Kriegsveteran General Tomáš Sedláček gestorben

Tomáš Sedláček, foto: Post Bellum

Während des Zweiten Weltkriegs hat er sowohl an der West- als auch der Ostfront gegen Nazi-Deutschland gekämpft. Von den Kommunisten wurde er für lange Jahre ins Gefängnis geschickt. Erst nach der Wende von 1989 wurde er rehabilitiert: General Tomáš Sedláček, ein verdienter Kriegsveteran, der schon zu Lebzeiten in Tschechien zur Legende wurde. Am Montag ist Sedláček im Alter von 94 Jahren in Prag gestorben.

Tomáš Sedláček
Das Schicksal von General Tomáš Sedláček ist ein trauriges Beispiel dessen, wie das kommunistische Regime mit Persönlichkeiten umging, die bereit waren, für die Freiheit ihr Leben zu geben. Sedláček absolvierte 1938 als einer der besten Studenten die Militärakademie im mährischen Hranice. Nach der Nazi-Okkupation wollte er in seiner Heimat nicht länger bleiben:

„Ich habe mich entschieden, dass ich gegen Hitler kämpfen muss. Ich habe beschlossen, ins Ausland zu flüchten. Auf diese Weise bin ich in die Kämpfe des Zweiten Weltkriegs geraten“. So erinnerte sich der General vor einigen Jahren im Tschechischen Fernsehen.

Sedláček schloss sich 1940 den tschechoslowakischen Armeetruppen in Frankreich an. Nach der Niederlage Frankreichs diente er bei den Artillerietruppen in Großbritannien. 1944 wurde er in die Sowjetunion entsandt, wo er schon bald Stabschef einer Fallschirmbrigade wurde. Sedláčeks Verdienste im Kampf gegen die Nazis wurden vom kommunistischen Regime der Tschechoslowakei jedoch überhaupt nicht geschätzt, im Gegenteil. Dazu sagte Historiker Tomáš Jakl:

„General Sedláček hatte die Möglichkeit, zu vergleichen. Er war in Frankreich, in England und in der Sowjetunion. Nach dem Krieg hielt er Vorträge an der damaligen Militärakademie in Hranice. Darum stellte er für die Kommunisten eine Gefahr dar. Denn er war fähig, junge Menschen anzusprechen und vor allem kritisch zu denken.“

Tomáš Sedláček, foto: Post Bellum
1951 wurde Sedláček verhaftet und nach ständigen, fast ein Jahr lang währenden Verhören und Folterungen wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Als politischer Gefangener wurde er dabei in mehrere der berüchtigten kommunistischen Gefängnisse gesteckt. Sieben Jahre verbrachte er im kommunistischen Arbeitslager Bytíz, wo politische Gefangene Uran mit bloßen Händen abbauen mussten. 1960 wurde er im Rahmen einer Amnestie freigelassen, durfte danach aber nur einen Arbeiterberuf ausüben. Trotz des harten Schicksals sei Sedláček stets optimistisch geblieben, so der Historiker:

„Er sagte von sich selbst, er sei ein Optimist. Den schwierigsten Situationen trotzte er mit seinem festen Willen, den er unter die Parole stellte: ´Ich halte durch´. Er war immer davon überzeugt, dass alles doch noch ein gutes Ende haben wird. Als Mitglied des Sokol-Turnvereins hat er sich sein ganzes Leben lang körperlich gestählt. Das hat sich zweifelsohne auch positiv auf seine psychische Verfassung ausgewirkt.“

Tomáš Sedláček, foto: Post Bellum
Vollständig rehabilitiert wurde Sedláček erst nach 1989. Er wurde zum General ernannt und mit mehreren staatlichen Auszeichnungen bedacht, darunter mit dem Tomáš-Garrigue-Masaryk- und dem Milan-Rastislav-Štefánik-Orden. Er war zudem Träger mehrerer ausländischer Auszeichnungen. Nach der Erneuerung des Tschechoslowakischen Legionärverbandes war er dessen erster Vorsitzender. Aus gesundheitlichen Gründen trat er Ende der 1990er Jahre von allen öffentlichen Ämtern zurück. In den letzten sieben Jahren seines Lebens war der General blind. Trotzdem nahm er auch weiterhin am öffentlichen Leben teil. Im Juni dieses Jahres hielt er eine Rede während der Gedenkveranstaltung, die zum 70. Jahrestag der Niederbrennung der Gemeinde Ležáky durch die Nazis stattfand. Dabei äußerte er, dass er drei Wünsche habe:

„Ich wünsche mir, dass die nächsten Generationen nicht das erleben müssen, was unsere Generation erlebt hat. Ich wünsche mir, dass jedes Mitglied unseres Volkes einmal die Krypta der Kyrill- und Method-Kirche in Prag besucht und dort darüber nachdenkt, was der Kampf für die Freiheit bedeutet. Dort befindet sich eine Gedenkstätte für die Heydrich-Attentäter. Und drittens wünsche ich mir, dass vor allem die nächsten Generationen zur Kenntnis nehmen, dass der Kampf für die Freiheit nicht zu Ende ist und dass auch sie für die Aufrechterhaltung der Freiheit verantwortlich sind.“