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Längere Ferien für Grundschüler

In den vom Hochwasser beschädigten Grundschulen in Prag sowie Schulen, in denen evakuierte Personen beherbergt sind, wird das neue Schuljahr voraussichtlich um 2 Wochen später beginnen. Ihre Zustimmung hat die Schulministerin Petra Buzkova bereits in der vergangenen Woche gegeben. Am Donnerstag hat der Prager Magistrat den Schulleitern der mittleren Schulstufe empfohlen, den Schuljahrbeginn wegen der komplizierten Verkehrslage in der Hauptstadt auch hinauszuschieben. Das neue Schuljahr beginnt in Tschechien traditionsgemäß am 1.September.

Verkehrssituation

Die Verkehrssituation in den von Hochwasser betroffenen Gebieten der Tschechischen Republik hat sich weiter verbessert. Einige Straßenabschnitte bleiben jedoch geschlossen. Wegen Erdrutsch wurden die Hauptstraßen 1.Klasse zwischen Dubi und Cinovec/Zinnwald an der tschechisch-deutschen Grenze und die Strasse von Loubi nach Hrensko beim nordböhmischen Decin/Tetschen geschlossen. Völlig oder teilweise unbefahrbar sind verschiedene Abschnitte auf insgesamt neun Straßenzügen. Nach Mitteilung der Polizei in Melnik gibt es die größten Probleme vor allem im Verkehr in der Nähe des Zusammenflusses der Elbe und der Moldau in der Nähe dieser mittelböhmischen Stadt.

Bilanz der Hochwasseropfer

In Tschechien sind insgesamt 14 Menschenleben dem Hochwasser zum Opfer gefallen. Erst am Donnerstag hat die Moldau das 14.Hochwasseropfer - einen 24jährigen Slowaken freigegeben. Nach einem ärztlichen Befund lag sein Körper bereits seit etwa 10 Tagen im Wasser. Die Identität des Verunglückten ist der Polizei bekannt, da sie seinen Reisepass in seiner Hosentasche fand.

Präsidenten der Visegrader Staatengruppe treffen sich in Castolovice

Die Referenden zum EU-Beitritt sollten in den einzelnen Kandidatenländern in kurzen Zeitabständen nacheinander stattfinden, und zwar in der Reihenfolge gemäß der im jeweiligen Land vorhandenen Unterstützung. Darauf einigten sich die Präsidenten Tschechiens, Polens, und Ungarns, Vaclav Havel, Aleksander Kwasniewski und Ferenc Madl, die am Donnerstag in Castolovice beim ostböhmischen Rychnov nad Kneznou zusammenkamen. Der slowakische Präsident Rudolf Schuster musste seine Teilnahme an dem Treffen der sog. Visegrad-Staaten aus Krankheitsgründen absagen. Die europäische Integration, EU-Erweiterung und die Annäherung der Kandidatenländer an die EU seien die Hauptthemen der Gespräche, sagte der tschechische Präsident Vaclav Havel gegenüber der Nachrichtenagentur CTK. Ihm zufolge sei die EU-Erweiterung im Interesse aller Europäer, sie sollte aber nicht von der geplanten Reform der EU-Institutionen abhängig gemacht werden. Alle drei Staatsoberhäupter stimmten auch darin überein, dass die Kandidatenländer nach ihrem Beitritt mit anderen Beitrittskandidaten zusammenarbeiten sollen, die in der ersten Erweiterungswelle nicht zu EU-Mitgliedern geworden sind. Zuletzt hatten sich die Präsidenten der vier betreffenden Staaten Anfang letzten Jahres in Polen getroffen. Das diesjährige Treffen findet vor allem deshalb in der Tschechischen Republik statt, weil es für Präsident Vaclav Havel voraussichtlich das letzte vor Ende seiner Amtszeit Anfang kommenden Jahres ist.

Hochwasserschäden im Industriebereich

Das tschechische Industrie- und Handelsministerium hat die durch das Hochwasser verursachten Schäden im industriellen Bereich sowie die durch den Produktionsausfall entstandenen Schäden vorläufig auf 8 Milliarden Kronen, das sind rund 260 Millionen Euro, eingeschätzt. Dies seien Schäden, die Großunternehmen entstanden seien, sagte Industrie- und Handelsminister Jiri Rusnok. Ihm zufolge könne sein Amt die bei mittleren und kleinen Firmen entstandenen Schäden noch nicht genau beziffern.

Notstand im Kulturbereich

Nach Informationen von Kulturminister Pavel Dostal wird der Notstand im Kulturbereich mindestens bis zum Jahr 2004 anhalten. Die an Denkmalobjekten, Sammlungen und Kultureinrichtungen entstandenen Hochwasserschäden belaufen sich schätzungsweise auf circa 2,3 Milliarden Kronen (knapp 77 Millionen Euro). Alle zur Verfügung stehenden Mittel würden für die Rettung des Denkmalfonds verwendet werden, sagte Dostal. Mehr zu diesem Thema hören Sie im Anschluss an die Nachrichten.

Als stark beschädigt gelten landesweit auch zahlreiche Bibliotheken. Den ersten Schätzungen zufolge sind in Tschechien etwa 660.000 Bücher, Zeitschriften, und Filmstreifen dem Hochwasser zur Folge gefallen.

Undisziplinierte Personen sollen für ihre Rettung bezahlen

Undisziplinierte Prager, die sich trotz wiederholter Warnaufrufe vor dem Hochwasser weigerten, ihre Wohnungen zu verlassen und anschließend von der Feuerwehr evakuiert werden mussten, sollten dafür zahlen. Dies sagte am Donnerstag vor Journalisten der Prager Oberbürgermeister Igor Nemec unter Hinweis auf die Tatsache, dass Feuerwehrleute bei Rettungsaktionen oft ihr eigenes Leben gefährdeten. Die Zahl derjenigen, die von der Feuerwehr gerettet werden mussten, gehe in die Hunderte, hieß es. Derzeit sind in Prag 2560 Feuerwehrleute im Einsatz, etwa 1 500 von ihnen sind Freiwillige.

Tschechische Ärztekammer bietet Hilfe an

Die Tschechische Ärztekammer bietet Ärzten, deren Praxen durch die Hochwasserkatastrophe vernichtet wurden, finanzielle Hilfe an. Sie will sich auch bei der Vermittlung von Hilfen seitens pharmazeutischer Firmen und Krankenhäuser engagieren. Die Ärztekammer sei nicht gesetzlich verpflichtet, die intakte Infrastruktur der Gesundheitsfürsorge zu gewährleisten, sie wolle aber in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten helfen, die Fürsorge so bald wie möglich wiederherzustellen, sagte vor Journalisten Ärztekammerpräsident David Rath. Nach Mitteilung der Gesundheitsministerin Marie Souckova werde auch dieser Tage die Gesundheitsfürsorge in vollem Unfang gewährleistet. Fälle von Epidemien seien bislang nicht gemeldet.