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Tschechien und die Slowakei bezweifeln Schleusung von Terroristen

Bei den Behörden in Prag und in Bratislava sind am Donnerstag deutsche Presseberichte mit Skepsis aufgenommen worden, wonach mehr als 30 islamische Terroristen durch die Slowakei und Tschechien nach Großbritannien geschleust worden sein sollen. Dem tschechischen Innenministerium lägen keine Informationen über solche Aktionen vor, sagte Sprecherin Gabriela Bartíková in Prag. Der Sprecher des slowakischen Innenministeriums, Jozef Sitar, äußerte sich ähnlich.

EU-Kommission wünscht Entkrampfung der Debatte über Benes-Dekrete

Der tschechische Premier Milos Zeman ist am Donnerstag in Brüssel mit Roman Prodi, dem italienischen Chef der Europäischen Union, zusammen getroffen. Aus diplomatischen Quellen wurde bekannt, dass beide Gesprächspartner dabei über die Fortschritte der Tschechischen Republik auf deren Weg zum geplanten EU-Beitritt, und dabei u.a. auch über den für Tschechien wichtigen Inhalt des diesjährigen EU-Fortschrittsberichtes gesprochen hätten. Die EU-Kommission hatte sich im Vorfeld dieses Treffens zudem beunruhigt über die wieder heftig entflammte Debatte zu den umstrittenen Benes-Dekreten geäußert. "Natürlich macht uns das Sorgen", sagte ein Kommissionssprecher am Donnerstag in Brüssel und forderte eine Entkrampfung der Diskussion. Die EU-Kommission hat wiederholt klargestellt, dass die Dekrete des früheren tschechoslowakischen Präsidenten Edvard Benes über Enteignung und den Entzug der Staatsbürgerschaft kein Gegenstand der Beitrittsverhandlungen seien. Diese Dekrete hatten zur gewaltsamen Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg geführt. Nach Ansicht der Kommission entfalten sie aber heute keine neuen Auswirkungen mehr.

Prag nennt erstmals Details zu möglicher Entschädigung Vertriebener

In der Diskussion um eine Entschädigung bestimmter Sudetendeutscher hat die tschechische Regierung erstmals Details der geplanten "humanitären Geste" veröffentlicht. Grundsätzlich sollte es sich bei den Empfängern um Antifaschisten handeln, die in NS-Gefängnissen oder Konzentrationslagern waren und nach dem Krieg "irrtümlich" von Prag enteignet und vertrieben worden seien, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Pavel Rychetský in einem Gespräch für die tschechische Tageszeitung "Pravo", das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Als Summe nannte er einen Betrag "nicht niedriger als 50.000 Kronen" (etwa 1.600 Euro). Die Zahl möglicher Empfänger hatte Regierungschef Milos Zeman am Montag auf "maximal hundert" geschätzt. Zahlungen an Nachkommen der Opfer lehnte Rychetský ab.

Aktuelle Wahlumfrage: ODS und CSSD weiter klar in Front

Die beiden stärksten tschechischen Parteien, die Demokratische Bürgerpartei (ODS) und die regierenden Sozialdemokraten (CSSD), bleiben gut drei Wochen vor den Wahlen zum Prager Abgeordnetenhaus die klaren Favoriten auf den Wahlsieg. Erst mit gebührendem Abstand folgen das Wahlbündnis Koalice und die Kommunisten (KSCM). Die Bürger- und die Sozialdemokraten haben gegenüber der Vorwoche zwar ein wenig von ihrer prognostizierten Stimmenanzahl eingebüßt, ihr Vorsprung vor den anderen Parteien und Wahlsubjekten ist jedoch nach wie vor beträchtlich. Nach der aktuell vorliegenden Umfrage der Agentur TNS Factum würde die ODS zum jetzigen Zeitpunkt 27,1 Prozent der Stimmen enthalten, während die Sozialdemokraten auf einen Stimmenanteil von 26,4 Prozent kommen würden. Der Zuspruch für das Zwei-Parteien-Wahlbündnis Koalice ist um drei Prozent auf nunmehr 18 Prozent gestiegen, während die Kommunisten sich auf stabile 15 Prozent eingepegelt haben.

Im I. Quartal lebten 10.400 Menschen weniger in Tschechien als Ende 2001

Die Zahl der derzeit in der Tschechischen Republik lebenden Bevölkerung ist im ersten Quartal dieses Jahres um 10.400 Menschen zurückgegangen. Laut Auskunft des Tschechischen Statistischen Amtes ist dies in erster Linie auf die Verschärfung des Gesetzes über den Aufenthalt von Ausländern zurückzuführen. Ins Ausland sind von Januar bis Ende März 9850 Personen abgewandert, hauptsächlich ausländische Bürger, die zuvor über eine Daueraufenthaltserlaubnis verfügt hatten. Demgegenüber sind nur knapp 3200 Personen legal eingewandert. Das verbleibende Defizit ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen Verstorbenen und Neugeborenen, dass im ersten Quartal die negative Differenz von 3800 Bürgern aufwies.

Erster Reaktorblock des AKWs Temelín steht vor letzten Tests

Das Bedienungspersonal des südböhmischen Atomkraftwerks Temelín hat bis zum Mittwoch weitere Tests im ersten Reaktorblock des Meilers abgeschlossen und am Donnerstagmorgen dessen Leistung wieder auf 100 Prozent heraufgefahren. AKW-Sprecher Milan Nebesár hat jedoch noch nicht bekannt geben können, wann genau im ersten Block die komplexe sechstägige Überprüfung durchgeführt werden wird. Nach dieser Überprüfung soll der Probebetrieb erfolgen.

Tschechische Katholische Karitas leistet humanitäre Hilfe für Grusinien

Die Vereinigung der Tschechischen Katholischen Karitas (SCKCH) hat am Mittwoch drei Tonnen Hilfsgüter für die grusinische Bevölkerung in Tiflis übergeben. Zu den Hilfsgütern zählen Medikamente, Decken und Bekleidung, die von der Tschechischen Armee gespendet wurde. Die Sendung für die grusinische Hauptstadt war mit einer Transportmaschine der Tschechischen Armee eingeflogen worden, teilte die Presseabteilung der Karitas am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur CTK mit.

Tschechische Polizei begann Suchaktion nach deutschem Bürgermeister

Die tschechische Polizei hat am Donnerstag im westböhmischen Kreis mit einer umfangreichen dreitägigen Suchaktion nach dem deutschen Bürger Erich Kunder begonnen. Kunder ist Bürgermeister des bayerischen Städtchens Rockingen und wird seit zwei Monaten vermisst. Wie Polizeisprecherin Blanka Kosinová der Nachrichtenagentur CTK mitteilte, handelt es sich um eine der größten jemals in Tschechien durchgeführten Suchaktionen. Laut Angaben der Polizei habe sich Kunder mit seinem PKW in der Tschechischen Republik aufgehalten, ehe sein silberner Mercedes 220 CDI in Weißrussland aufgetaucht sei, wohin er über Polen verschoben worden war. Von Erich Kunder fehle seitdem jedoch jede Spur, hieß es.

Riesige Nachfrage für Studium an der Neiße-Universität im Dreiländereck

Die Nachfrage für ein Studium an der Neiße-Universität, die im letzten Jahr gemeinsam von den Technischen Universitäten aus dem nordböhmischen Liberec/Reichenberg, dem sächsischen Zittau und dem schlesischen Vratislav gegründet wurde, übersteigt das Angebot an Studienplätzen um ein Mehrfaches. "Es melden sich sogar Interessenten aus Südamerika und Asien, den neuen Studienjahrgang eröffnen wir mit 30 Studenten," offenbarte der Rektor der Reichenberger Universität David Lukás am Donnerstag der Nachrichtenagentur CTK.

"Jahrhunderttorjäger" Bican bekommt Denkmal auf Prager Ehrenfriedhof

Der legendäre tschechische Fußballer Josef "Pepi" Bican, der am 12. Dezember 2001 im Alter von 88 Jahren gestorben war, erhält ein Denkmal auf dem Prager Ehrenfriedhof "Slavin". Der noch im Januar 2001 vom Internationalen Verband der Fußball-Statistiker als "Torjäger des Jahrhunderts" ausgezeichnete Angreifer verdiene einen Platz zwischen "großen Tschechen" wie Komponist Bedrich Smetana und Schriftsteller Karel Capek, sagte der Sprecher des Fußball- Erstligisten Slavia Prag, Jirí Vrba, am Donnerstag. Bican spielte zunächst in seiner Geburtsstadt Wien bei Rapid und Admira, ehe er dann zu Slavia Prag wechselte. In seiner aktiven Zeit in der Tschechoslowakei und in Österreich schoss er etwa 650 Tore.

Und abschließend noch ein Blick auf die Wetterkarte:

Am Freitag überquert eine Kaltfront das Gebiet der Tschechischen Republik, was zu einer Abkühlung führt. Tagsüber ist es bewölkt bis bedeckt, örtlich ist mit Regen oder Schauern zu rechnen. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen nur noch Werte zwischen 17 und 22 Grad, in Mähren und Schlesien vereinzelt bis zu 24 Grad Celsius.

Die weiteren Aussichten: Am Samstag und am Sonntag hält das bewölkte Wetter an. Neben Regen und Schauern können vereinzelt auch Gewitter auftreten. Die Tageshöchstwerte liegen am Samstag zwischen 18 und 24 Grad und am Sonntag zwischen 19 und 23 Grad Celsius.