Maria-Magdalena-Kapelle: Vor 70 Jahren wurde in der Tschechoslowakei erstmals ein Gebäude versetzt
Eine kleine, runde Barockkapelle in Prag ging in die tschechische Geschichte ein als das erste Gebäude, das hierzulande als Ganzes versetzt wurde.
Die Barockkapelle der heiligen Maria Magdalena steht heute direkt am Ufer der Moldau. Erbaut wurde sie 1635 jedoch auf einem Weinberg, der zum damaligen Kloster der Kreuzherren mit dem roten Herzen gehörte. Das runde Bauwerk überstand Kriege und den Ausbau Prags. Aber in den 1950er Jahren sollte es der Errichtung des megalomanischen Stalin-Denkmals zum Opfer fallen.
Für die Rettung der Kapelle setzte sich vor allem der Statiker und Brückenkonstrukteur Stanislav Bechyně ein. Die Wände des Gebäudes wurden zunächst gestützt und dann von Stahlringen eingefasst, unter dem Bau wurde ein Ring aus Stahlbeton gegossen. Anschließend transportierte man die 411 Tonnen schwere Kapelle auf speziell angelegten Gleisen knapp 31 Meter weit.
Zwei Tage lang dauerte die Operation, bis das Gotteshaus am 4. Februar 1956 an seinem heutigen Standort ankam. Im Folgenden wurde es mit einem neuen Dach versehen sowie mit Buntglasfenstern, die die einzelnen Etappen der Geschichte des Gebäudes darstellen. Inzwischen wird die Kapelle von der altkatholischen Kirche genutzt. Bekannt sind vor allem die Weihnachtsausstellungen mit arabischen Krippen.
Die Versetzung der Maria-Magdalena-Kapelle blieb nicht das einzige Unternehmen dieser Art in der Tschechoslowakei. Die bekannteste Aktion ist der Umzug der Kirche Mariä Himmelfahrt im nordböhmischen Most, die 1975 einer Kohlegrube weichen musste. Mit 841,1 Metern steht diese Versetzung eines vollständigen Gebäudes im Guinness-Buch der Rekorde.
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