Museum der Rekorde und Kuriositäten in Pelhrimov

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Wenn man sich für tschechische Rekorde interessiert, dann kann man nur eins machen - in die in der Böhmisch-Mährischen Höhe liegenden Stadt Pelhrimov fahren. Hier, hundert Kilometer südlich von Prag und 100 Kilometer nördlich von Ceske Budejovice / Budweis ist das Oberste Gericht für die in Tschechien begangenen Rekorde angesiedelt. Eines der drei wunderschön renovierten Stadttore in Pelhrimov beherbergt das Museum der Rekorde und Kuriositäten. Und so nennt man Pelhrimov auch manchmal die Stadt der Rekorde.

Das Wort Museum mag bei jemandem das Bild von alten, weniger lebendigen Sachen hervorrufen. Hier ist es allerdings genau das Gegenteil: wenn man in das Tor hineingeht und die paar Stufen hinaufkommt in den ersten Stock, steht man plötzlich inmitten der verrücktesten Sachen, die einem einfallen können: ein fast drei Meter langer Löffel, ein riesiger Pyjama etc. Aber warum haben wir das Museum der Rekorde und Kuriositäten das Oberste Gericht genannt? Zu all dem befragten wir den Leiter des Museums in Pelhrimov, Miroslav Marek direkt vor Ort, denn von ihm stammt auch die ursprüngliche Idee. Herr Marek arbeitete seit 1985 mit Kindern und Jugendlichen, und bei einem Mädchenferienlager haben die Teilnehmerinnen einen langen Schal gestrickt, der dann in ein tschechisches Buch der Kuriositäten eingetragen wurde. Dieser Schal ist dann in Vergessenheit geraten, aber die Idee der Rekorde ist Herrn Marek nicht aus dem Kopf gegangen. So hat im Jahr 1990 in Pelhrimov das erste Festival der Rekorde stattgefunden, bei dem der erste Weltrekord erreicht wurde. Mehr dazu erzählt ihnen Miroslav Marek selbst:

"Wir nennen das einfach Purzelbaum-Riesenrad. Darunter muss man sich eine Schlange von Menschen vorstellen, die sich an den Händen halten und Purzelbäume schlagen. Wie ein Panzerrad sozusagen. Auf diese Weise sind wir 12 Kilometer von dem Berg Kremesnik aus gefahren. Dabei haben wir 10688 Purzelbäume gemacht mit 13 Menschen. Und jeder von uns hat 5 Kilo Gewicht verloren, so dass irgendwo zwischen Kremesnik und Pelhrimov ein 65kg schwerer Bursche liegt."

Aufgrund dieser Tat sind dann die Rekordmänner nach Belgien zu einem Festival eingeladen worden, wo sie sich ein bisschen was abgeschaut haben. Und ein Jahr danach fand das erste Festival der Kuriositäten in Pelhrimov statt. Das hat ihnen Popularität beschert, denn immer mehr Leute haben davon erfahren und mitgemacht. Bei den Festivals haben die Teilnehmer auch oft gesagt, wissen sie was, behalten sie doch die Sache, denn hier bringt es mehr als bei mir zu Hause. So entstand die Idee, ein Museum zu gründen, da sie immer mehr Gegenstände besaßen und dachten, warum nicht und warum nicht gerade in Pelhrimov. Nach zwei Jahren ist es Herrn Marek gelungen, die schönen Räumlichkeiten des Stadttores zu bekommen. 1994 wurde dann das Museum eröffnet, ursprünglich mit drei Stockwerken, jetzt sind es fünf. Besonders von dem fünften aus kann man außer den Kuriositäten auch die schöne Umgebung von Pelhrimov bewundern. Was das Museum alles besitzt, zählt Miroslav Marek auf:

Heute befinden sich hier in dem Turm über 100 Gegenstände. Aber vor allem bietet das Museum die Möglichkeit, wenn man nicht an unserem Festival teilnehmen kann, das jedes Jahr am zweiten Juniwochenende stattfindet, einige Photos von den Rekorden zu sehen. Ebenfalls sammeln wir Dokumentation über die Rekorde."

Sie haben ein Privilegium darin, über die Rekorde zu entscheiden und Diplome auszustellen. Aber es ist viel Arbeit, bestätigt Herr Marek, denn die Leute aus dem Museum müssen in der ganzen Tschechische Republik herumfahren und über die Einhaltung verschiedener Regeln wachen, um dann die Rekorde gelten lassen zu können.

Wenn wir von den Rekorden hören und die Gegenstände im Turm betrachten, können wir uns das Lachen nicht verkneifen. Und wir denken dabei daran, ob unsere deutsche Redaktion vielleicht auch einen Rekord aufstellen könnte. Man erkundigt sich nach den Regeln hier im Turm und los geht´s. Herr Marek lacht mit uns und sagt hierzu:

"Ja, es gibt einen Rundfunkrekord. Ein Mensch namens Martinek, der im Roko Radio arbeitete, moderierte 110 Stunden lang. Auch wenn es ein Musiksender ist, immerhin saß er die Zeit dort und sendete."

Na ja, schauen wir uns enttäuscht an, mit 110 Stunden Sendezeit wird es bei uns nichts, aber wir können uns was besseres einfallen lassen. Wenn es uns gelingt, geben wir ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, bestimmt Bescheid.

Da wir aber heute Ostermontag haben, hat uns interessiert, ob sich Tschechien neben Bierrekorden auch mit einem auf Ostern bezogenem Rekord rühmen kann. Wer am vergangenen Samstag auf dem Altstädterring spazieren ging, konnte dort Menschen aus dem Museum in Pelhrimov sehen, die hier einen neuen Osterrekord vorgestellt haben. Hierzu mehr der Chef des Museums Miroslav Marek:

"Es war die längste Rute, die ein Slowake, Stefan Polak gemacht hat. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man so eine Rute machen kann. Erstens kann man sie aus langen Ästen anfertigen - so ein Exponat haben wir hier im Museum, diese hat 4, 92 m oder es kann eine Rute sein aus Ästen, die einer an den anderen angebunden werden. So ging der Slowake vor und seine Osterrute hat 31 Meter und 53 Zentimeter. Eine andere Sache, die wir vorgestellt haben, war eine Kette von 690 m und aus 10400 Eiern, die war nicht einfach zu transportieren."

Aber lassen wir die Osterrekorde beiseite und schauen wir zu Rekorden, die typisch für Tschechien sind. Wir wussten bisher gar nicht, ob es überhaupt solche gibt. Hierzu die Meinung des Rekordexperten Herrn Marek:

"Wahr ist, dass wir ein spielerisches Volk sind. Darin ähneln wir den Franzosen. Also typisch für uns und beispielsweise die Franzosen sind die als Witz aufgefassten Rekorde oder Disziplinen. So findet jedes Jahr bei dem Festival ein 50-Meter-Lauf mit einem Holz-Enterich statt. Da gibt es wirklich hervorragende Zeiten und dass es beliebt ist, beweist die Tatsache, dass sogar der Parlamentsvorsitzende Vaclav Klaus an diesem Lauf teilgenommen hat, der allerdings erst an zweiter Stelle ins Ziel kam, nach einem 11-jährigen Jiri aus Bechyne."

Also liebe Hörerinnen und Hörer, wer kommt, hat bestimmt genug Gründe zum Lachen beim Festival der Rekorde in Pelhrimov. Herr Marek sieht darin eine einzigartige Möglichkeit, bei der diese verschiedenen Aufsteller von Rekorden zusammenkommen:

"Bei diesem Treffen handelt es sich um keine Massenangelegenheit, sondern eine Zusammenkunft von Menschen, die in dem was sie machen, absolut die Besten sind und nur keine Möglichkeit haben, sich irgendwo zu präsentieren. Außerdem ist es eine Möglichkeit, dass auch das Publikum sich die Rekorde ansieht."

Und einige Unikate sind immer dabei, fügt Herr Marek hinzu. So zeigte er uns stolz eins der wertvollsten Dinge, die im Stadtturm von Pelhrimov untergebracht sind, die einzige funktionierende Dampfmaschine auf der Welt, die aus Glas hergestellt ist. Das einzige, was nicht aus Glas ist, ist der Docht der Kerze, die das Wasser erwärmt und somit das ganze System antreibt. Die Lokomotive hat auch Gleise und kommt darauf tatsächlich vorwärts. Eine andere Kuriosität, die Herr Marek vorstellt, ist ein Mann aus der Slowakei mit einer besonderen Fähigkeit:

"Wir nennen ihn einfach den magnetischen Mann. Dieser Mann hat die Eigenschaft, magnetisch auf Gegenstände zu wirken, was ja so manche Leute haben, dass an ihnen dann Suppenlöffel haften bleiben etc. Aber er ging in das äußerste Extrem und das, was er kann, ist anhand bestehender physikalischen Gesetze absolut unbegreifbar. Er ist 70 Jahre alt und kann nur mittels seiner magnetischen Strahlungen Stahlplatten mit einem Gewicht von 210 kg an seiner Brust festhalten."