Klamauk auf Tschechisch und Deutsch – Felix Holzmann

Felix Holzmann (Foto: YouTube)

Ein Strohhut und ein Halstuch, ein kariertes Sakko oder ein Arbeitsmantel – und vor allem eine Brille mit großem schwarzem Gestell. Vielleicht erinnern sich auch unsere Hörer aus Ost-Deutschland an diesen Komiker aus der ČSSR, wie er sich selbst auf der Bühne genannt hat. Sein Name: Felix Holzmann. Obwohl er in den 1970 und 1980er Jahren in der DDR und der Tschechoslowakei sehr beliebt war, ist seine Lebensgeschichte praktisch unbekannt. Vor kurzem hätte Holzmann seinen 95. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass nun einige interessante Details über den zweisprachigen Humoristen.

František Budín und Felix Holzmann  (Foto: YouTube)
Er war ein Perfektionist, der sich in der beengten Atmosphäre des Kommunismus möglichst viel Freiheit bewahren wollte – so wird Holzmann von Kollegen aus seiner Branche beschrieben. Seine Auftritte wirkten auf den ersten Blick wie reine Improvisation, sie waren jedoch bis ins Kleinste durchdacht und Dutzende Male geprobt. Holzmann war nämlich ein Wanderkünstler. Er hatte keine ständige Bühne, er zog mit seinem Programm durchs Land bis in entfernte Winkel. Meist trat er zusammen mit František Budín auf, beide Komiker haben mehr als 30 Jahre lang zusammengearbeitet. Holzmann schuf die Figur eines begriffsstutzigen Kerls, der unglaublich doofe Fragen stellt und die Wortendungen komisch in die Länge zieht.

Foto: Litera
Später wurde er auch gebeten, im Fernsehen aufzutreten. Dort präsentierte er dann erstmals seine besten Sketche – und zugleich meist zum letzten Mal. Denn was die Menschen einmal im Fernsehen gesehen haben, wollen sie doch nicht noch einmal sehen, lautete seine Regel. Die erfolgreichsten Stücke nahm er aber auch auf Schallplatte auf. Eines von ihnen heißt „Das Schnitzel“, das auf der LP „Heiter und so weiter“ 1978 in einer deutschen Version herauskam:

A: Guten Tag, Herr Flinterer!

B: Guten Tag, Herr Reising!

A: Was machen Sie hier auf der Bank?

B: Ich möchte nur einen kleinen Imbiss nehmen. Wollen Sie sich für eine Weile zu mir setzen?

A: Meinen Sie hier auf die Bank?

B: Wohin denn sonst?

A: Naja, falls die Bank nicht sehr kalt ist …

B: Sind sie verkühlt?

A: Ich bin etwas durch Zugluft…., wissen Sie, und da muss ich mich eher auf etwas Warmes setzen.

B: Das kann ich verstehen.

A: Und wissen sie, dass diese Bank ganz schön warm ist?

B: Ja?

A: Ich würde fast sagen, sie strahlt direkt Wärme aus. Was suchen sie denn?

B: Ich schaue nur, wo ich mein Schnitzel hingelegt habe.

A: Aha, sie haben hier irgendwo ein Schnitzel gehabt?

B: Ich hab es hier irgendwo hingelegt.

A: Hier irgendwo auf die Bank?

B: Ja, hier auf die Bank.

A: Sagen sie, war das Schnitzel zufällig noch warm?

B: Ja, es war noch ganz schön warm…

A: Haben Sie es nicht zufällig auf die Seite gelegt, wo ich sitze?

Komiker statt Kaufmann

Teplice in den 1920er Jahren
Felix Holzmann wurde am 8. Juli 1921 geboren, und zwar in der nordböhmischen Stadt Teplice / Teplitz. Sein Vater war ein gut abgesicherter deutscher Kaufmann, seine Mutter Tschechin. Deswegen beherrschte er beide Sprachen perfekt. Über seine Kindheit hat der Komiker jedoch fast nie gesprochen. Erst nach seinem Tod stellte sich beispielweise heraus, dass er als junger Mann als Artillerist bei der deutschen Kriegsmarine dienen musste. Die Familie erhielt nämlich die Reichsstaatsbürgerschaft, nachdem Hitler die Sudetengebiete im Jahr 1938 besetzt hatte. Trotzdem durften die Holzmanns nach dem Krieg in der Tschechoslowakei bleiben. Irena, die Tochter des Komikers, erinnerte sich 2006 in einem Fernseh-Interview:

Irena,  die Tochter des Komikers  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Er absolvierte die Handelsakademie in Ústí nad Laben, denn der Wunsch meines Großvaters war, dass Felix das Geschäft übernimmt. Mein Vater hatte jedoch kein Talent dazu und wollte die Ausbildung eigentlich auch nicht machen. Als der Laden nach dem Krieg konfisziert wurde, zerbrach etwas in meinem Großvater, Felix war dies hingegen ziemlich recht. Mit einem Freund baute er eine Kleiderfirma auf, sie nähten Hemden. Sie hatten jedoch keinen Erfolg. Felix ließ sich dann in einem Kulturbetrieb anstellen, für den er Plakate entwarf. Aber auch dies gab er letztlich auf und begann die Karriere eines Komikers.“

František Budín  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Bald danach kam es zum schicksalshaften Treffen mit seinem späteren künstlerischen Partner. Auch František Budín spielte damals in unterschiedlichen Unterhaltungsshows. Er sah Holzmann bei dessen Soloauftritt in der Kaserne von Litoměřice / Leitmeritz und bat ihn, gemeinsame Sache zu machen. Holzmann willigte sofort ein. Ihr erster Sketch hieß „Die Ukulele“ – ein Wortspiel um die tschechische Vorsilbe „u“, also „bei“. Der Erfolg war riesengroß, Herr „Kulel“ aus dieser Szene bringt bis heute die Menschen zum Lachen. Ihre gemeinsame Zeit begann in den 1950er Jahren, noch während der stalinistischen Repressalien, aber die Menschen waren für jede Zerstreuung dankbar. Budín und Holzmann spielten meist in Gasthäusern oder kleinen Theatern. Für ihre Auftritte stopften die Entertainer alle Requisiten in einen Rucksack, denn oft reisten sie mit Zug oder Bus, aber einmal auch mit dem Fahrrad. František Budín:

„Als wir auf Tournee waren, kamen wir einmal in ein Dorf und fragten nach dem Weg. Die Einheimischen sagten: ‚Ja, das sind noch sechs Kilometer. Wir leihen Ihnen Fahrräder, damit Sie schneller dort hinkommen.‘ Oft bekamen wir auch Essen und Trinken, die Menschen boten uns zudem Unterkunft, alles gratis. Wenn wir in einem Betrieb gespielt haben, bekamen wir das, was dort hergestellt wurde, zum Beispiel Federbetten oder in der Slowakei auch Telefone.“

Gemeinsame Show mit Karel Gott

Karel Gott und Felix Holzmann  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Felix Holzmann arbeitete später auch mit weiteren beliebten Künstlern von damals zusammen. Manchmal kam er auch in die Fernsehshow von Karel Gott. Der Komiker soll sehr stolz gewesen sein, gemeinsam mit dem populärsten tschechischen Sänger auf einer Bühne zu stehen, wie er sich seinen Kollegen anvertraut hat. Die Sympathien waren beiderseitig, Karel Gott hatte früher bereits Holzmanns Vorstellungen besucht. Als ihm ein TV-Regisseur vorschlug, den Komiker zu engagieren, muss er laut eigenen Worten begeistert gewesen sein. Es war jedoch nicht so einfach, wie sich der Schlagerstar im Jahr 2006 erinnert hat:

Ján Roháč  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Als ich mit ihm unseren ersten gemeinsamen Auftritt vorbereiten wollte, habe ich mich sehr auf ihn gefreut. Regisseur Jan Roháč und ich waren uns sicher, dass das ein großer Spaß wird. Dann passierte etwas, was ich nicht erwartet hatte. Felix Holzmann war ganz ernst und hat beinahe wie ein Wissenschaftler über den Humor geredet. Alles musste komplett ausgefeilt sein: jeder Atemzug, jede noch so kleine Pause, die Pointe. Immer, wenn ich etwas ein bisschen anders sagen wollte, entspannter oder spontaner, sagte er: Nein, das wird sich nicht ausgehen. Das muss genau so sein.“

Man sagt, Komiker wären privat häufig traurig. Bei Felix Holzmann kam dieser Moment im Jahre 1970, als seine Ehefrau Selbstmord beging. Sie habe an Depressionen gelitten und schon zuvor einige Male versucht, sich das Leben zu nehmen, erinnert sich ihre Tochter Irena. Jenseits der Bühne sei ihr Vater ab da sehr bedrückt gewesen, habe aber weitergemacht. Dann erhielt er die Möglichkeit, mit einem tschechischen Sänger in der damaligen DDR aufzutreten. František Budín war auch dabei – er stammte ebenfalls aus dem Sudetenland und sprach sehr gut Deutsch. Holzmann lernte in Ost-Deutschland die 24 Jahre jüngere Sängerin Bärbel Greif kennen, später heirateten beide. Zusammen spielten sie auch viele Sketche, so zum Beispiel in der beliebten TV-Show „Ein Kessel Buntes“. 1975 lief im DDR-Fernsehen beispielsweise „Das Telefonat“:

Felix Holzmann und Bärbel Greif  (Foto: YouTube)
A: Hallo, hallo… Er kann mich nicht verstehen, nehmen Sie das…

B: Ja, aber nur ganz kurz. Das Wichtigste kann ich ihm sagen…

A: Würden Sie ihm bitte sagen, das hat er nämlich von mir so gern: Mein süßes Turteltäubchen, bald werde ich dir wieder in die Augen schauen.

B: Also, Mein süßes Turteltäubchen …. (schreit in den Hörer) Turteltäubchen … Turteltäubchen … (zu ihr) Können Sie sich nicht einen anderen Vogel ausdenken?

Ab den 1980er Jahren lebte Felix Holzmann wechselweise in Prag und in Chemnitz. Nach der politischen Wende von 1989 trat er immer weniger in Tschechien auf, laut seinen Kollegen wollte er sich nicht den neuen Trends im Showbusiness anpassen. Felix Holzmann starb 2002 im Alter von 81 Jahren.

Autor: Jakub Šiška
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