Karlsbrücke muss für nächste Generationen renoviert werden

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Wer schon mal in der tschechischen Hauptstadt war, der wird sie sicher überquert haben: Ein Spaziergang über die Karlsbrücke gilt für jeden Prag-Besucher als ein obligatorischer Punkt auf seinem Programm. Kaum jemand wird sich wundern, dass diese mehr als 650 Jahre alte Brücke nun dringend eine umfangreiche Renovierung braucht. Darüber bestehen auch in Tschechien keine Zweifel und Streitigkeiten und die seit vielen Jahren dauernde Planung, die von wenig konstruktiven Debatten begleitet wurde, wird nun in die Tat umgesetzt. Von Marketa Maurova.

Die erste Bauetappe soll bereits in diesem Frühling eröffnet werden. Allerdings erst, nachdem einige noch ungelöste technische Fragen geklärt worden sind und man einen der vier Kandidaten, die sich um den Bau bewerben, ausgewählt hat. Sollten die Bauarbeiten planmäßig laufen, können wir uns in drei Jahren wieder auf eine verjüngte Brücke freuen.

Die Kostenschätzungen in Bezug auf den gesamten Bau bewegen sich zwischen 250 und 400 Millionen Kronen. Einen Teil dieser Mittel will man auch durch eine Spendensammlung aufbringen, die am 1. September letzten Jahres ausgeschrieben wurde. Auf dem Konto befinden sich derzeit etwa 8,3 Millionen Kronen. 50 Millionen hat die Tschechische Versicherungsanstalt Ceska pojistovna zugesagt. Zu weiteren Spenden soll ab März eine neue Werbekampagne aufrufen. Der Prager Oberbürgermeister Jan Kasl hofft besonders auf Spenden von den Prager Unternehmen, die von den Denkmälern der Metropole leben, ihre Steuern jedoch nicht an die Stadt, sondern an den Staat abführen müssen. Die Tatsache, dass in den sog. Geldkästchen direkt auf der Brücke nur rund 35 Tausend Kronen gesammelt wurden, führte kürzlich zu Kommentaren, in denen von einem Desaster die Rede war. Jan Kasl lehnt diese Meinung entschieden ab:

"Die Geldkästchen sind nur eine Begleiterscheinung der Sammlung, die eher auf Grundlage eines diesbezüglichen Interesses entstanden sind. Ich habe mal geschätzt, dass die Sammlung 100 Millionen Kronen aufbringen könnte, 50 Millionen von der Versicherungsanstalt und weitere 50 durch andere Spenden. Sie wird erst dann richtig in Gang kommen, wenn die Bauarbeiten aufgenommen werden, wenn die Leute sehen können, dass etwas passiert."

Doch einen wichtigen Zweck hat die Sammlung bereits erfüllt - sie weckte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und wandte sie der Brücke zu.

"Ich hoffe, dass sie besonders den Staat provozieren wird. Die Bürger wurden in dem Sinne provoziert, dass sie sich der Bedeutung der Denkmäler und dessen bewusst wurden, dass wir für die Denkmäler, für das Erbe sorgen müssen, nicht nur für uns, sondern auch für die Zukunft."

Obwohl Prag über 50 % des Fremdenverkehrs in der Tschechischen Republik auf sich vereint, erhält es vom Staat fast keine finanziellen Mittel für seine Denkmäler, beklagt sich der Prager Oberbürgermeister.

"Der Staat hat bisher kaum reagiert. Das Kulturministerium hat in seinem Haushalt sehr begrenzte Quellen zur Verfügung. Es gab im letzten Jahr etwa 6,5 Millionen Kronen für Prager Denkmäler aus, wobei die Stadt Prag den Besitzern der Kulturdenkmäler etwa 67 Millionen zur Verfügung gestellt hat. Meiner Meinung nach ist dies ungeheuerlich. Die Karlsbrücke ist das nationale Denkmal Nummer 1, zu dem der Staat kaum etwas beiträgt."