Nachrichten

r_2100x1400_radio_praha.png

Aktuelle Lage in Prag

Im Prager Stadtteil Karlin, der gemeinsam mit dem Stadtviertel Holesovice zu den vom Hochwasser am meisten betroffenen Stadtteilen der tschechischen Hauptstadt gehört, ist in der Nacht zu Sonntag bereits das dritte Haus eingestürzt. Einige Straßenzüge der beiden Stadtviertel, die ihre Bewohner seit Samstagabend besuchen konnten, wurden am Sonntag auf Beschluss des Magistrats erneut geschlossen. Geologen und Statiker sollen zunächst das Terrain und die einzelnen Häuser untersuchen. Die Moldau sank in Prag im Vergleich zu Mittwoch, als sie ihren Höchstwert erreicht hatte, bereits um 5 Meter.

Prager Magistrat setzt sich für die Öffnung der Magistrale

Wegen der kritischen Situation im städtischen Verkehr erwägt der Prager Magistrat, die nach dem 11.September 2001 getroffenen Maßnahmen zum Schutz des Senders Radio Freies Europa/Radio Liberty (RFE/RL) aufzuheben. Das Gebäude befindet sich an der direkt durch das Stadtzentrum führenden Magistrale, deren Fahrbahn zur Hälfte geschlossen wurde. Der Prager Oberbürgermeister Igor Nemec will wegen dem drohenden Verkehrskollaps mit Innenminister Stanislav Gross und Verteidigungsminister Jaroslav Tvrdik verhandeln. Der Zentrale Krisenstab in Prag will jedoch nichts an den Schutzmaßnahmen um das RFE/RL-Haus ändern und sucht nach einer anderen Lösung, teilte die Sprecherin des Innenministeriums Gabriela Bartikova der Nachrichtenagentur CTK mit.

Chlorverarbeitung in der Chemiefabrik Spolana Neratovice

In der Chemiefabrik Spolana in Neratovice hat am Sonntag die Verarbeitung des hier deponierten Chlors zum unschädlichen Hypochlorit begonnen. Aus einem beschädigten Behälter sind hier am Donnerstag etwa 16 Kilogramm Chlor in die Luft entwichen. Vertretern der Firma und des tschechischen Umweltministeriums zufolge sei dadurch die Gesundheit der Bewohner der Stadt nicht gefährdet worden. Im zum Teil unter Wasser liegenden Areal der Fabrik befinden sich in insgesamt 10 Behältern 114 Tonnen Chlor.

Besserung der Lage in den Regionen

Auch an anderen Orten Tschechiens ist eine Besserung der Lage verzeichnet worden. Das in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes eingetragene südböhmische Cesky Krumlov/Krumau, das vom Hochwaser stark heimgesucht wurde, wird sich am Montag wieder für die Touristen öffnen.

Die Pegelstände der Elbe in der nordböhmischen Stadt Usti nad Labem/Aussig sinken weiter und dürften bis Montagmorgen die Werte um circa 8 Meter erreichen. Erst dann können die Aufräum- und Reinigungsarbeiten auf den Brücken in Usti, die vorläufig unbefahrbar sind, beginnen. In dieser Stadt mussten in den vergangenen Tagen rund 6 Tausend Menschen evakuiert werden

Gipfeltreffen in Berlin

Die Europäische Union hat allen von der Flut-Karastrophe betroffenen Ländern Hilfe zugesagt. Die Ministerpräsidenten der vom Hochwasser schwer betroffenen Länder Mitteleuropas treffen heute Abend in Berlin zusammen, um mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer über Hilfsmaßnahmen für die Opfer der Flutkatastrophe in Mitteleuropa zu beraten. An dem Treffen im Berliner Kanzleramt nimmt auch EU-Kommissionspräsident Romano Prodi teil. Es wird erwartet, dass die EU erhebliche Hilfsgelder für den Wiederaufbau bereit stellt. Technische, finanzielle und andere Hilfen bei der Bekämpfung der Hochwasserfolgen boten Tschechien u.a. auch die UNESCO, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die USA, Irland, Polen, skandinavische Länder, Griechenland und die Slowakei an.

Aufruf zur Hilfe

Tausende Pilger sind am Sonntag auf dem Berg Hostyn beim mittelmährischen Kromeriz/Kremsier zusammengekommen. Der Bischof von Olomouc/Olmütz, Josef Hrdlicka, der die Hl.Messe in der Basilika Mariä Himmelfahrt zelebrierte, rief die Gläubigen zur Hilfeleistung in den von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Gebieten auf. An der traditionellen Pilgerfahrt aus Anlass des seit vier Jahrhunderten gefeierten Festes der Mariä Himmelfahrt kamen auf Hostyn etwa 5 Tausend Menschen zusammen.