Mobiles Internet zu teuer – Druck auf tschechische Mobilfunkanbieter
Wenn es ums Internet für Smartphones geht, hinkt Tschechien weit hinterher. Fast überall in Europa gibt es für 30 Euro mehr Gigabytes als hierzulande – in manchen Ländern ist für diesen Preis das Datenvolumen sogar unbegrenzt. Tschechische Politiker drängen nun auf Änderungen.
„Apps, Facebook, Messenger, Instagram – relativ häufig habe ich meine Datenmenge vorzeitig aufgebraucht. Dann muss ich beim Anbieter zusätzliche Daten kaufen.“
Doch in kaum einem anderen europäischen Land greifen die Verbraucher für den Datenkauf so tief in die Tasche. Ondřej Malý ist Vorstandsmitglied beim tschechischen Telekommunikationsamt:
„In Tschechien liegen wir beim Zukauf von Daten auf dem viert- oder fünftletzten Platz in der EU. Hierzulande erhält der Kunde im Schnitt 1,5 Gigabyte für 30 Euro. In Finnland, Lettland, Litauen oder Polen erhalten die Menschen zu diesem oder einem niedrigeren Preis eine unbegrenzte Datenmenge.“Auch den Politikern sind die gravierenden Unterschiede aufgefallen, bei denen im Übrigen auch Deutschland mit 4 Gigabyte für 35 Euro hinterherkriecht. Finanzminister Andrej Babis (Partei Ano) und Industrieminister Jan Mládek (Sozialdemokraten) haben bereits Unmut gezeigt über das Gebaren der Mobilfunkanbieter. Premier Bohuslav Sobotka (Sozialdemokraten) bezeichnete dies am Dienstag sogar als „politisches Thema“. Der Regierungschef startet nun eine Gesprächsrunde mit den drei Anbietern.
Doch diese haben in den vergangenen Tagen keinen Anschein gemacht, als wollten sie auf die Kunden zugehen. Lucie Pecháčková ist Sprecherin von O2 in Tschechien:„Mit der Bereitstellung von Datenmengen sind nicht gerade geringe Kosten verbunden. Auch ist die Nutzung von Daten ungleich verteilt. Wo eine hohe Nachfrage vorliegt, mindert dies die Qualität, da der Sender überlastet wird.“
Dieser Argumentation mag man beim Telekommunikationsamt nicht folgen. Tatsächlich kann der Normalverbraucher hierzulande noch nicht einmal ein Paket mit unbegrenzter Datenmenge erwerben.
„Der Markt hat sich so entwickelt, dass nur Auserwählte große Datenumfänge für einen anständigen Preis kaufen können. Also Firmen, die Staatsverwaltung und weitere Großkunden. Die Haushalte haben das Nachsehen. Die Lösung wäre echte Konkurrenz. Diese ist aber nicht auf den tschechischen Markt gekommen, dementsprechend lesen sich heute die Preise.“, so Ondřej Malý.
Seinen Aussagen nach trägt auch die tschechische Politik ihre Schuld. Zum Beispiel hat sie keinen vierten Mobilfunkanbieter auf den Markt gelassen. Das nachzuholen ist aber nicht möglich, denn die Frequenzen haben sich die Platzhirsche unter den Nagel gerissen. Daher sollten diese eigentlich Teile ihres Netzes zu einem fairen Preis an kleine, sogenannte virtuelle Handyanbieter abgeben. Doch Ondřej Malý beklagt:„Die großen Mobilfunkanbieter haben das nicht gemacht. Das Telekommunikationsamt hat sie dazu nun aufgefordert, und dem müssen sie innerhalb eines Monats Folge leisten, gerechnet ab vergangener Woche.“







