dieses Thema endlich zu den Akten gelegt haben und er nennt dazu noch einen plausiblen Grund: "Ich denke einmal, diese Ereignisse, die mehr als ein halbes Jahrhundert zurück liegen, sollte man nicht dauernd aufwärmen, sondern endlich einmal im beiderseitigen Einvernehmen einen endgültigen Schlussstrich ziehen. Zumal ja gegenwärtig Probleme auftauchen, für die ein dringender Handlungsbedarf besteht. Ich glaube jedenfalls nicht daran, dass den jungen arbeitslosen Familienvater die Benes-Dekrete interessieren, sondern wie und womit er seiner Familie einen kleinen Wohlstand bieten kann."

Herr Helmut Schafheitle aus Singen betrachtet das Dauerthema Benes-Dekrete noch aus einem ganz anderen Blickwinkel heraus: "Nun ist es im nachhinein natürlich schwierig, Regelungen treffen zu wollen, die allen davon Betroffenen gerecht werden können. Das dürfte zuweilen sogar unmöglich sein. Wir müssen in Europa den Blick in die gemeinsame Zukunft richten, wobei allerdings auch dann die Vergangenheit, die mitunter sehr leidvoll sein konnte, nicht vergessen werden darf. Daraus entsteht auch eine gewisse Lernfähigkeit, sollte man zumindest annehmen dürfen."

Genau diese Lernfähigkeit hat Herr Schafheitle in einem weiteren Schreiben jedoch allgemein in Frage gestellt. Zur "Erörterung der Benes-Dekrete und der damit zusammenhängenden Vertreibung", führt er nämlich an: "Es muss aber doch möglich sein, sich mit diesen Aspekten im nachhinein beschäftigen zu können. Kein vernünftiger Mensch in Europa wird deshalb versuchen wollen, nun das Rad der Geschichte zurückdrehen zu wollen."

Nachdenklich ergänzt Herr Schafheitle aber ebenso: "Andererseits muss man sich nur einmal vorstellen, wie es derzeit in Palästina zugeht, um manches besser verstehen zu können. Hierbei haben doch auch manche Heilsbringer kläglich versagt. Es ist wirklich eine Schande für die Menschheit, was sich gegenwärtig in Mittelost an schweren Tragödien abspielen kann."

Wie man eben hören bzw. lesen konnte, scheint sich die Geschichte - leider - auch manchmal an anderen Orten und mit anderen Akteuren zu wiederholen. Hoffen wir daher, dass dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern bald ein Ende gemacht werden kann.

Da der tschechische Premier Milos Zeman die Problematik Benes-Dekrete und Vertreibung durch seine Anfang dieses Jahr gemachten Äußerungen erst so richtig ins Rollen gebracht hat, möchten wir dieses Thema auch mit einem versöhnlichem Vermerk unseres Hörers Horst Krüger aus Hannover für heute beschließen: "Ich habe in einigen Zuschriften in der letzten Zeit Kritik an Ihrem Ministerpräsidenten geäußert. Heute möchte ich ihm meine uneingeschränkte Zustimmung anlässlich seines Besuches in Weißrussland aussprechen. Es hat mich beeindruckt, dass er ein Treffen mit Präsident Lukaschenko, diesem Relikt aus der kommunistischen Eiszeit, ablehnte. Es wäre zu begrüßen, wenn auch andere Politiker sich so verhalten würden!"


Zu den Sendereihen von Radio Prag, die von unseren Hörern besonders aufmerksam verfolgt werden, gehört zweifellos das "Kapitel aus der tschechischen Geschichte". Dessen letzte Ausgabe veranlasste Herrn Ralf Urbanczyk aus Eisleben zu folgender Bemerkung: "Der Bericht über den Afrikaforscher Emil Holub war hörenswert. In den Sendungen über die tschechische Geschichte stellten Sie Ihren Hörern schon häufig Personen vor, die nicht die große Politik machten, aber die Zeit, in der sie lebten, gut widerspiegeln und begreifbar machen. Ich denke, dies ist bei Betrachtungen zur Geschichte ein wichtiger Ansatzpunkt."

So kann man es durchaus sehen, Herr Urbanczyk - danke, für Ihre Meinung. Herr Jürgen Kückelhaus aus Mettmann wiederum ist dankbar für jede neue Information: "Es mag eine Bildungslücke sein, aber der Name Emil Holub ist bzw. war mir total unbekannt. Ebenso interessant und neu war die Information, dass die erste elektrische Eisenbahn zwischen Tábor und Bechyne verkehrte. Fazit: Wieder was dazu gelernt!"

Ja es freut uns, Herr Kückelhaus, wenn wir Ihnen und vielen anderen Hörern immer wieder auch etwas Neues bieten können. Unsere Welt ist ja schließlich so bunt und vielschichtig, dass wir gar nicht alles aufnehmen und verarbeiten können, was uns geboten wird. Einer, der in seinem Genre nicht wenig zu dieser Vielfalt beigetragen hat, war der mehrfach preisgekrönte tschechische Schauspieler Vlastimil Brodský. Zu dessen Ableben schrieb uns Hörer Gerhard Robrahn aus Berlin diese Zeilen: "Ich musste gerade in der ´Prager Zeitung´ den Artikel über den Tod von Vlastimil Brodský lesen. Auch mir war er als Schauspieler sehr ans Herz gewachsen, schließlich bin ich mit ´seinen´ Filmen groß geworden. Gott sei Dank wurden früher viele gute Filme aus Tschechien bei uns im Fernsehen gezeigt. Heute ist es seltener zu erleben, nur noch amerikanische Streifen im Programm. Einzig tschechische Kinderfilme (meist ältere) retten das deutsche Kinderprogramm. Ohne sie würde es wahrscheinlich kein Kinderprogramm im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen geben."

Nun ja, Herr Robrahn, ob die Fernsehlandschaft in Deutschland gar so trübe aussieht, können wir nicht kompetent beurteilen. Traurig ist allerdings, dass mit dem furchtbaren Amoklauf von Erfurt auch zu Tage trat, dass in deutschen TV-Anstalten, Kinos und Videotheken offensichtlich zu viel an gewaltverherrlichendem Material über die Leinwand flimmert. Andererseits ist dies sicher kein rein deutsches Problem, sondern eines der Konsumgesellschaft an sich. Und sicher ist das auch ein Thema für Sie, liebe Hörer, über das wir in einer unserer nächsten Sendungen weiterdiskutieren könnten. Also schreiben Sie uns dazu bitte Ihre Meinung!


Zum Abschluss unserer heutigen Sendung möchten wir uns noch einmal kurz allen DX-ern unter Ihnen zuwenden. Wie Herr Reiner Peuthert aus Stendal wollen diese immer wieder von uns wissen: "Gibt es noch die Radio-Hobby-Sendung?"

Dazu müssen wir Ihnen leider antworten: "Nein, sie gibt es nicht mehr und sie ist auch leider nicht in Sicht." Der Grund ist leider ein kleines Generationsproblem: Denn nach dem Tod unseres früheren Mitarbeiters Josef Danes haben wir unter uns Jüngeren leider keinen mehr gefunden, der sich in dieser Materie so richtig auskennt. Die heute nachrückenden Generationen wachsen halt mit PC, CD und Internet auf und nicht mehr mit dem schönen alten "Dampfradio". Doch für alle DX-er haben wir abschließend noch den kleinen Trost: Wie wir bereits vor Monatsfrist verkündet haben, findet an diesem Samstag, dem 11. Mai, im badischen Gaggenau-Ottenau das 21. Überregionale DX-Treffen statt, und zwar ab 14 Uhr im Gasthaus "Zum goldenen Stern", in der Hauptstraße 213. Wie uns unser Hörer Bernhard Seiser schon seinerzeit mitteilte, sind zu diesem Treffen neben den DX-ern aus dem Raum Murgtal, Karlsruhe, Bretten und Offenburg auch alle Kurzwellenhörer, DX-er und Freunde des Rundfunkfernempfangs aus anderen Empfangsgebieten herzlich eingeladen. Der Tagungsort ist am besten zu erreichen über die Autobahnausfahrt Rastatt und von dort über die Bundesstraße 462 bis zur Ausfahrt Gaggenau-Mitte. Das Gasthaus liegt zur linken Seite der Hauptstraße.

Soweit dazu, und um keine Wünsche offen zu lassen, wollen wir hiermit auch noch den Gruß von Herrn Seiser an Frau Lergenmüller weiterleiten. Doch damit sind wir endgültig am Ende der Sendung angelangt, vom Mikrofon verabschieden sich - Dagmar Keberlova und Lothar Martin.