Integration geistig behinderter Menschen: "Aktion Ziegelstein" beginnt

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In Prag werden dieser Tage gleich zwei Kampagnen beginnen, die Menschen mit geistigen Behinderungen zu Gute kommen sollen. Es handelt sich um die Kampagnen "Akce cihla" (deutsch: "Aktion Ziegelstein") und "Podzimni kafemleti" (deutsch: "Kaffeemahlen im Herbst"), die von den Bürgervereinen "Mame otevreno?" und "PORTUS" erstmals gemeinsam organisiert werden.

Für die "Akce cihla" wurden über 20 000 Ziegelsteine hergestellt, die das Logo der Kampagne tragen. Diese werden vom heutigen Tage an zwei Monate lang an vier zentralen Stellen in der Prager Innenstadt käuflich zu erwerben sein, so zum Beispiel am Wenzelplatz. Ihr Gegenwert beträgt 100 tschechische Kronen und jeder Käufer erhält ein Erinnerungszertifikat, das seine Spende bestätigt. Jiri Sobek, Vorsitzender von "Portus" beschreibt die Ziele der diesjährigen Kampagne:

"Gemeinsam mit "Mame otevreno" haben wir beschlossen, einen Teil, d.h. etwa die Hälfte der Einnahmen aus der Kampagne, der beruflichen Eingliederung geistig behinderter Menschen zu widmen. Denn gerade für Menschen mit Behinderungen, die ständig auf die Hilfe anderer angewiesen sind, ist es sehr wichtig, einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen zu können."

Die andere Hälfte wird für die Erweiterung eines betreuten Wohnprojekts verwendet, das dank der Spendenaktionen der letzten beiden Jahre realisiert werden konnte. Jiri Sobek hierzu:

"Das Gebäude, das für dieses Projekt benötigt wurde, konnte mit den Spendengeldern saniert werden. Inzwischen leben hier fünf männliche Bewohner. Anfang Herbst werden fünf weitere, diesmal weibliche Bewohnerrinnen einziehen."

Die zweite Kampagne, "Podzimni kafemleti", ist als Informationskampagne geplant, in deren Rahmen Taschenkalender für das Jahr 2003 an Passanten verteilt werden, die Fragen zum Thema "Geistige Behinderungen" richtig beantworten können. Die Kalender beinhalten etwa zehn Lebensgeschichten geistig behinderter Menschen sowie Gedichte eines autistischen Autors aus Groß-Britannien und sollen den Leser zum Nachdenken über dieses Thema anregen.

Ein bereits bestehendes Ergebnis der Kampagnen ist das Cafe "Vesmirna", unweit des Wenzelplatzes, das als gutes Beispiel für die geglückte Integration behinderter Menschen ins Arbeitsleben dient. Alle in diesem Cafe anfallenden Arbeiten werden von geistig behinderten Mitarbeitern ausgeführt. "Und die machen ihre Arbeit ausgesprochen gut," so die Leiterin des Cafes, Jana Moutelikova.

Außerhalb Prags kann man die Kampagnen unterstützen, indem man an Tankstellen der Kette "Benzina" Erinnerungszertifikate kauft. Nur auf den symbolischen Ziegelstein muss man hier leider verzichten.