Michaela Marksová-Tominová, die feministische Arbeits- und Sozialministerin

Michaela Marksová-Tominová (Foto: ČTK)

Die neue Regierung unter Führung der Sozialdemokraten genießt seit Dienstag das Vertrauen der Abgeordneten. Nun kann das Kabinett mit voller Kraft an die Arbeit gehen. Das trifft auch auf Michaela Marksová-Tominová zu. Sie leitet das Arbeits- und Sozialministerium. Ein Porträt der erklärten Feministin.

Michaela Marksová-Tominová (Foto: ČTK)
Das Arbeits- und Sozialministerium ist das Kernressort der Sozialdemokraten. Ursprünglich hatte Premier Bohuslav Sobotka für den wichtigen Posten den Kommunalpolitiker Petr Krčál vorgesehen. Als dieser jedoch nach einer Tragödie im näheren Familienumfeld den Job ablehnte, entschied sich Sobotka für Michaela Marksová-Tominová. Die 44-Jährige ist ein bekanntes Gesicht in Tschechien: weniger aus der Politik, als vielmehr aus der Zivilgesellschaft. In den 1990er Jahren war sie Pressesprecherin der NGO „Gender Studies“. In den Medien wird sie gerne als Feministin bezeichnet, sie selbst nimmt den Begriff gerne auf:

Foto: Europäische Kommission
„Die Frage ist doch, was man sich unter dem Begriff ‚Feminismus‘ vorstellt. In der Organisation ‚Gender Studies‘ haben wir uns zum Beispiel um die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen bemüht. Das findet sich übrigens auch im Koalitionsvertrag wieder. Der Feminismus ist keine Ideologie, die Männer hasst. Im Feminismus geht es um viele praktische Dinge, damit Frauen und Männer in der Gesellschaft gleichgestellt werden.“

Wichtig ist der Naturwissenschaftlerin, das Ministerium zu stabilisieren. In der Vergangenheit hatte es Probleme bei der Auszahlung der Sozialhilfe gegeben und bei der Einführung einer speziellen Bezahlkarte für Bedürftige. Allerdings möchte Marksová-Tominová auch eigene Schwerpunkte setzen:

Foto: Archiv Radio Prag
„In Tschechien hat eine Mutter mit Kindern im EU-Vergleich die schlechtesten Bedingungen, in das Arbeitsleben zurückzukehren. Ich denke, dass daher die jungen Frauen hierzulande Angst haben, Kinder zu bekommen. Und das würde ich gerne ändern.“

Erfahrungen in der tschechischen Verwaltung hat die neue Ministerin reichlich. Von 2004 bis 2006 war sie Direktorin des Ausschusses für Familienpolitik im Arbeits- und Sozialministerium, 2009 bis 2010 leitete sie den Ausschuss für Gleichstellungspolitik im Bildungsministerium. An der fachlichen Eignung gibt es daher wenig Zweifel. Und Marksová-Tominová will auch im eigenen Haus ihre Agenda umsetzen:

Foto: Europäische Kommission
„Das nennt man ‚Gender-Audit‘. Damit wird in einer Firma, und aus dieser Sicht ist das Ministerium natürlich eine Firma, genau festgestellt, in welcher Abteilung und in welcher Behörde welche Gehälter gezahlt werden. Dann vergleicht man, was Männer und Frauen auf den gleichen Positionen verdienen und passt die Gehälter an.“

Einige Kommentatoren glauben jedoch, dass Marksová-Tominová in der Politik der Tschechischen Republik nicht ausreichend vernetzt sei und so ihre ehrgeizige Agenda am Kabinettstisch und in der sozialdemokratischen Partei nicht durchsetzen könne. Die Kämpfer für Gleichberechtigung von Mann und Frau dagegen freuen sich über die Nominierung und hoffen auf frischen Wind in der tschechischen Politik.