Hoffnung - Ullmanns Vermächtnis aus Theresienstadt

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Die Mitarbeiter des Prager Goethe-Instituts sind für ihr Organisationstalent bekannt. Am vergangenen Sonntag luden sie zu einem interessanten Konzert in die Spanische Synagoge. Präsentiert wurden Werke des tschechischen Komponisten Viktor Ullmann, der während seiner Inhaftierung im Konzentrationslager Theresienstadt, in den Jahren 1942-1944, unter den schwierigsten Bedingungen beeindruckende Musik schuf. Das Programm, das den Namen Hoffnung trägt, wurde von drei Künstlern der New Yorker Kunstakademie Elysium dargeboten, die im Rahmen einer Tournee an die Moldau gekommen waren. Michael Lahr, der Dramaturg und Manager der Akademie, deutete in einem Vorwort auf die Bedeutung der Werke Ullmanns hin und zeigte eine Verbindung zu einem aktuellen Problem auf. Er habe sich, wie die Musiker auch, zur Zeit des Terroranschlangs in unmittelbarer Nähe des World-Trade-Centers befunden. Die lähmende Angst, die sich danach über Wochen wie ein schwarzes Tuch auf die Gemüter der Menschen legte, erinnerte ihn an die Werke Ullmanns, der den Satz prägte: "Wir saßen nicht weinend an Babylons Flüssen, und unser Wille zur Kreativität war ebenso groß wie unser Wille zum Leben." Daraus entstand folgende Idee, die dann Leitmotiv des aktuellen Programms wurde: Wie stark dieser Wille zum Leben und zur Kreativität war, läßt sich an der Intensität der Lieder erkennen. Die Sängerin Jeannie Im, begleitet von dem Pianisten John Simmon, versteht es ausgezeichnet, dem Publikum den Charakter Ullmanns Werke nahe zu bringen. Der Komponist schuf mit einfachsten Mitteln Lieder, die von so starker Liebe, Hoffnung und Lebensbejahung zeugen, dass es eigentlich kaum eine geeignetere Musik für den Beginn dieses neuen Jahres geben kann. Künstlerischer Leiter der Elysium Akademie ist der Theaterwissenschaftler Gregorij von Leitis. Er rezitierte, vom Piano begleitet, "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" - eine Dichtung von Rainer Maria Rilke. Im Anschluß an das Konzert äußerte er, was diese Musik für ihn persönlich bedeutet: Mit ihrem Programm wird die Künstlergruppe noch weiter ziehen. Weitere Konzerte wird es in Deutschland und Italien geben, bis die Tournee dann im Februar in New York ihr Ende findet.