Kuriose kulturpolitische Demonstration in Prag

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Von Marcela Pozarek.

Mit einer kleinen, aber in der tschechischen kulturpolitischen Szene Aufsehen erregenden Demonstration von rund 50 Studenten der Prager Akademie der bildenden Künste brachte man am Donnerstag vor der Nationalgalerie den Unmut über das Wirken einer schillernden Künstlerpersönlichkeit zum Ausdruck.

Der Generaldirektor der tschechischen Nationalgalerie in Prag, Milan Knizak steht nämlich schon seit langem im Kreuzfeuer der Kritik. Der egozentrische Aktionskünstler ist in Tschechien bekannt als subversiver Performer, der mit spektakulär-provokativen Installationen und Aktion bereits in den 60-er Jahren Aufsehen erregte. Nach der Wende wurde er zum Rektor der Kunstakademie erkoren, wobei man ihm immer zu Gute hielt, dass er als einer der wenigen in Tschechien fähig war eine wichtige und traditionsreiche Institution, wie die Akademie von ehemaligen kommunistischen Parteimitgliedern zu säubern. Viele verdiente Kunstprofessoren wurden entlassen und Knizak brachte frischen Wind in verknöcherte Strukturen. Knizak mischte sich auch rege in politische Scharmützel, im Jahre 1996 warf er dem Vorsitzenden der CSSD, dem heutigen Premier Milos Zeman vor, seine Manieren und seine unverhohlene Sucht nach Macht wären erschreckend.

Im Sommer 1999 wurde der umtriebige Künstler von Kulturminister Dostal in einem merkwürdigen Auswahlverfahren, Knizak galt nicht als Favorit auf den Posten den Direktor der Nationalgalerie katapultiert, wurde von Kulturminister Dostal euphorisch als einfach toll bezeichnet. Auch in seinem neuen Amt fiel Knizak durch Lust an Innovation und Provokation auf, immer öfter wurden aber Stimmen laut, die beispielsweise darauf aufmerksam machten, dass der Nationalgaleriedirektor seine eigenen Werke in die Sammlung einkauft, nur Künstler die ihm in den Kram passen protegiert, d.h. ausstellt und als Alleinherrscher die Geschicke einer Institution steuere, ohne kreativen Mitarbeitern freie Hand zu lassen.

Jedenfalls tauchten am Donnerstag 50 Studenten mit Transparenten "Weg mit Knizak" vor dem Messepalast der Nationalgalerie auf um sich über das Gehabe des Künstlerdirektors zu beschweren. Für die grösste Aufruhr sorgte aber der Nationalgalerieleiter selbst, als er sich der Demonstration genau mit dem gleichen Slogan "Weg mit Knizak" in der Hand unter die Protestierenden mischte. Wie die Tageszeitung Lidove noviny berichtete, hätten sich auch die anwesenden Ordnungshüter köstlich amüsiert, Knizak selbst wies die Vorwürfe der Studenten als Dummheiten zurück, 20 Kunststudenten tauchten auf, die wiederum den ehemaligen Akademierektor unterstützten und dieser verschwand in seiner Wirkungsstätte der Nationalgalerie mit der Bemerkung, er habe sich gut unterhalten. Die Studienabteilung der Akademie will gegen die Anti-Knizak Studenten ein Disziplinarverfahren einleiten, letztere verlangen von Kulturminister Dostal, dass Knizak seines Amtes enthoben wird.... Das Happening rund um den Aktionskünstler Knizak wird also eine Fortsetzung haben....

Autor: Marcela Pozarek
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