MECCA in Theresienstadt

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Der Name M.E.C.C.A klingt nach dem Geburtsort Mohammeds, aber der Schein des Hörens trügt. Denn dieses Mekka wird mit Doppel-C geschrieben und ist die Abkürzung für Middle European Colony of Temporary Arts. Die Künstlerkolonie hat sich in Theresienstadt angesiedelt. Und das nicht irgendwo im Ort, sondern in einem Festungstrakt. Was soll das? Provokation oder kulturelles Aufarbeiten der Nazi-Vergangenheit Terezins? Es handelt sich bei der Kolonie um eine künstlerische Begegnungsstätte, um ein internationales Projekt, das wie eine freie Schule funktionieren soll. Dieses Projekt wollen wir Ihnen in unserem heutigen Kulturspiegel vorstellen, zu dem Sie Bettina Schlener begrüsst.

Mitte Juni wurde mit einem lautstarken Konzert der Tereziner Künstlersommer eingeleitet, eine Ausstellung des Fotographen Jindrich Streit ist derzeit in der Reitschule zu sehen. Danach folgte die Workshop-Phase. So haben die Glaskünstler gemeinsam eine bunte Brücke aus Glas hergestellt. Der Architektur-Workshop - wie könnte es anders sein - überdenkt die Neu-Konzeption der Gebäude der ehemaligen Festungsanlage. Später sollen zum Beispiel im früheren Zeughaus Kino und Theater entstehen. Die Kolonie mutet an wie eine Studenten-Wohngemeinschaft und irgendwie ist sie das auch. Jung-Künstler leben hier zusammen und können sich für ein geringes Entgeld selbst verwirklichen, das große Territorium eigne sich hierzu ganz besonders, meint Koordinatorin Elena König. Angefangen hat alles ganz lapidar, wie Martin Willemsen, ein Glaskünstler aus Maastricht, der jedoch schon mehr als fünf Jahre in Tschechien lebt, anführt:

Was Mecca ist, beschreibt Alena König, die Koordinatorin des Projekts folgendermaßen:

Natürlich bleiben kritische Stimmen, die das Projekt aufgrund der Vergangenheit der Tereziner Festung ablehnen, nicht aus. Doch das Argument, die Einrichtung einer Künstler-Kolonie auf dem Boden des Durchgangslagers sei pietätlos und pervers, versucht Elena König zu entkräften.

Auch Martin Willemsen, der niederländische Glaskünstler, sieht in der Künstlerkolonie in der Festung Terezin keine Provokation:

Innerhalb der Festungsanlage sind jetzt die unterschiedlichsten Sprachen zu hören, denn die Künstler kommen unter anderem aus Rußland, den USA oder der Slowakei. Die Ziele, die sich Mecca gesteckt hat, faßt Elena König folgendermaßen zusammen:

Nun, wer seine Skepsis überwinden kann, hat die Möglichkeit, einfach am Tor von Mecca zu klingeln, und zu hoffen, daß jemand aufmacht, denn bis jetzt sind die Tore noch geschlossen und es gibt keine offiziellen Öffnungszeiten. Wer aber Lust hat sich Mecca anzusehen, ist jederzeit willkommen.

Autor: Bettina Schlener
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