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Kavan traf sich doch mit Scharon

Anders als am Samstag angekündigt, hat sich der tschechische Außenminister Jan Kavan am Sonntag in Jerusalem nun doch mit dem israelischen Premier Ariel Scharon getroffen.

Kavan weilt zur Zeit zu einem offiziellen Besuch in Israel und in den Palästinensergebieten. Am Samstag hatte er sich in Ramallah mit dem palästinensischen Minister für Internationale Zusammenarbeit, Nabil Sas, entgegen des ursprünglichen Programms aber nicht mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat getroffen. Kavan äußerte auf einer Pressekonferenz am Samstag, er habe beschlossen, sich nur mit seinen Ressortkollegen und folglich auch nicht mit Premier Scharon zu treffen.

Prager Ausstellung präsentiert Geschichte des Heydrich-Attentats 1942

Im Prager Militärmuseum beginnt am heutigen Montag die bisher umfangreichste Ausstellung über die Hintergründe des tödlichen Attentats auf den "Stellvertretenden Reichsprotektor" Reinhard Heydrich. Vor 60 Jahren, am 27. Mai 1942, hatten Widerstandskämpfer in Prag eine Granate in den Mercedes des ranghohen Vertreters der Nationalsozialisten geworfen. Die bis Ende 2003 laufende Ausstellung zeigt neben dem Wagen von Heydrich zahlreiche Dokumente der SS sowie blutgetränkte Kleider der Attentäter, die am 18. Juni 1942, von der Gestapo gestellt, in einer Prager Kirchenkrypta Selbstmord verübt hatten.

Die etwa 1,5 Millionen Kronen (50 000 Euro) teure Dokumentation zeigt auch die Geschichte des Widerstands im "Protektorat Böhmen und Mähren" und der Massaker in den Dörfern Lidice und Lezaky, die die Nazis als Vergeltung des Attentats 1942 zerstörten. Um die Bedeutung der Ausstellung hervorzuheben, haben sich Ministerpräsident Milos Zeman und Verteidigungsminister Jaroslav Tvrdik zur Eröffnung angesagt.

Deutsche Städte leisten Entschädigung für Zwangsarbeiter

Zahlreiche deutsche Kommunen haben in Eigeninitiative ehemaligen NS-Zwangsarbeitern in Tschechien eine symbolische Entschädigung zukommen lassen. Die Verwaltungen hätten zunächst bei Verbänden in Prag eine Liste jener noch lebenden NS-Opfer angefordert, die während des Zweiten Weltkriegs in den jeweiligen Städten Zwangsarbeit leisten mussten und diesen dann 2 000 bis 5 000 Euro zukommen lassen, sagte der Vorsitzende des tschechischen Zwangsarbeiterverbands, Karel Horak, am Sonntag der dpa in Prag.

Unter den Kommunen seien Bochum, Frankfurt/Main, Freiburg, Leipzig und Marburg, sagte Horak und weiter: "Pro Stadt sind es etwa 30 bis 50 Opfer. Unsere Leute sind überrascht - es ist eine wunderbare Initiative." Auf dem Weg der offiziellen deutschen Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter hatte Prag von der Bundesstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" im vergangenen Jahr etwa 216 Millionen Euro zugesprochen bekommen. In Tschechien haben mehr als 118 000 NS-Opfer bei Hilfsverbänden einen Antrag auf Entschädigung gestellt.

Jugendverbände aus Tschechien und Deutschland kritisieren Politiker

Die Evangelische Kirche Tschechiens sowie Kinder- und Jugendorganisationen aus Tschechien und Deutschland haben die Politiker beider Länder aufgerufen, die dunklen Kapitel der gemeinsamen Vergangenheit nicht als Wahlkampfthema zu missbrauchen. Statt um die Benes-Dekrete zu streiten, sollten die Regierungen in Prag und Berlin lieber die Bildungs- und Berufsmöglichkeiten für Jugendliche erhöhen, hieß es in einem Aufruf von Vertretern des Deutschen Bundesjugendringes (DBJR) und seiner tschechischen Partnerorganisation, der am Sonntag in Prag veröffentlicht wurde.

Die Evangelische Kirche in Tschechien distanzierte sich vom "Missbrauch der bilateralen Beziehungen zur politischen Auseinandersetzung". Ein Sprecher der Glaubensgemeinschaft kritisierte am Sonntag im Rundfunk aber auch "Elemente der Kollektivschuld" in den Dekreten. Er rief die tschechische Gesellschaft auf, sich zu eigenem Fehlverhalten gegenüber der deutschen Minderheit nach dem Zweiten Weltkrieg zu bekennen.

Fünf der 143 während und nach dem Zweiten Weltkrieg vom damaligen Präsidenten Edvard Benes erlassenen Dekrete schufen die Voraussetzung für die kollektive Entrechtung und Vertreibung der Sudeten- und Karpatendeutschen sowie der Ungarn in der Tschechoslowakei.

Tschechische "U21" im Europameisterschaftsfinale

Riesenerfolg für den tschechischen Fußballnachwuchs: Bei der Europameisterschaft der "Unter 21jährigen" in der Schweiz hat das tschechische Team am Samstag durch einen 3:2 Sieg nach Verlängerung über Italien das Finale erreicht. In der 99. Minute gelang dem tschechischen Stürmer Pospisil das "Golden Goal". Im Finale trifft man nun am Dienstag auf die französische Auswahl.

Festival Khamoro beendet

Mit einem Galakonzert endete am Samstagabend das Roma-Weltkulturfestival Khamoro. Die Präsentation, an der Roma-Künstler und Experten der Romakultur aus rund zwei Dutzend Ländern teilnahmen, wurde im Theater Arche feierlich beendet. Gruppen und Kapellen aus zehn Ländern, u.a. aus Russland, Portugal und Brasilien, präsentierten sich auf dem Konzert.

Autor: Olaf Barth
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