Lustschloss Hvezda/Stern

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Willkommen zum heutigen Spaziergang durch Prag, in dem wir Sie auf den westlichen Stadtrand von Prag führen möchten, und zwar in das Schloss Hvezda - zu deutsch Stern - das fast vier Jahre lang für die Öffentlichkeit geschlossen war. Vor kurzem wurden das Schloss im Rahmen des Projektes "Prag - europäische Kulturstadt 2000" wieder geöffnet. Wie immer bei der jeweils letzten Ausgabe des Spaziergangs durch Prag ist auch diese Ausgabe des Spaziergangs mit einem Sonderwettbewerb verbunden, den wir am Anfang dieses Jahres im Rahmen des Projektes "Prag - europäische Kulturstadt 2000" ausgeschrieben haben. Für die richtige Beantwortung einer Quizfrage, die am Ende der Sendung gestellt wird, können Sie einen Radioempfänger, einen Bildband über das historische Prag oder eine Reisetasche gewinnen. Außerdem werden alle während des Jahres im Rahmen des Sondeerwettbewerbs eingegangenen richtigen Antworten aufgehoben und diejenigen, die während des ganzen Jahres auf unsere Kontrollfragen wenigstens 11mal richtig geantwortet haben, werden dann in die große Gesamtauslosung des Wettbewerbs miteinbezogen und können - am Anfang des nächsten Jahres - einen Discman - gewinnen.

Mit der Straßenbahnlinie 22 gelangt man über den Stadtteil Brevnov bis vor das Haupttor eines großen Parks. Dieser wurde 1530 von Kaiser Ferdinand I. als Wildgehege angelegt. In den Jahren 1541-1563 wurde eine Mauer um das Wildgehege herum errichtet, sodass die Jagd auf das ins Wildgehege verbrachte Wild mehr als bequemlich war.

Der Sohn des Kaisers, Erzherzog Ferdinand von Tirol, ließ nach seinen eigenen Entwürfen in den Jahren 1555-1558 direkt bei dem Wildgehege ein einzigartiges Schloss Namens Hvezda-Stern erbauen, das sich durch eine eigentümliche Architektur auszeichnet. Über dem Grundriss eines sechszackigen Sterns wurden die Mauern hochgeführt. Zum Gelingen des Projekts trugen einige Architekten bei, darunter auch Bonifaz Wolmut. Der zweigeschossige Bau ist innen den Strahlen entsprechend in sechs Räume unterteilt. Ihre inneren Spitzen stoßen auf den zentralen zwölfeckigen Saal, zwischen den einzelnen Räumen vermitteln schmale Gänge, die auf das Zentrum zulaufen.


In dem sog. "Festsaal" wurde ein Mosaikboden aus Keramikfliesen aus dem Jahr 1562 restauriert. Der Entwurf zur Renovierung des Mosaiks ist im Erdgeschoss als Bestandteil der Ausstellung über die Geschichte und die Gegenwart des Schlosses Hvezda zu sehen. Diese ständige Ausstellung beschreibt an sorgfältig gewählten Beispielen den ursprünglichen Zweck und auch die spätere Ausnutzung des Gebäudes. Am Anfang stellte das Lustschloss einen Ort dar, wo sich die Jäger nach einem anspruchsvollen Tag entspannen konnten. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wurde das wertvolle Renaissancegebäude fast ein Hundert Jahre lang als Pulvermagazin.

Nach dem kommunistischen Putsch von 1948 wurde das Schloss nach einem Regierungsbeschluss in ein Museum des Schriftstellers Alois Jirasek und später auch des Malers Mikolas Ales umgewandelt. Die Änderungen, die zu diesem Zweck durchgeführt werden mussten, wurden von dem Architekten der Prager Burg Pavel Janak entworfen. Der Architekt führte in den Jahren 1948-1952 ein interessantes Tagebuch über diese schwere Zeit und über seine Auseinandersetzungen mit dem damaligen berüchtigten Kultusminister Zdenek Nejedly. Seit dem Ende der 50er Jahre gehört das Schlossmuseum zum Museum des nationalen Schrifttums.

1974 wurden 268 Wandgemälde entdeckt und rücksichtsvoll restauriert. Die Sgraffiti, von denen das älteste aus dem Jahr 1586 stammt, stellen heute nicht nur bewundernswerte Kunstwerke, sondern auch eine wertvolle historische Quelle dar - wie z.B. eine Zeichnung des Dachs aus dem 17. Jahrhundert. Nach 1990 musste das Museum des nationalen Schrifttums nach 1990 nach neuen Räumlichkeiten suchen, da das Strahover Kloster, wo es bis zu der Zeit untergebracht war, an den Prämonstratenserorden zurückgegeben wurde. Es wurde beschlossen, die Räumlichkeiten des Schlosses Hvezda vollständig auszunutzen.

Das Gebäude wurde allmählich renoviert, zuerst wurde das Dach neu gedeckt und das Schloss bekam neue Fenster. Das Schloss sollte ursprünglich im Rahmen der großen rudolfinischen Feierlichkeiten vor drei Jahren geöffnet werden. Die Renovierungsarbeiten wurden erst im Mai dieses Jahres beendet. Nach Worten der Direktorin des Museums des nationalen Schrifttums Eva Wolfova war es dank dem Projekt "Prag-europäische Kulturstadt 2000" möglich, finanzielle Förderung zu bekommen, um die Renovierungsarbeiten zu beenden und eine Ausstellung installieren zu können.

Neben einer ständigen Ausstellung über die Geschichte des Schlosses werden von nun an im Schloss auch gelegentliche Ausstellungen installiert. Zur Zeit wird also in der ersten Etage europäische Graphik des 15.-18. Jahrhunderts gezeigt, die aus der Privatsammlung des tschechischen Schriftstellers Jiri Karasek ze Lvovic stammt. Der Dichter und Schriftsteller Karasek ze Lvovic, lebte in den Jahren 1871 bis 1951 und war Vertreter der Dekadenz und des Symbolismus. Es gelang ihm während fünfzig Jahre eine Sammlung von 38.000 Kunstwerken tschechischer sowie ausländischer Herkunft zusammenzutragen, die sowohl die Persönlichkeit des Sammlers, als auch die Atmosphäre der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts näher bringen. Nach dem Tod des Dichters wurde die ganze Sammlung in das Museum des nationalen Schrifttums übertragen.

Die Sammlung von Graphik enthält mehr als 17.000 graphische Blätter, ungefähr die Hälfte davon stammt aus bedeutenden Kulturzentren in Italien, in den Niederlanden, in Deutschland, Frankreich, England und Spanien. Seit dem 15. Jahrhundert ist Graphik das drittwichtigste Fach der bildenden Kunst geworden, das zum Unterschied zur Malerei und Bildhauerei auch für weniger vermögende Bevölkerungsschichten erschwinglich war. Graphische Blätter stellen mythologische und historische Geschichten, Portraits, Genrebilder, geographische und lokale Besonderheiten vor und sind zugleich eine wichtige Informationsquelle und ein Zeugnis über den Zeitgeschmack.

Von den mehr als 17.000 graphischen Blättern aus Karaseks Sammlung werden in Hvezda nur 129 Graphiken ausgestellt, die nach dem Ort ihrer Entstehung gegliedert sind. In einem selbständigen Raum werden Radierungen von Vaclav Hollar gezeigt. Graphiken von Albrecht Dürer, Rembrandt, Francisco Goya und vielen anderen namhaften Künstler werden in der Ausstellung durch wertvolle Drucke ergänzt, die vom 16. - 19. Jahrhundert stammen.