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ČSSD-Gremium bestätigt Sobotka als Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten

Der Vorsitzende der tschechischen Sozialdemokraten (ČSSD), Bohuslav Sobotka, ist am Samstag durch das höchste ČSSD-Organ, das Parteigremium, als sozialdemokratischer Spitzenkandidat für die anstehenden Neuwahlen bestätigt worden. Nach vorliegenden Informationen haben im Gremium 86 Parteimitglieder für Sobotka gestimmt, die Mehrheit von 76 Stimmen hätte für die Bestätigung seiner Kandidatur gereicht. Zuvor hatte bereits das Parteipräsidium dem 41-jährigen Politiker das Vertrauen ausgesprochen. Die doppelte Wahl von Sobotka zum Spitzenkandidaten ist auch ein klares Zeichen an Präsident Miloš Zeman. Das Staatsoberhaupt hat nämlich nahegelegt, dass die bei den Wahlen siegreiche Partei denjenigen Parteipolitiker zum Premierminister-Kandidaten vorschlagen solle, der die größte Unterstützung durch die Wähler hinter sich weiß. Diesbezüglich hatte bei den Wahlen im Jahr 2010 Vizechef Michal Hašek dem Parteichef Sobotka den Rang abgelaufen.

Sobotka will Koalition ohne ODS oder Top 09 – Peake zweifelt Koalitionsaussage an

Während seiner Rede auf der Tagung des Gremiums der Sozialdemokraten hat Parteichef Bohuslav Sobotka hervorgehoben, dass er alles dafür tun werde, um die konservativen Parteien nach den Wahlen auf die Oppositionsbank zu verweisen. Er wolle nach dem hoffentlich eintretenden Wahlsieg für ein programmatisches Bündnis sorgen, das die größtmögliche Umsetzung des sozialdemokratischen Wahlprogramms erlaubt, sagte Sobotka. Und das sei mit den ehemaligen Regierungsparteien, die für die gegenwärtig schlechte Lage im Land verantwortlich sind, undenkbar, so der ČSSD-Chef.

Auf die Aussagen von Sobotka reagierte die einstige Vizepremierministerin Karolína Peake mit größter Verwunderung. Dass Sobotka grundsätzlich eine Koalition mit der Partei Top 09 ausschließen wolle, daran glaube sie nicht. Der Sozialdemokratenchef wolle vielmehr alles dafür tun, dass eine solche Koalition nicht notwendig wird, so Peake. Eine solche Festlegung aus dem Munde von Sobotka zu hören aber müsse man als genauso flexibel und anpassungsfähig einstufen wie es der ČSSD-Chef als Person selbst sei, gab Peake zu bedenken. Zudem kritisierte die Ex-Chefin der Partei Lidem die frühere Tätigkeit von Sobotka als Finanzminister. In dieser Funktion habe der sozialdemokratische Spitzenkandidat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Staatsverschuldung in seiner Amtszeit gestiegen sei, obwohl es eine Konjunkturperiode war, in der der Staat Reserven für schlechtere Zeiten schaffen müsse, so Peake. Sobotka sei in dieser Zeit ebenso für den absonderlichen Verkauf von Staatseigentum verantwortlich zu machen, wie zum Beispiel der Firma OKD, ergänzte Peake.

Polizei überwacht Anti-Roma-Proteste der Radikalen – in Ostrau kam es zu Zusammenstößen

Am Samstag haben in sechs Städten Tschechiens von Rechtsradikalen organisierte Anti-Märsche und Demonstrationen gegen die hierzulande lebende Minderheit der Roma stattgefunden. Die meisten Extremisten sind dabei in der mährisch-schlesischen Industriestadt Ostrava / Ostrau zusammengekommen. Hier haben in etwa 600 Radikale demonstriert und sich dabei zum Teil wilde Schlachten mit der Polizei geliefert. In den anderen Städten, in denen ähnliche Kundgebungen angemeldet waren – wie Plzeň / Pilsen, České Budějovice / Budweis oder Duchcov / Dux – haben sich einige Hundert Extremisten versammelt. An mehreren dieser Orte fanden Gegendemonstrationen statt.

In Ostrau haben sich nach Schätzungen der Polizei rund 600 Rechtsradikale auf den Marsch begeben. In einigen Momenten spitzte sich die angeheizte Lage zu und es sei zu Szenen gekommen, die an einen erbitterten Positionskampf im Krieg erinnert hätten, hieß es. Auf die Einsatzkräfte der Polizei seien Steine geflogen, die Extremisten waren mit Knüppeln bewaffnet und rollten wiederholt Mülltonnen als Abwehrbollwerk vor sich her. Das Eindringen der Radikalen in ein Roma-Viertel wurde jedoch von der Polizei vereitelt.

Ebenso rund 600 Personen haben auf einem anderen Platz in Ostrau eine Gegendemonstration abgehalten. Die als „Frieden unter Menschen“ bezeichnete Aktion verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Schon im Vorfeld der Demonstrationswelle hatte der führende Funktionär der Romas in Pilsen, Štefan Tišer, die Angehörigen seiner Volksgruppe dazu aufgerufen, Besonnenheit zu zeigen und den Marsch der Neonazis in der Stadt nicht zu kreuzen. Die Romas seien andererseits erfreut darüber, dass sich die progressive tschechische Bürgergesellschaft klar gegen das den Roma gegenüber feindliche Auftreten der Rechtsextremisten ausgesprochen habe. Der Pilsener Bürgerprotest gegen den Aufmarsch der Neonazis wurde von 19 Bürgerinitiativen, Vereinigungen und politischen Parteien unterstützt. Das Motto der Gesamtinitiative lautete „In Pilsen wollen wir keine Neonazis“.

Ex-Präsident Klaus denkt über Rückkehr in die Politik nach

Der ehemalige Präsident Václav Klaus ist der Meinung, dass sich die tschechische Politik in einer sehr ernsthaften Lage befindet. Er überlege deshalb, ob er nicht doch in die Politik zurückkehren sollte. Das sagte Klaus am Samstag am Rande eines Basketball-Turniers der Welttour-Serie 3x3 auf dem Prager Wenzelsplatz gegenüber dem Tschechischen Fernsehen (ČT).

Ihm erscheine die politische Situation im Land ziemlich hoffnungslos. Doch wenn sich ihm die Chance böte, darauf Einfluss nehmen und wieder mitsprechen zu können, dann werde er das womöglich tun. Noch aber habe er sich nicht entschieden, sagte Klaus nur einen Tag nach seinem Treffen mit der Chefin der Partei Suverenita, Jana Bobošíková. Für eine eventuelle Zusammenarbeit mit ihm und seinen Anhängern aber müsse es weitaus mehr Leute geben als nur Jana Bobošíková und Boris Šťastný, so Klaus. Šťastný ist erst jüngst aus der ehemaligen Klaus-Partei, der ODS ausgetreten. Er und Bobošíková versuchen, den ehemaligen Präsidenten für ihre zukünftigen politischen Pläne zu gewinnen.

Klaus trifft Suverenita-Chefin Bobošíková zum Gedankenaustausch

Der ehemalige tschechische Präsident Václav Klaus hat sich am Freitag in Prag mit der Chefin der Partei Suverenita, Jana Bobošíková, getroffen. Laut Bobošíková habe sie mit Klaus über die gegenwärtige politische Situation im Land gesprochen, Details der Unterredung aber wollte sie nicht benennen. In politischen Kreisen aber gilt es als offenes Geheimnis, dass die ehemalige Abgeordnete des Europaparlaments gern mit Klaus zusammenarbeiten und sich mit dessen Anhängern verbünden würde. Nach Aussage des langjährigen Beraters und Mitarbeiters der Präsidialkanzlei des Ex-Staatsoberhaupts, Ladislav Jakl, habe Klaus jedoch nicht vor, in die Politik, zurückzukehren. Andererseits könne er „hoffnungsvolle Kräfte“ unterstützen, die seine Ideen aufgreifen und weitertragen, sagte Jakl. Aktuellen Umfragen zufolge würden es über 70 Prozent der tschechischen Bürger nicht begrüßen, wenn Klaus in die Politik zurückkehren würde.

Minister Toman warnt Polen vor Konsequenzen bei unzureichender Lebensmittelqualität

Der tschechische Landwirtschaftsminister Miroslav Toman hat seinem polnischen Amtskollegen Stanislaw Kalemba deutlich gemacht, dass er eine mögliche Einfuhr von minderwertigen Lebensmitteln aus dem Nachbarland nicht akzeptieren werde. Sollten sich bei weiteren Importen die Defizite bei der Qualität polnischer Erzeugnisse wiederholen, dann werde er dazu übergehen, bei der EU ein Verbot für die Einfuhr bestimmter polnischer Lebensmittel zu beantragen, sagte Toman am Freitag im slowakischen Nitra. Dort nahmen er und sein polnischer Amtskollege als Gäste an der feierlichen Eröffnung der 40. Landwirtschafts- und Nahrungsgütermesse Agrokomplex teil. Mit Kalemba zog sich Toman zudem kurzzeitig zu bilateralen Verhandlungen zurück. In den Gesprächen waren sich beide Minister einig, dass man die Zusammenarbeit der jeweiligen Kontrollorgane verbessern müsse. Dazu gehörten auch gemeinsame Seminare, Kontrollen und oder Studienaustausche, so Toman.

Fotoausstellung in Prag zeigt Leben im mährischen Kohlerevier

Das Kohlerevier um die Industriestadt Ostrava / Ostrau – dieser Thematik ist die erste Retrospektive über den tschechischen Fotografen Viktor Kolář gewidmet, die seit Freitag in Prag gezeigt wird. Das besagte Kohlerevier in Tschechien steht vor einem ähnlich dramatischen Strukturwandel wie einst das Ruhrgebiet. In den Fotografien von Kolář leben die Menschen und Landschaften des alten Reviers noch einmal auf. Rußgeschwärzte Bergleute ziehen durch die Straßen, während Kellner im weißen Laborkittel schwere Bierkrüge tragen. Zirkusakrobaten sorgen vor rauchenden Schloten für Unterhaltung. Die Ausstellung ist noch bis zum 29. September in der städtischen Galerie am Altstädter Ring zu sehen.

Die harte Arbeit in den mährisch-schlesischen Stollen kannte der Autodidakt aus eigener Erfahrung. Nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen wanderte Kolář 1968 nach Kanada aus. Er fand Arbeit in einem Bergwerk. Doch Einsamkeit und Anpassungsprobleme führten den inzwischen 72-Jährigen und heutigen Kunstprofessor nach fünf Jahren ins raue Ostrau zurück.

Tennis: Kvitová stürmt ins Finale von New Haven – Gegnerin ist Halep

Petra Kvitová ist unmittelbar vor Beginn der US Open gut in Form. In eindrucksvoller Manier hat die beste tschechische Tennisspielerin am Freitag das Damen-Einzelfinale des WTA-Turniers in New Haven erreicht. Im Halbfinale fertigte sie in nur 50 Minuten ihre Landsfrau Klára Zakopalová mit 6:0 und 6:1 ab. Im Finale trifft die 23-jährige Kvitová nun am Samstag (Ortszeit) auf Simona Halep. Es ist das erste Aufeinandertreffen mit der 21-jährigen Rumänin.

Fußball: Sparta Prag übernimmt die Tabellenspitze der Gambrinus Liga

Mit zwei Begegnungen wurde am Freitag der 6. Spieltag in der ersten tschechischen Fußball-Liga, der so genannten Gambrinus Liga, eröffnet. Durch einen souveränen 4:0-Heimsieg über den 1. FK Příbram konnte sich Vizemeister Sparta Prag dabei vorübergehend an die Tabellenspitze vorschieben. Nach einem über weite Phasen ausgeglichenen Spielverlauf konnte sich der Favorit allerdings erst in der Schlussviertelstunde entscheidend durchsetzen, als Torjäger Lafata und zweimal Bednář die bis dahin knappe 1:0-Führung der Gastgeber ausbauten. Im zweiten Freitagspiel trennten sich Lokalrivale Dukla Prag und Mladá Boleslav 1:1. Das noch ungeschlagene Team von Sparta liegt nun drei Punkte vor Viktoria Pilsen. Der Titelverteidiger kann jedoch mit einem Sieg am Samstagabend beim 1. FC Slovácko die Tabellenführung zurückerobern.

Das Wetter am Sonntag: bewölkt mit Regen und Gewittern, bis 24 Grad

Am Sonntag ist es in Tschechien überwiegend bewölkt bis bedeckt, anfänglich nur vereinzelt Regen, der im Tagesverlauf jedoch von Südwesten her zunimmt. Örtlich sind auch Dauerregen oder Gewitter möglich. Die Tageshöchsttemperaturen liegen zwischen 20 und 24 Grad Celsius, in Höhenlagen um 1000 Meter werden maximal bis zu 14 Grad Celsius erreicht.