Minderheiten und Immigranten in der Tschechischen Republik

r_2100x1400_radio_praha.png

Von Olaf Barth.

"Minderheiten und Immigranten in der Tschechischen Republik" so heißt ein jüngst auf dem tschechischen Markt erschienenes Buch. Dessen Herausgeberin, die Soziologin und Historikerin, Tatjana Siskova, engagiert sich seit Jahren in einer Reihe einheimischer wie internationaler Organisationen, die sich der Konfliktforschung und -bewältigung widmen - so z.B. im Zentrum für Konfliktprävention und -lösung "Partners Czech".

Bereits 1998 gab sie zum Thema Minderheiten ein Buch mit dem Titel "Erziehung zu Toleranz und gegen Rassismus" heraus.

Ihre neue Edition beschäftigt sich mit den Problemen der Einwanderer aus Ländern wie Afghanistan, Russland, der Ukraine und Vietnam und schließe inhaltlich an den erfolgreichen Vorgänger an. Der zweite Hauptteil analysiert die Situation der hiesigen Romaminderheit.

Tatjana Siskova beschreibt das Hauptziel, dass sie mit dem Buch verfolgt:

"Ziel ist es im Wesentlichen, die Anzahl der gegen nationale oder ethnische Minderheiten negativ eingestellten Bürger zu reduzieren. Dabei geht es um die Angst der tschechischen Bürger vor Ausländern, Einwanderern, aber auch tschechischen Bürgern einer anderen Ethnie."

Insgesamt 17 Experten auf dem Gebiet der Erforschung der Minderheiten und ihrer sozialen Stellung in der Tschechischen Republik haben ihre Beiträge zu diesem Buch zusammengefasst. Wie sieht die Herausgeberin das Verhältnis der tschechischen Gesellschaft zu den Zuwanderern aber auch zu den nationalen Minderheiten?

"Unsere Gesellschaft sieht die Immigranten nicht besonders positiv. Wir waren lange eine geschlossene Gesellschaft mit wenig Fremden und quasi keiner ethnischen Differenzierung. Unsere Gesellschaft hat ihre Normen und wer in diese nicht passt, der wird leider oft als unnormal betrachtet. Es gibt hier einige pathologische Formen der Fremdenangst, z.B. die Furcht vor neuen Krankheiten, die eingeschleppt werden könnten oder, dass Arbeitsplätze oder persönliche Freiheiten bedroht werden. Das sind gefährliche Extreme.

Man muss aber sagen, dass sich die Zahl der negativ eingestellten Menschen in jüngster Zeit reduziert. Die Menschen reisen mehr und sammeln positive Erfahrungen mit fremden Kulturen, aber auch die Medien haben ihre Verantwortung erkannt und berichten nicht nur über negative Einzelfälle."

Eine Lektüre, die sich nicht nur für Pädagogen, Sozialarbeiter, Staatsbeamte sowie Studenten der Sozialwissenschaften, der Kulturanthropologie etc. eignet, wie von Tatjana Siskova betont wird.

Autor: Olaf Barth
abspielen