Medovina - Ein Getränk für Götter und Menschen

Medovina

Vieles bieten auch in Prag die Weihnachtsmärkte. Neben den üblichen Angeboten gibt es aber auch ein wahrlich archaisches, urtümliches Getränk zu geniessen. Dazu ein Bericht von Alexander Schneller.

Gar Manches wird angeboten auf den Prager Weihnachtsmärkten. Neben viel Kitsch für die Touristen überwiegen aber doch die kleinen und feinen Sachen, die man in dieser Vielfalt halt wirklich nur an Weihnachten, allenfalls noch an Ostern, bewundern und/oder kaufen kann. Und die Augen der Kinder leuchten, verzaubert von all den Süssigkeiten, die angeboten werden. Der Duft frisch gebratener klobásy, Würste, liegt in der Luft, ebenso wie der heisser kastany, Esskastanien, auch Maronen genannt, oder, last not least, der Duft der würzigen Ingredienzien des Svarák, des Glühweins. Neben dem türkischen Honig und den Lebkuchenherzen und Zuckerstangen gibt es auch ganz besonders leckere mit Honig, Zucker, Zimt und Vanille gebrannte Mandeln, das Rezept eines Amerikaners in Prag übrigens, der seit sieben Jahren hier lebt, wie ich mit Verwunderung und Freude zur Kenntnis nehme.

Und da gibt es noch etwas ganz Besonderes: Medovina. Wörtlich übersetzt heisst das "Honigwein", von tschechisch med Honig und wahrscheinlich lateinisch vinum oder eben tschechisch víno pl. vína Wein. Im Englischen ist sie bekannt als "mead", im Deutschen als "Met" (man erkennt die indogermanische Sprachverwandtschaft) oder eben auch als "Honigwein".

Laut Lexikon handelt es sich dabei um ein alkoholisches Getränk aus vergorenem Honig, Wasser und Aromastoffen. Kulturgeschichtlich gesehen soll der Met das älteste uns bekannte alkoholische Getränk der Indogermanen sein. Er wurde ursprünglich als Rauschtrank bei kultischen, religiösen Festen getrunken. Ein Göttergetränk für Menschen also. Und Medovina gibt es in allen möglichen Variationen: hell und dunkel, süss oder eher herb und bitter. Oder wie es in einem Prospekt heisst: "Honigmet ist ein altböhmisches Naturgetränk, das durch einen Gärprozess aus Bienenhonig mit Zugabe einer reinen Kultur von Weingärmitteln, heilenden Kräutern und Gewürzzutaten entsteht. Die langfristige Gärung in Lagerfässern schafft eine einzigartige Qualität des Getränks." Medovina gibt es mit bitteren Mandeln oder Zitronen, Gewürzen und Kräutern aromatisiert. Die einzelnen Zutaten werden natürlich nicht näher genannt. Göttergetränke bleiben eben immer ein Geheimnis. Ausserdem kann man Medovina kalt oder, besonders jetzt in der frostigen Winterszeit herrlich mundend, heiss trinken. Natürlich bleibt es Ansichtssache, ob man den ganz eigenen Geschmack des Met mag oder nicht. Und die Popularität des erstmals um 600 n.Chr. in Klöstern gebrauten Hopfenbiers hat er eh nie erlangt. Wird er auch nicht. Macht aber nichts. Denn Medovina ist ein Getränk zu besonderen Gelegenheiten, zum Beispiel zur Weihnachtszeit. Sie ist nämlich ein ganz spezielles Getränk - ein Göttergetränk für Menschen eben.