Kur und Kultur in Luhacovice

Das Kurtheater in Luhacovice (Foto: Pavel Langer, CC BY-SA 3.0 Unported)

Willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, bei einer neuen Ausgabe des Kulturmagazins von Radio Prag. "Prag - Kulturstadt Europas" - nein! Wir werden uns heute diesem im Jahre 2000 so häufig angesprochenen Thema nicht widmen. Im Gegenteil: wir werden uns auf das Lande begeben und bald sehen, dass auch das dortige Kulturleben der Rede wert ist. Unser heutiger Titel könnte lauten: "Luhatschowitz - Kur- und Kulturstadt Südmährens". Gute Unterhaltung wünscht Marketa Maurova.

Das Kurtheater in Luhacovice (Foto: Pavel Langer, CC BY-SA 3.0 Unported)
Der berühmte und beliebte Kurort Luhacovice/Luhatschowitz in Südostmähren blickt auf eine reiche Kulturtradition, und besonders Musiktradition zurück. Diese ist vor allem mit dem Namen des Komponisten Leos Janacek eng verbunden, der Luhatschowitz häufig besuchte und sich dort inspirieren ließ. Die Musiktradition wurde im Kurort gepflegt. Was sich jedoch ein bisschen im Schatten befand, das war das Theater. Im vergangenen Jahr gelang es, diese Lücke zu füllen. Man brachte ein Festival zur Welt, auf dem regionale Theater aus ganz Tschechien während der letzten August-Woche ihre gelungenen Kammervorstellungen präsentieren.

Die Lieder, die unsere Sendung begleiten, erklangen in diesem Jahr gleich am Eröffnungsabend, an dem das Mährisch-slowakische Theater aus Uherske Hradiste das neue Stück "Fanfan der Husar" - mit Gesängen und Fechtkämpfen aufführte. Wie das weitere Programm des einwöchigen Festivals aussah und wie er persönlich dies einschätzt, davon spricht der Rektor der Janacek-Theaterakademie in Brno, Theaterregisseur Alois Hajda:

"Das diesjährige Festival war meiner Meinung nach sehr gelungen, weil wir vier von sechs Vorstellungen als außerordentlich bezeichnen können. "Der Kontrabass" mit Martin Huba ist eine ausgezeichnete Aufführung, eine riesige schauspielerische Leistung und Huba ist einer der besten slowakisch-tschechischen Schauspieler. Auch das Theater von Cheb, mit dem Stück "Krach" von Frantisek Pokorny war hervorragend. Ebenso wie Luba Skorepova in der Regie von Milos Horansky. Na und auch das Mährisch-slowakische Thetaer, dass der - meiner Meinung nach - beste tschechische Regisseur der letzten Jahre J. A. Pitinsky geleitet hat. Das ist eine Schau von vier ganz außerordentlichen Inszenierungen, die man in Luhatschowitz sehen konnte."

Soweit der Blick auf das diesjährige Festival. Kehren wir aber in die Geschichte zurück, zu den Wurzeln der Veranstaltung. Ihr geistiger Vater ist der Schauspieler, Milos Mejzlik:

"Die Idee entstand vor 15 Jahren, als ich im Engagement in Zlin war und zu Fuß nach Luhatschowitz wanderte. Dieser Ort hat mir ungeheuer gefallen. Besonders das Gebäude des Kur-Theaters, und es tat mir leid, dass es eine Randstellung hat. Es gab natürlich Musik, Musikfestivals, denn zu Luhatschowitz gehört untrennbar Leos Janacek. Ich habe mir gesagt, dass das Theater hier eine größere Rolle verdiente, danach sehnte ich mich die ganzen 15 Jahre, nach dem ich Zlin verlassen hatte und nach Prag, ins Theater Komedie gegangen war. Und eines Tages hat mich Frau Vojteska Kupcova im Theater besucht und ich hab ihr diesen Traum erzählt. Sie sagte, gut, versuchen wir das mal. Wir haben es versucht und jetzt haben wir schon den zweiten Jahrgang."

Milos Mejzlik hat Vojteska Kupcova erwähnt. Diese Dame ist nicht nur Direktorin des Festivals, sondern auch Lehrerin am "Institut für Werbung und Marketingkommunikation" der Technologischen Fakultät in Zlin. Wir haben von ihr erfahren, dass das Festival in Bezug auf die Organisationsarbeit einzigartig ist. Es ist nämlich ein Werk der Studenten des erwähnten Instituts:

"Wir haben mit den Studenten eine kleine Marketing-Forschung in Luhatschowitz gemacht und festgestellt, das es hier ein reiches Kulturangebot gibt, aber gerade das Parkett des Kammertheaters frei bleibt. Der Termin bot sich selbst an, weil die Schauspieler Ende August aus den Ferien zurückkehren und mit Proben beginnen. In den Kurbädern herrscht jedoch noch Sommersaison.

Für die Studenten ist es eigentlich eine kontinuierliche praktische Übung, während des ganzen Semesters und in den Ferien. Alle Studenten beteiligen sich daran und lernen dabei die Art der Zusammenarbeit. Die einen sichern die organisatorische Seite, suchen Sponsoren, verhandeln mit ihnen - und die anderen, die sich der kreativen Tätigkeit widmen, entwerfen Plakate, Bulletins, fertigen Photo- und Videodokumentation usw. an. Sie kommunizieren untereinander und lernen das, was das Hauptanliegen unseres Instituts ist."

Luhatschowitz liegt ganz nah an der tschechisch-slowakischen Grenze. Einer Staatsgrenze, die erst vor einigen Jahren entstanden ist und in Herzen vieler Leute noch nicht verankert ist. Kein Wunder daher, dass das Luhatschowitzer Theaterfestival durch eine starke Atmosphäre der tschechisch-slowakischen Zusammengehörigkeit beherrscht wird. Dies beweist auch der in Tschechien beliebte slowakische Schauspieler und Pate des Festivals, Marian Labuda. Er prophezeit sogar eine Wiedervereinigung der Tschechoslowakei in der fernen Zukunft.

"Ich fühle hier in Luhatschowitz einen Hauch der guten alten Tschechoslowakei. Und weil ich diese Tradition gerne wiederbelebe, bin ich hierher gekommen. Wie man Quellen sucht, um Heilwasser zu trinken, komme ich hierher, um die tschechoslowakische Luft zu atmen."

Auch Milos Mejzlik sieht den tschechisch-slowakischen Grundtenor des diesjährigen Festivals als sehr wichtig an. Er schmiedet jedoch schon weitere Pläne:

"Wir haben unsere slowakischen Freunde eingeladen, das Studio S, und der Pate des Festivals ist der slowakische Schauspieler Marian Labuda. Wir wollen diesen Trend auch weiter fortsetzen, und zwar nicht nur mit den slowakischen Kollegen, sondern wir wollen das Festival um - wie ich sage - Visegrad, d.h. um die polnischen und ungarischen Theater erweitern. Aber wir wollen, dass hier immer, bei jedem Festival das slowakische Theater vertreten ist. Dies ist durch die Lage von Luhatschowitz und auch durch unser Denken geprägt."


Kinder-Folklore-Festival

Nicht nur Theater wurde in Luhatschowitz im Spätsommer gespielt. Bereits zum 9. Mal wurde dort auch ein Folklore-Festival veranstaltet. Das Spezifische an diesem Fest ist, dass daran ausschließlich Kinderensembles teilnehmen. Über die Geschichte des Festivals erzählt seine Organisatorin, Vera Haluzova:

"Eigentlich ist es schon das neunte Festival, aber das erste war ein Weltfestival, zu dem Kinder aus der ganzen Welt kamen. Die Tschechoslowakei war damals Gastgeber für Kinder aus allen Kontinenten mit Ausnahme der unbewohnten Antarktis und weiter Australiens, wofür es leider kein Geld gab. Wir hatten hier eine Delegation aus China, aus Ägypten usw. Ich ließ mich bei der Vorbereitung des ganzen Programms durch Ideen von Johann Amos Comenius inspirieren. Die Kinder sollten, eher als durch das Wissen - ich bin sonst Mathematikerin, d.h. das logische Wissen ist für mich sehr wichtig - also die Kinder sollen statt durch das Wissen mittels der Kunst erzogen werden. Wir müssen die Seele der Kinder und Jugendlichen kultivieren. Und die Form der Volkskunst, der Folklore, das ist der typischste Weg, weil die Volkskunst direkt aus Regionen hervorgeht. Jede Region hat ihre typische, ganz einzigartige Volkskultur, die direkt aus dem Milieu schöpft und sich in der Tracht, in Liedern, Tänzern, in Volksbräuchen usw. wiederspiegelt."

Die weiteren drei Jahrgänge des Festivals waren Leos Janacek gewidmet, für den Luhatschowitz als Inspirationsquelle galt. Auch in diesem Fall war es aber die Angelegenheit von Kindern und Jugendlichen. Über die jüngsten Jahrgänge spricht weiter Vera Haluzova.

"Das siebte und achte Festival hatten eigentlich ein gemeinsames Ziel. Das Motto des Siebten lautete: "Was werde ich in mein Bündel packen, was darf ich in diesem Jahrhundert nicht vergessen". Und in diesem Jahr, an der Schwelle des neuen Milleniums hieß es: "Was muss ich kennen und erhalten, um glücklich zu sein". Im Titel standen drei "K": "Koreny/Wurzeln", die symbolisieren, dass man den Kontakt mit dem Heimatland nicht verlieren darf. "Kridla-Flügel" - man muss seine Phantasie entwickeln, um Befriedigung zu finden. Und das letzte K waren Kontakte, d.h. Hände reichen; mittels der Folklore kann man der Jugend überall in Europa die Hände reichen. Deswegen wurden aus dem Norden Gäste aus Lettland und Polen eingeladen, aus dem Osten die Slowakei, und aus dem Süden sind diesmal zwei hervorragende Gruppen aus Ungarn gekommen: eine typische Gruppe aus Györ mit ursprünglichen Musikinstrumenten, die die Kinder häufig selbst gemacht haben, und auch ein Tanzensemble aus Ciorna."