Masaryk-Bahnhof in Prag ist 180 Jahre alt

Masaryk-Bahnhof

„Prag“, „Prag Staatsbahnhof“, „Prag Mitte“ und etwa „Masaryk-Bahnhof“. Gleich sechs Namen hat der älteste Bahnhof in der tschechischen Hauptstadt in den 180 Jahren seines Bestehens getragen.

Porträt von T. G. Masaryk | Foto repro: Marie Mžyková,  'Hynais'/Academia,  Galerie KODL

Der älteste Bahnhof Prags und derzeit auch der einzige Kopfbahnhof in der Hauptstadt trägt den Namen des ersten Präsidenten der Tschechoslowakei Tomáš Garrigue Masaryk. Zur Zeit seiner Erbauung 1845 wurde er jedoch nur kurz und bündig „Bahnhof Prag“ genannt.

Die Eisenbahnstation befindet sich heute mitten im Stadtzentrum, damals lag sie aber am Stadtrand. Adam Horký ist Kurator des Nationalen Technikmuseums. Er beschreibt die Lage:

„Die Stadtmauern verliefen dort, wo heute die Magistrale entlangführt. Es gab dort Obstgärten, und auf dem Gelände des äußeren Bahnhofs befand sich das Ausflugsrestaurant Krenovka. Eine kontinuierliche Bebauung gab es dort aber nicht. Es folgte die Vorstadtlandschaft, und irgendwo weit dahinter lag Karlín.“

Masaryk-Bahnhof | Foto: Amédée Demarteau,  Ludwig Förster,  K. K. österreichischen Staatseisenbahn,  Vídeň,  1845

Die Stadtmauern verliefen unmittelbar hinter dem Bahnhofsgebäude. Sie mussten wegen der Gleise an mehreren Stellen durchbrochen werden, und die Züge fuhren durch Tunnels, die nachts geschlossen wurden.

Der im Empire-Stil erbaute Bahnhof war seit 1845 die Endstation der k.k. Nördlichen Staatsbahn, die in Olomouc / Olmütz von der k.k. privilegierten Kaiser-Ferdinands-Nordbahn abzweigte. Der erste inoffizielle Zug kam am 4. August 1845 im heutigen Masaryk-Bahnhof an. Die Eröffnungsfeiern begannen am 20. August, und am 1. September wurde der fahrplanmäßige Zugbetrieb aufgenommen.

1862 erhielt der Bahnhof den Namen „Prager Staatsbahnhof“. Laut Adam Horký hatte er jedoch nichts mit dem Staat zu tun, sondern war privat.

„Die private privilegierte Staatseisenbahn-Gesellschaft – mit der Abkürzung StEG – nannte sich selbst einfach so. Sie bekam vom Staat das Privileg, die Eisenbahn zu betreiben und galt als eine der bedeutendsten der Monarchie. Deshalb wurde sie so genannt.“

Erst im Jahr 1909 wurde die Staatseisenbahn-Gesellschaft tatsächlich verstaatlicht. Zehn Jahre später, schon im neugegründeten tschechoslowakischen Staat, erhielt der Bahnhof zu Ehren des ersten Präsidenten der Tschechoslowakei den Namen Masarykovo nádraží (Masaryk-Bahnhof). Im Volksmund hieß und heißt er Masaryčka.

Masaryk-Bahnhof im Jahr 1945 | Foto: public domain

Eine weitere Namensänderung folgte unter den Nationalsozialisten. Mit der Bezeichnung Hibernerbahnhof wurde auf die anliegende Hiberner Straße beziehungsweise Hybernská verwiesen.

„Man wollte Masaryk aus dem Namen zweifelsohne verdrängen. Genauso wurde im Falle des Hauptbahnhofs Woodrow Wilson ausgelassen. 1940 wurde der Bahnhof unbenannt. Warum nicht ein Name im Sinne von Adolf-Hitler-Bahnhof gewählt wurde, weiß ich nicht.“

Masaryk-Bahnhof | Foto: Klára Škodová,  Tschechischer Rundfunk

Der Name war neutral. Das galt auch für die Bezeichnung „Bahnhof Mitte“, die die Station zu kommunistischen Zeiten trug. Auch damals passte es dem Regime nicht, an Masaryk zu erinnern. Viele Prager sprachen aber inoffiziell weiter vom Masaryčka. Und genauso viele nutzen heute noch den Namen „Mitte“ aus den sozialistischen Zeiten, obwohl man 1990 zum Namen Masaryk-Bahnhof zurückkehrte.

In der Vergangenheit wurde nicht nur der Name geändert, sondern auch mehrere Male erwogen, den Bahnhof aufzulösen. Schließlich siegte aber die Variante einer Ausweitung und Modernisierung. Der Umbau soll 2027 abgeschlossen sein.

Visualisierung des zukünftigen Aussehens des Masaryk-Bahnhofs | Foto: Penta Investments

Das Technische Nationalmuseum erinnert mit seinem Projekt „Das Jahr der europäischen Eisenbahn 1825–2025“ an mehrere Jubiläen, die mit dem Eisenbahnbetrieb in Verbindung stehen. Begangen werden 200 Jahre seit dem Baubeginn der ersten Pferdeeisenbahn in der Habsburgermonarchie auf der Strecke Budweis – Linz und 180 Jahre seit der Ankunft des ersten Dampfzugs in Prag. Das Programm erreicht mit der Ausstellung namens „Was hat die Eisenbahn geschaffen, was wurde von der Eisenbahn geschaffen“ seinen Höhepunkt, die am 3. Oktober 2025 im Nationalen Technikmuseum eröffnet wird.

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