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Geheimdienstchef bekennt sich vor Gericht zu Straftaten

Der Chef des militärischen Geheimdienstes, Milan Kovanda, hat sich vor dem zuständigen Gericht in Ostrava / Ostrau zu den ihm vorgeworfenen Straftaten bekannt. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen Amtsmissbrauchs angeklagt. Er soll mehrere Personen nach einem Auftrag von Nečas` Büroleiterin Jana Nagyová illegal überwachen lassen haben, darunter auch die Ehefrau von Premier Petr Nečas. Wegen seiner Aussage hat das Gericht auf eine weitere Inhaftierung verzichtet.

Premier entschuldigt sich

Premier Petr Nečas hat am Samstag eine Presseerklärung veröffentlicht, in der er sich bei den Personen entschuldigt, die vom Militärgeheimdienst beobachtet wurden. Er bekräftigte aber, dass er diese Maßnahme nicht angeordnet habe und von der Durchführung nichts gewusst habe. Er betonte auch, dass seine Büroleiterin Jana Nagyová nach der Verhängung von Untersuchungshaft selbstverständlich nicht mehr mit einer Rückkehr in seinen Dienst rechnen könne, so Nečas weiter.

Das zuständige Gericht in Ostrava / Ostrau hat entschieden, dass Nagyová in Untersuchungshaft bleiben muss. Auch die drei angeklagten ehemaligen Abgeordneten sowie die verhafteten Geheimdienstler müssen vorerst in Haft bleiben. Der Anwalt von Nagyová erklärte, es gehe seiner Mandantin schlecht. Sie habe eingestanden, Fehler gemacht zu haben, hätte aber nie gedacht, damit Straftaten zu begehen.

Koalitionspartner fordern schnelles Treffen

Die beiden Koalitionspartner der Bürgerdemokraten (ODS), die Parteien Top 09 und Lidem, fordern schnelle Koalitionsgespräche. Die Situation sei ernst, sagte Finanzminister Miroslav Kalousek mit Blick auf die Verhängung von Untersuchungshaft gegen die Büroleiterin von Premier Petr Nečas. Auch Vizepremierministerin Karolina Peake von der Partei Lidem erklärte, die Entscheidung des Gerichts, Jana Nagyová in Untersuchungshaft zu schicken, zeige, wie schwerwiegend die vorgebrachten Beschuldigungen seien.

Die Verhandlungen der Spitzen der drei Regierungsparteien sollen so schnell wie möglich nach der Rückkehr des Premiers von einem Treffen der Visegrad-Staaten in Warschau erfolgen. Mögliche Termine sind Sonntagabend oder Montagmorgen.

Staatspräsident Zeman warnt in Lidice vor Nationalsozialismus

Der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman hat bei seinem Besuch der Gedenkstätte in Lidice vor Nationalsozialismus in Tschechien gewarnt. Vor 71 Jahren war der Ort Lidice von deutschen Truppen dem Erdboden gleich gemacht worden. Alle männlichen Einwohner wurden erschossen, Frauen und Kinder in Konzentrationslager deportiert. Zeman legte einen Kranz nieder und sagte, die Nazi-Ideologie sei weiterhin da, wenn auch nur in Ansätzen. Wenn er die Rufe „Tschechien den Tschechen“ höre, fühle er dahinter den nazistischen Ruf „Juden raus“, so das Staatsoberhaupt. Durch die Straßen einiger Städte zögen Horden von Glatzköpfen und würden Parolen schreien, die denen der Nazis ähnelten. Das sei zwar nur eine kleine Keimzelle, aber so habe auch der deutsche Nationalsozialismus begonnen, führte Zeman aus. Diese falschen Träger der nationalen Einzigartigkeit wollen den Menschen einreden, dass man stolz darauf sein solle, irgendwo geboren zu sein. Die Geburt sei aber kein Verdienst, man müsse stolz auf sein Lebenswerk und auf das seiner Mitbürger sein, betonte der Staatspräsident.

Staatspräsident Zeman für Rücktritt der Regierung

Der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman hält ein vorzeitiges Ende der Regierung von Premier Petr Nečas für die beste Lösung. Das sagte er Journalisten in Lidice. Er halte die vorgebrachten Beschuldigungen für sehr ernst und sei nach Gesprächen mit dem Polizeipräsidenten und dem höchsten Staatsanwalt zu der Überzeugung gelangt, dass ausreichend Beweise vorlägen, begründete der Staatspräsident seine Empfehlung.

Bisher hatte sich Zeman weder zur Verhaftung von Nečas Bürochefin Jana Nagyová noch zur Festnahme von drei ehemaligen Abgeordneten und zwei Geheimdienstlern geäußert. Er wollte zuerst mit allen Beteiligten Gespräche führen. Am Freitag hatte er den Oppositionsführer, Bohuslav Sobotka, Premier Nečas, Polizeipräsident Martin Červíček, Staatsanwalt Pavel Zeman und Justizminister Pavel Blažek empfangen.

Parteivorstand spricht Premier Nečas Vertrauen aus

Der erweiterte Parteivorstand der Bürgerdemokraten (ODS) hat seinem Parteivorsitzenden, Premierminister Petr Nečas, am Freitagabend das Vertrauen ausgesprochen. Das sagte die stellvertretende Parteichefin und Abgeordnetenhausvorsitzende Miroslava Němcová nach der mehrstündigen Sitzung. Der Premier steht massiv unter Druck, nachdem die Polizei seine enge Vertraute, die Leiterin seines Büro im Regierungsamt Jana Nagyová, am Donnerstag verhaftet hatte. Sie steht unter dem Verdacht, die Beobachtung von Nečas Ehefrau und anderen Personen durch den militärischen Geheimdienst arrangiert zu haben. Nečas wollte diese Vorwürfe nach der Vorstandssitzung nicht weiter kommentieren, er halte sie für bizarr.

Einstimmig fiel die Unterstützung für Nečas nicht aus. Der Nachrichtenagentur ČTK gegenüber erklärte der Premier, die Abstimmung sei etwa zwei zu eins für ihn ausgegangen. Unter den gegebenen Umständen halte er das für ein sehr anständiges Ergebnis, so Nečas.

Handball: Tschechien besiegt Montenegro und qualifiziert sich für die EM

Den tschechischen Handballern ist zum vierten Mal in Folge die Qualifikation für die Europameisterschaft gelungen. Sie besiegten die Mannschaft aus Montenegro am Samstagnachmittag mit 30:25 und sicherten sich dadurch den Gruppensieg. Dem tschechischen Team hätte nach der Niederlage Deutschlands am Mittwoch gegen Montenegro auch ein Unentschieden gereicht, die Truppe um Kapitän Filip Jicha spielte aber von Anfang an auf Sieg. Die Tschechen dominierten in Brno / Bünn und führten die gesamte Spielzeit. Durch ihren Sieg ist die Qualifikation für die deutschen Handballer fast gelaufen: Trotz eines deutlichen Siegs gegen Israel am Samstag kann das deutsche Team nur noch als bester Dritter auf eine Teilnahme am Turnier in Dänemark hoffen.

Fußball: Nationalspieler Michal Kadlec wechselt von Leverkusen in die Türkei

Der tschechische Fußballnationalspieler Michal Kadlec verlässt Bayer Leverkusen und wird künftig in der Türkei für Fenerbahce Istanbul spielen. Der 28-Jährige soll laut der Presseagentur ČTK bereits einen Vertrag bei seinem neuen Verein unterschrieben haben, über Einzelheiten haben aber beide Klubs Stillschweigen vereinbart. Kadlec wechselte 2008 von Sparta Prag nach Leverkusen, dort hat der Verteidiger 128 Spiele absolviert und acht Tore für den Werksklub erzielt. Michal sei immer ein herausragender Spieler gewesen, der sportlich immer überzeugt und sich für Bayer aufgerieben habe. Für seinen weiteren Weg wünsche man ihm alles Gute, sagte Sportdirektor Rudi Völler in einer Presseerklärung.

Das Wetter am Sonntag, 16.6.: leicht bewölkt, bis 27 Grad

Am Sonntag ist es in Tschechien bewölkt, vereinzelt kommt es zu Schauern. Gegen Abend klart es von Westen her auf. Die Tageshöchsttemperaturen liegen zwischen 23 und 27 Grad Celsius, in Höhenlagen um 1000 Meter erreichen die Höchstwerte maximal 19 Grad Celsius.