Im Regenwald am Moldauufer: Tropenhaus Fata Morgana

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Er ist ein beliebtes Ziel für alle Prager, die Entspannung in der Natur suchen: der Botanische Garten in Troja. Dort kann man nach dem langen Winter inzwischen schon viele blühende Beete und exotische Sträucher bewundern. Durch den Park, der sich unweit der Prager Zoos befindet, haben wir Sie in der letzten Märzausgabe des „Spaziergangs durch Prag“ geführt. Dabei haben wir versprochen, ein anderes Mal die momentan größte Attraktion des Gartens zu besuchen: das Tropenhaus Fata Morgana.

Der botanische Garten der Hauptstadt Prag befindet sich im Stadtteil Troja, der nach dem gleichnamigen Barockschloss benannt wurde. 40 Hektar groß ist das gesamte Gelände des Parks und erstreckt sich bis in die Hügel von Troja. Aber nur auf einem kleinen Teil sind unter freiem Himmel Pflanzenausstellungen errichtet worden, der große Rest ist als Naturpark für die Öffentlichkeit frei zugänglich.

Außerhalb des Gartens, am südlichen Hang der Troja-Felsen, zieht ein modernes Glasgebäude die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Es heißt Fata Morgana und ist das tropische Gewächshaus. Das Glasgebäude hat einen S-förmigen Grundriss und passt in das felsige Terrain. Einer der Felsen bildet praktisch die Rückwand des Treibhauses, der Felsen wurde deswegen bepflanzt. Öffnet man die Tür zum Glasgebäude, kommt einem bereits heiße und feuchte Luft entgegen. Unter diesen tropischen Bedingungen arbeitet jeden Tag auch Věra Bidlová. Sie ist Mitarbeiterin des Botanischen Gartens:

„Auf die Idee, das Tropenhaus Fata Morgana zu errichten, kam Jiří Haager, der bis 2001 Direktor des Gartens war. Er ist ein anerkannter Experte im Bereich tropischer Pflanzen. Als er in der zweiten Hälfte der 90er Jahre hier zu arbeiten begann, gab es nur die Pflanzenausstellungen unter freiem Himmel. Da aber von einem botanischen Garten erwartet wird, dass es dort auch exotische Pflanzen gibt, entschied er sich, ein Gewächshaus einzurichten. Jiří Haager ist ein progressiver Mensch und wollte kein Treibhaus mit exotischen Pflanzen in Blumentöpfen auf einem Tisch. Die Bepflanzung sollte hingegen der natürlichen Vegetation möglichst ähnlich sein.“

Das Tropenhaus ist in drei Klimazonen mit entsprechender Temperatur und Luftfeuchtigkeit gegliedert. Zuerst spaziert man durch eine trockene tropische Zone, wo vor allem wasserspeichernde Pflanzen, so genannte Sukkulenten wachsen – also vor allem Kakteen. Der anschließende und größte Teil des Treibhauses stellt die Vegetation aus Niederungsregenwäldern vor. Im dritten, gekühlten Teil wurde Hochgebirgs-Klima geschaffen. Věra Bidlová:

„Die Pflanzungen sind in jeder der Klimazonen so angeordnet, dass sie die Vorstellung einer natürlichen Pflanzengemeinschaft hervorrufen. Es gibt hier jedoch nicht nur Pflanzen, sondern auch viele Tiere. Der Weg durch die Fata Morgana führt beispielsweise auch unter einen tropischen See, in dem man neben den Pflanzen auch Fische bewundern kann. Bis Ende März haben wir im Garten auch Abendführungen angeboten. Das Interesse war sehr groß, wir waren ziemlich überrascht. Die Führungen waren lange im Voraus ausverkauft. Die nächsten Führungen durch das abendliche Gewächshaus werden wir ab November wieder anbieten. Bereits jetzt ist das Interesse an den Führungen wieder sehr groß.“

Der tropische Teil des Gewächshauses wird von der Pflanzengemeinschaft Südamerikas dominiert, dazu kommt die Flora Australiens und Ozeaniens, Madagaskars, Vietnams und der Philippinen. Auf einer Aussichtsterrasse kann man einen Moment einhalten und sich mit Blick auf den nahen Wasserfall in die Atmosphäre des Urwaldes vertiefen.

Seit Anfang März gibt es im Tropenhaus drei neue Epiphytenstämme, erzählt die Expertin. Als Epiphytenstamm bezeichnet man den Nährboden für Schmarotzerpflanzen. Solche Pflanzen wachsen in den Urwäldern auch auf Bäumen. Sie krallen sich mit ihren Wurzeln in die Rinde der Bäume. Věra Bidlová:

„Der erste der Epiphytenstämme befindet sich im Tieflandurwald. Der Stamm wurde über dem Steg installiert und ist inzwischen schon von einigen tropischen Pflanzen bewachsen. Der zweite Stamm ist für Orchideen und Ameisenpflanzen bestimmt. Und den dritten Stamm haben wir im Hochgebirgsteil des Treibhauses installiert.“

In einem Teil des Regenwaldes ziehen den Besucher große Trauben von türkisgrünen Blüten in den Bann, die von hohen Klettersträuchern hängen. Die Form der Blüten erinnert an Schmetterlinge.

„Das ist die Liane Strongylodon, sie ist durch ihre bis zu 50 Zentimeter langen Blütentrauben bekannt. Vor allem die Farbe der Blüten ist einzigartig. Sie kommt aus Malaysia und Indien. Die Pflanze blüht einmal im Jahr.“

So Věra Bidlová. Der Eindruck, dass man sich im Regenwald befindet, wird durch die Luftfeuchtigkeit unterstrichen.

„Hier bewegt sich die Temperatur im Durchschnitt zwischen 26 und 28 Grad Celsius. Und die Luftfeuchtigkeit beträgt 85 bis 90 Prozent.“

Bedeutend angenehmer ist es im dritten Raum des Gewächshauses, in dem die Flora aus den Hochgebirgsgebieten zu besichtigen ist. Vertreten sind hier Pflanzen aus den südamerikanischen Anden sowie beispielsweise von den Inseln Südostasiens und aus dem subtropischen Südafrika. Den Regenwald verlässt man durch einen Gang und im Nu erreicht man das Hochgebirge:

„Diese zehn Meter, die man zurücklegt, stellen etwa 1000 Höhenmeter dar. Der Besucher befindet sich in den Tropen, jedoch im Gebirge in 1000 bis zu 1400 Metern Höhe. Der letzte Raum im Gewächshaus wird gekühlt. Die Luftfeuchtigkeit ist hier nicht mehr so hoch und man kann hier besser atmen.“

Der Botanische Garten hat eine große Sammlung von Fleisch fressenden Pflanzen der Gattung Nepenthes – zu Deutsch: Kannenpflanzen. Der größte Teil von ihnen befindet sich eben in dem gekühlten Raum der Berggegenden:

„Die Blüten der Pflanzen sind die Fallen, sie hängen von langen Ranken herunter. Der Rand der Blüten ist ganz glatt, sodass die Insekten hineinrutschen und keine Chance haben, aus der Falle zu fliehen. Einige der Fallen haben ein Volumen von fast einem Liter.“

Das Tropenhaus Fata Morgana ist täglich außer Montags geöffnet. Noch bis Ende April kann man dort eine Ausstellung tropischer Schmetterlinge besichtigen. Bis Ende Mai ist im Tropenhaus zudem eine Ausstellung von Veronika Richterová installiert. Die Bildhauerin konzentriert sich in den letzten Jahren auf die Arbeit mit Pet-Flaschen. Ihre Werke nennt sie die Pet-Art.

Fotos: Autorin