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Moldau steigt nicht weiter - erstes Aufatmen in Prag

Der Pegel der Moldau in der tschechischen Hauptstadt Prag steigt nicht mehr. Seit 14.00 Uhr habe es keinen weiteren Anstieg gegeben, hieß es. Die Menschen in der von weiteren schweren Überschwemmungen bedrohten Stadt konnten erst einmal aufatmen. Eine offizielle Entwarnung gab es allerdings noch nicht. In Prag bestand die Gefahr, dass die Moldau die Barrieren und Absperrungen überfließt und sich in die historische Altstadt ergießt. Zuletzt war der Flusspegel stündlich um etwa zehn Zentimeter gestiegen, die Absperrungen reichten gegen 13.00 Uhr nur noch für einen weiteren Anstieg von 20 Zentimetern. Die Altstadt war inzwischen weitgehend geräumt. Ein Problem neben dem Anstieg des Moldau-Pegels war die völlig überlastete Kanalisation. Das Wasser drückte durch die Leitungen von unten in die Altstadt.

Weiteres Opfer der Überschwemmungen

Die Überschwemmungen haben bereits ein zehntes Opfer gefordert. Es ist ein 81jähriger Mann aus dem südböhmischen Pisek. Seine Leiche wurde heute in seinem Wochenendehaus gefunden, sagte die Sprecherin der südböhmischen Polizei Jana Kamenikova.

Spidla: Überschwemmungen schlimmer als 1997

Die aktuellen Überschwemmungen in Tschechien sind in ihrem Ausmaß wahrscheinlich größer als die Überschwemmungen vom Jahre 1997, sagte auf der Pressekonferenz nach der Regierungssitzung am Mittwoch der tschechische Premier Vladimir Spidla. Die Schäden werden sehr groß sein und in Milliarden tschechischer Kronen gerechnet. Ihre genaue Höhe könne man derzeit allerdings nicht abschätzen, sagte Spidla weiter. Er wiederholte außerdem, dass wegen der Überschwemmungen bisher insgesamt 200.000 Personen evakuiert wurden. In Südböhmen und an den oberen Teilen der Flüsse verbessere sich die Situation. Bis Freitag werde sich Spidla zufolge die Situation in Nordböhmen verschlechtern, kompliziert bleiben die Zustände in Prag. Wegen den Überschwemmungen sollten am Mittwoch Abend der tschechische Premier Spidla mit dem tschechischen Präsidenten Vaclav Havel auf der Prager Burg zusammentreffen, ein genauer Termin sei aber noch nicht bekannt, teilte die Regierungssprecherin Anna Starkova der Nachrichtenagentur CTK mit. Der tschechische Präsident soll aus Portugal zurückkehren, wo er auf Urlaub war.

Belgien schickt Hilfe nach Tschechien

Belgien schickt Hilfe nach Tschechien. Die belgische Regierung hat heute in Brüssel bekannt gegeben, dass sie eine Militäreinheit sowie Ausrüstung für Rettungsarbeiten nach Tschechien schickt. Ein belgisches Trasportflugzeug solle heute Abend oder morgen früh in Prag landen, am Bord werden Soldaten, Pumpen und Anlagen zum Trockenlegen der betroffenen Gebiete sein.

Tschechische Republik wird Hilfe aus dem Ausland annehmen

Die Tschechische Republik wird die humanitäre Hilfe aus dem Ausland annehmen, die ihr im Zusammenhang mit den Überschwemmungen andere Staaten angeboten haben. Die einzelnen Ministerien sollen innerhalb von 24 Stunden dem Zentralen Krisenstab ihre Forderungen bekannt geben. Vizepremier Cyril Svoboda hat nach der heutigen Kabinettssitzung vor Journalisten gesagt, dass Tschechien unter anderem Impfstoffe, Medikamente und Anlagen zum Trockenlegen der betroffenen Gebiete benötigen wird. Vizepremier Svoboda sagte, dass bereits Schweden, Polen, Frankreich, die USA, Norwegen, Japan, die Schweiz, Griechenland, Italien und weitere Länder sowie die NATO und die Europäische Union Hilfe angeboten haben. Bei Frankreich handle es sich konkret um das zur Verfügung Stellen von Flugzeugen. Andere Länder haben Svoboda zufolge ebenfalls spezifische Hilfe angeboten, wiederum andere legten allgemein umfassende Angebote vor.

Flughafenverkehr bedroht

Der Betrieb des internationalen Flughafens in Prag Ruzyne ist aufgrund der eingestellten Lieferungen von Treibstoff aus dem überschwemmten Kralupy nad Vltavou bedroht. Derzeit gibt es einen bis ca. Freitag Mitternacht ausreichenden Vorrat an Treibstoff, sagte die Sprecherin der Flughafenverwaltung Vlasta Pallova und fügte hinzu, dass eine Ersatzvariante der Treibstofflieferung in Vorbereitung sei.

Mehrere Fabriken unter Wasser

Das anhaltend steigende Hochwasser an der Elbe hat am heutigen Nachmittag schon an die 80 Prozent des Fabriksareals des Chemiewerks Spolana überschwemmt. Laut Prognosen wird sich die Situation bis Donnerstag noch verschlechtern. Der Fluss Moldau beginnt entgegen den Erwartungen auch in das Areal des "Kaucuk" in Kralupy nad Vltavou einzudringen. Dies sagte der Nachrichtenagentur CTK der Sprecher von Unipetrol Tomas Zikmund. In einer weiteren Fabrik, der Ceska Rafinerska, die sich ebenfalls im überschwemmten Kralupy befindet, wurde die Produktion heute eingestellt.

Bankgesellschaft Berlin verkauft ihren Anteil in Zivnostenska banka

Die deutsche Landesbank Bankgesellschaft Berlin hat am Mittwoch ein Abkommen über den Verkauf von 85,16 Prozent ihrer Aktien der tschechischen Zivnostenska banka an die italienische UniCredito unterzeichnet. Den Preis hat die Bankgesellschaft Berlin nicht angegeben. Zum Verkauf der Zivnostenska banka entschied sich die Berliner Bank aufgrund ihrer eigenen finanziellen Schwierigkeiten. Die Stadt Berlin bietet jetzt die Bank, an der es einen Anteil von 81 Prozent besitzt, zum Verkauf an.