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Havel und Klestil fordern zum Dialog über strittige Fragen auf

Zu einem sachlichen Dialog über die strittigen Fragen in den tschechisch- österreichischen Beziehungen " die sogenannten Benes-Dekrete und die Zukunft des südböhmischen Atomkraftwerks Temelín " haben am Donnerstag in Znojmo/Znaim die Präsidenten beider Länder, Václav Havel und Thomas Klestil, aufgerufen. Während ihres Treffens in der südmährischen Grenzstadt wurde von ihnen eine Erklärung ausgearbeitet, die dazu beitragen soll, dass alle problematischen Fragen bis zum Beitritt der Tschechischen Republik in die Europäische Union einer Lösung zugeführt werden. In der Erklärung beider Präsidenten wird angeführt, dass sich Österreich mit Nachdruck für die Aufnahme der Tschechischen Republik in die EU einsetze. Es sei jedoch auch erforderlich, die dunklen Seiten der gemeinsamen Geschichte beider Länder zu benennen und sich kritisch mit der Vergangenheit auseinander zu setzen, hieß es. In der Absichtserklärung werden im Detail keine konkreten Schritte beschrieben, wie die strittigen Fragen zu lösen seien. Darüber hinaus habe er " so Thomas Klestil " Václav Havel zu dem im kommenden Jahr stattfindenden Treffen der Spitzenpolitiker aus Mitteleuropa nach Salzburg eingeladen. Havel, der dann bereits nicht mehr die Funktion des tschechischen Präsidenten inne haben wird, werde dem Treffen als Ehrenpräsident beiwohnen, sagte Klestil. Vor Beginn der Gespräche beider Staatsoberhäupter im Znaimer Rathaus hatten Umweltaktivisten der ökologischen Vereinigung "Südböhmische Mütter" Havel einen offenen Brief überreicht, in dem er und Klestil aufgefordert werden, über die Zukunft des südböhmischen Atomkraftwerks Temelín zu verhandeln. Bei ihrer Ankunft am Znaimer Rathaus hatten die Ökologen beide Staatsmänner mit Transparenten empfangen, auf denen die zu Temelín verfassten tschechisch- österreichischen Vereinbarungen von Melk angezweifelt wurden.

Spidla beendet Auftaktbesuch im Ausland " Lob für Wisegrader Gruppe

Zum Abschluss seines zweitägigen Aufenthaltes in Warschau ist der tschechische Premier Vladimir Spidla am Donnerstag mit dem polnischen Präsidenten Alexander Kwasniewski zusammen getroffen. Während ihrer halbstündigen Unterredung haben beide Politiker sowohl über die Zukunft der sogenannten Wisegrader Gruppe als auch über den zu erwartenden Beitritt der Tschechischen Republik, Polens, Ungarns und der Slowakei in die Europäische Union verhandelt. Gegenstand ihrer Gespräche war außerdem der UNO-Gipfel über nachhaltige Entwicklung im südafrikanischen Johannesburg, von dem Kwasniewski gerade zurückgekehrt war. Wie Spidla nach dem Treffen mitteilte, stimme er mit Kwasniewski darin überein, dass sich die Zusammenarbeit in der Wisegrader Gruppe bewährt habe. Der Vier-Staaten-Gruppe gehören neben Tschechien und Polen auch Ungarn und die Slowakei an. Sein abschließender Weg in Polen führte Spidla anschließend auch über Krakow/Krakau nach Krynica, wo er am Ministerpräsidententreffen der vier Wisegrad-Länder teilnehmen wird.

Bei den von Spidla am Donnerstag mit seinem polnischen Amtskollegen Leszek Miller geführten Gesprächen stellten beide Ministerpräsidenten übereinstimmend fest, dass die tschechisch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen ein gutes Niveau erreicht haben. Wie Miller anschließend auf einer gemeinsamen Pressekonferenz äußerte, sollten beide Länder nach neuen Wegen zur Nutzung der immer noch bestehenden Reserven suchen. Die Tschechische Republik ist der siebtgrößte Handelspartner Polens.

Tschechisches Feldlazarett in Afghanistan soll reduziert werden

Vom tschechischen Verteidigungsministerium in Prag wurde am Donnerstag bekannt gegeben, dass man die Absicht habe, einen wesentlichen Teil des in Afghanistan stationierten tschechischen Feldlazaretts zum Jahresende abzuziehen. Im Rahmen der in Afghanistan agierenden Internationalen Schutztruppe sollen danach lediglich 20 Ärzte und weiteres Personal aus Tschechien zurückbleiben und im internationalen Krankenhaus eingesetzt werden. Dies teilte der Oberbefehlshaber des Generalstabs der Tschechischen Armee, Jiri Sedivý am Donnerstag vor Journalisten mit.

Tschechische und deutsche Soldaten üben "Angriff auf Terroristenlager"

Einheiten der tschechischen Armee und der Bundeswehr werden an diesem Freitag bei einem gemeinsamen Manöver auf dem Militärübungsgelände in Hradiste bei Karlovy Vary/Karlsbad das "Zerstören eines Terroristenlagers" üben. Hauptziel der Aktion sei, die "Möglichkeiten der Streitkräfte beim Lösen neuer Krisensituationen nach dem 11. September 2001" zu zeigen, sagte der Sprecher des Generalstabs der Tschechischen Streitkräfte Vladimir Palan am Donnerstag in Prag. An der gemeinsamen Übung werden etwa 500 tschechische und mehrere Dutzend deutsche Soldaten teilnehmen. Neben den Bodentruppen kommen auch tschechische Kampfhubschrauber und deutsche Jagdflugzeuge vom Typ "Tornado" zum Einsatz.

Prager Gericht verlangt von Ex-Regierungschef Zeman Entschuldigung

Der ehemalige tschechische Ministerpräsident Milos Zeman ist am Donnerstag von einem Gericht in Prag dazu verurteilt worden, sich bei einem mährischen Gewerkschaftsverband schriftlich zu entschuldigen. Der Sozialdemokrat, der sich im Juli aus der aktiven Politik zurückgezogen hat, hatte die Arbeitnehmervertretung des Stahlwerks "Nova hut" (Neue Hütte) in Ostrava/Ostrau vor zwei Jahren als "Kollaboranten von Betrügern" beschimpft. Damit habe der heute 57-Jährige die Gewerkschaft "rüde beleidigt", entschied das Gericht. Erst im Frühjahr hatte Zeman mit Aussagen über Sudetendeutsche als "fünfte Kolonne Hitlers" international für Zündstoff gesorgt.

Tschechische Polizei entdeckt umfangreiche Cannabis-Anlage in Mähren

Eine umfangreiche Anlage zum Anbau von Cannabis hat die tschechische Polizei im Objekt eines ehemaligen Kartoffellagers bei Pelhrimov entdeckt. In dem Objekt, das kurz vor der Inbetriebnahme stand, hätten unabhängig vom Wetter jährlich etwa 800.000 Marihuana-Zigaretten hergestellt werden können, sagte der Polizeidirektor des dritten Prager Stadtbezirks, Jirí Neuwirth, am Donnerstag vor Journalisten. Insgesamt 13 Personen im Alter von 26 bis 38 Jahren sind verdächtig, sich an der Errichtung dieser Anlage beteiligt zu haben. Fünf Hauptverdächtige sind bereits festgenommen worden. Ihnen drohen Haftstrafen bis zu zehn Jahren. Nach Angaben der Polizei hat die aus Prag und Umgebung stammende Gruppe den Bau vermutlich mit den Einnahmen aus einem Versicherungsbetrug finanziert.

"Spolana" räumt Abfluss Krebs erregender Stoffe in die Elbe ein

Die Leitung der tschechischen Chemiefabrik Spolana in Neratovice hat eingeräumt, dass das jüngste Hochwasser auch toxische und Krebs erregende Schadstoffe in die Richtung Sachsen fließende Elbe gespült hat. Auf einer zuvor veröffentlichten Liste mit ausgeströmten Chemikalien hatten diese Stoffe gefehlt, bestätigte Unternehmenssprecher Jan Martinek am Donnerstag. Die bei Wasserproben festgestellte Konzentration bewege sich jedoch "knapp oberhalb der messbaren Grenze", sagte Martinek. Umweltschützer warfen "Spolana" vor, erneut Probleme zu verharmlosen. Das Werk, das vom Hochwasser im August überschwemmt worden war, gilt als eine der problematischsten Altlasten der kommunistischen Tschechoslowakei.

Ausmaß der Leptospirose-Infektion in Südböhmen ist gering

Die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit dem Hochwasser in Südböhmen an der Leptospirose erkrankt sind, ist gering. Es handele sich lediglich um Einzelpersonen, sagte Iva Sipova, Leiterin der epidemiologischen Abteilung der Landkreisbehörde für Hygiene in Ceske Budejovice/Budweis gegenüber der Nachrichtenagentur CTK. Nach ihren Informationen werde die aktuelle Situation von Hygienikern jeden Tag kontrolliert. Bisher seien drei Fälle der Leptospirose in Südböhmen nachgewiesen worden, sagte Sipova.