Mediziner im Dauerstress: Laborantin aus Náchod arbeitet trotz Vorerkrankung

Petra Řeháková (Foto: Martin Pařízek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Die personelle Lage in den tschechischen  Krankenhäusern ist weiter sehr angespannt. Fast 14.000 Mediziner fehlen, weil sie selbst mit dem Coronavirus  infiziert sind. Daher helfen in einigen Kliniken bereits Hunderte Soldaten und Feuerwehrleute, die medizinisch ausgebildet sind. In einigen Fällen wird das Personal sogar von ehemaligen Mitarbeitern unterstützt, selbst wenn diese zur Risikogruppe gehören. Auf einen solchen Fall sind Inlandsreporter des Tschechischen Rundfunks im ostböhmischen Náchod gestoßen.

Foto: Václav Plecháček, Archiv des Tschechischen Rundfunks

„Ich sortiere gerade die Bestellformulare und Reagenzgläser für den Corona-Test und gebe die Daten in den Computer“, sagt die Labormitarbeiterin Petra Řeháková beim Besuch der Rundfunkreporter.

Řeháková ist ausgebildete Medizinlaborantin und hat vor Jahren im Krankenhaus von Náchod gearbeitet. Dann aber musste sie den Job wegen einer eigenen schweren Erkrankung aufgeben…

„Vor vier Jahren hatte ich akute Leukämie und musste mich einer Knochenmark-Transplantation unterziehen. Denn anders konnte ich nicht geheilt werden.“

Auf die Frage des Reporters, weshalb sie in der Klinik helfe, obwohl sie wegen der Vorerkrankung vermutlich zur Risikogruppe zähle, antwortete Řeháková:

Foto: Martin Pařízek, Archiv des Tschechischen Rundfunks

„Es ist riskant. Darauf haben mich die Mitarbeiter des Labors vor meinem Arbeitsantritt auch sofort aufmerksam gemacht. Doch ich denke, dass ich mich wie hier auch irgendwo anders anstecken kann. Ich halte die Gefahr hier aber eher für geringer, denn wir haben gute Schutzkleidung, und ich nutze sie auch.“

Die 32-jährige Mutter eines kleinen Jungen scheint sich in der Tat nicht zu fürchten. In der Corona-Zeit, in der viele Menschen zu Hause bleiben sollten oder auch müssen, streift sie sich regelmäßig den weißen Plastikschutz über und beteiligt sich an den Laborverfahren zur Auswertung der Corona-Tests. Zu den Gründen ihres Handelns sagt sie:

Krankenhaus in Náchod (Foto: Václav Plecháček, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„Ich denke das Richtige zu tun. Ich bin als Laborantin ausgebildet und wusste, dass im Krankenhaus jede Kraft gebraucht wird. Also habe ich mich gemeldet. Mich fragen zwar alle, warum ich das tue, doch für mich ist das selbstverständlich.“

Die Arbeit der zurückgekehrten Kollegin weiß auch der Chefarzt des Labors, Otakar Kopecký, zu schätzen. Seit Mai werten die Fachkräfte seiner Abteilung einen Corona-Test nach dem anderen aus. Der 65-Jährige, der hier seit dem Beginn seines Berufslebens ununterbrochen arbeitet, kann sich nicht an eine solch anstrengende Zeit erinnern…

Krankenhaus in Náchod (Foto: Václav Plecháček, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„Die Arbeit nimmt irgendwie ständig zu. Wir haben damals mit der völlig naiven Vorstellung begonnen, es würde in etwa reichen, wenn wir täglich so um die einhundert Tests durchführen. Das hat sich aber nicht bewahrheitet. Unsere Personaldecke ist dünn, und wir können aufgrund der vielen Arbeit auf niemanden verzichten.“

Im Gegenteil, aufgrund der Überbelastung seiner Mitarbeiter helfen den Laboranten bei der Auswertung der Proben auch Kollegen aus anderen Abteilungen. Und ein Ende der vielen Tests sei bisher nicht abzusehen, bemerkt Kopecký:

Krankenhaus in Náchod (Foto: Václav Plecháček, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„Ich bin stolz auf alle Mitarbeiter und bewundere sie. Ich erinnere mich noch genau, wie wir uns zu Beginn der Tests darüber unterhalten haben, wozu wir in der Lage sind und wozu nicht. Alle haben sich zu der neuen Arbeit bereiterklärt, und bis heute hat keiner gesagt, dass er aussteigen wolle. Doch alle haben die Nase bereits gestrichen voll.“

Nichtsdestotrotz hofft man in der Klinik – wie im gesamten Land auch –, dass sich die epidemiologische Lage wenigstens bis Weihnachten entspannt. Bis dahin aber geht die Arbeit mit vollem Einsatz weiter.

Autoren: Lothar Martin , Martin Pařízek , Ondřej Vaňura
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