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Vergiftungsserie: 18 Tote – Regierung verbietet harten Alkohol an Ständen

Der tschechische Gesundheitsminister Leoš Heger ist am Donnerstag wegen der Serie an Vergiftungen mit Methylalkohol in den Mährisch-Schlesischen Kreis gereist. In Ostrava / Ostrau nahm er an der Tagung des dortigen Krisenstabs teil. Die Vergiftungen nach dem Konsum von gepanschtem Alkohol haben in den zurückliegenden Tagen in Tschechien schon 18 Todesopfer gefordert. Zehn davon entfallen auf den Mährisch-Schlesischen Kreis. Darunter ist eine 47-jährige Frau, die am Mittwoch in ihrer Ostrauer Wohnung bewusstlos aufgefunden worden war. Sie ist das 17. Opfer. Der 18. Tote ist ein älterer Mann aus dem nahe gelegenen Havířov. Ihn hat der Rettungsdienst am Mittwochnachmittag nur noch tot in seiner dortigen Wohnung bergen können. Die Obduktion hat die Alkoholvergiftung des Mannes bestätigt.

Wegen der Vergiftungsserie hat die tschechische Regierung jedweden Verkauf von hartem Alkohol an Imbissbuden und Ständen bis auf weiteres verboten. Dies hatte Gesundheitsminister Leoš Heger am Mittwoch nach der Kabinettssitzung bekannt gegeben. Das Verbot bezieht sich auf den Verkauf von Branntwein und Rum mit mehr als 30 Prozent Alkohol. Gegenüber dem Tschechischen Fernsehen ergänzte Heger, bei einer weiteren Verschlimmerung der Lage käme auch ein vorläufiges Verkaufsverbot harten Alkohols in allen Geschäften, Bars und Restaurants in Frage.

Polizei entdeckt in Zlín Lager mit zweifelhaftem Alkohol – 37-jähriger Händler verhaftet

Die Polizei hat in einer Garage im mährischem Zlín ein Depot mit 500 Flaschen Alkohol von zweifelhafter Herkunft entdeckt. Neben den Flaschen war eine größere Menge mit Etiketten versteckt, die vermutlich bald aufgeklebt werden sollten. Laut Angabe der darauf verewigten Likörfabrik handelt es sich bei den Etiketten um Fälschungen. Die Produkte der Likörfabrik waren erst unlängst von der Landwirtschafts- und Lebensmittelinspektion überprüft worden, gepanschter Alkohol wurde dabei nicht festgestellt.

Die tschechische Polizei ermittelt bereits gegen einen 37-jährigen Mann aus Zlín wegen des Verkaufs von gepanschtem Alkohol. Er soll in seinem Laden Alkohol verkauft haben, der einer 61-jährigen Frau das Leben gekostet hat. Angeblich wurden weitere Kunden von ihm mit Vergiftungen in ein städtisches Krankenhaus eingeliefert. Dem Händler drohen bis zu drei Jahre Strafe und ein Berufsverbot. Der Presseagentur ČTK zufolge soll die Polizei am Mittwoch im Mährisch-Schlesischen Kreis zwei weitere Männer sowie einen Alkohollieferanten festgenommen haben, die in der Causa der Alkoholpanscherei verdächtig sind. Ein Sprecher der Polizei sagte, wegen der laufenden Ermittlungen könne man dazu keine weiteren Informationen bekanntgeben.

Alkohol-Kontrollen wurden verstärkt – Chemielabor der Feuerwehr stellt zuviel Methanolgehalt fest

Die staatliche Landwirtschafts- und Lebensmittelinspektion (SZPI) hat bei ihren ausgeweiteten Kontrollen bisher noch keinen giftigen Alkohol gefunden. Die Inspektion hat bislang mehr als 2600 Kontrollen bei Getränkehändlern durchgeführt, in keiner der entnommenen Proben aber sei Methanol festgestellt worden, sagte Landwirtschaftsminister Petr Bendl am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Prag. Von 169 Spirituosen-Sorten seien bislang die Proben von 89 Erzeugnissen ausgewertet worden, hieß es. Parallel dazu hat auch der tschechische Zoll seine Kontrollen seit dem 7. September verstärkt. Giftiger Alkohol wurde dabei nicht gefunden, in 38 Fällen aber sei gegen geltende Vorschriften bei der Kennzeichnung des Alkohols sowie der Begleichung der Verbrauchssteuer verstoßen worden, sagte eine Sprecherin des Zolls.

Mit einem mobilen Chemielabor überprüften derweil Feuerwehrleute seit Mittwoch Dutzende Alkoholproben im Mährisch-Schlesischen Kreis. Bei mehr als der Hälfte der Tests wurde ein erhöhter, die Gesundheit gefährdender Methanolgehalt festgestellt, sagte eine Sprecherin der Feuerwehr. Zudem hat in den letzten 24 Stunden die Zahl der mit Verdacht auf eine Alkoholvergiftung in Krankenhäusern behandelten Personen weiter zugenommen. Es sind fünf neue Fälle hinzugekommen, davon drei in Zlín, sagte Gesundheitsminister Heger am Donnerstag in Ostrava / Ostrau.

ODS-Rebellen bestehen auf Beibehaltung der aktuellen Mehrwertsteuer

Die Mehrwertsteuer in Tschechien sollte auch im kommenden Jahr bei 20 Prozent und bei 14 Prozent im reduzierten Satz liegen. Andernfalls sollte ein einheitlicher Mehrwertsteuersatz gelten. Diese Forderungen haben die sechs „Rebellen“ der Regierungspartei ODS am Donnerstag bei Verhandlungen mit ODS-Fraktionschef Zbyněk Stanjura bekräftigt. Das Sextett der ODS-Abgeordneten hatte mit seiner ablehnenden Haltung zur Mehrwertsteuer-Erhöhung vergangene Woche dafür gesorgt, dass ein entsprechender Regierungsentwurf im Abgeordnetenhaus in letzter Instanz abgeschmettert wurde. Die Gruppe der ODS-Rebellen bestehe zudem auf einer Senkung der gesetzlichen Staatsausgaben und auf der Beendigung der Privatisierung von Staatseigentum, sagte der Abgeordnete Petr Tluchoř nach dem Treff mit Stanjura vor Journalisten.

Medienberichte: Tschechien verliert eine Milliarde Euro an EU-Fördergeldern

Die Tschechische Republik wird wegen Fehlern beim Umgang mit Fördergeldern der Europäischen Union angeblich bis zu eine Milliarde Euro verlieren. Dies haben Journalisten vom Nachrichtenserver Aktuálně.cz berechnet, auf eine ähnliche Summe waren auch Autoren der Tageszeitung Mladá fronta Dnes gekommen. Weder die Europäische Kommission noch die betroffenen tschechischen Ministerien hätten dazu bisher Stellung genommen, schreibt Aktuálně.cz. Laut den Berechnungen sind vor allem die Förderprogramme für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und im Bereich Umwelt betroffen; hier soll Tschechien insgesamt rund 800 Millionen Euro einbüßen. Ein Sprecher des Finanzministeriums lehnte Aussagen zu der Höhe der Strafen ab. Die Europäische Kommission habe diese Informationen als vertraulich eingestuft, sagte der Sprecher.

Schiedsgerichtsurteil: Tschechien muss Millionensumme an Volkswagen zahlen

Tschechien muss 287 Millionen Kronen (14 Millionen Euro) an Volkswagen zahlen. Der deutsche Konzern hatte vor einem österreichischen Schiedsgericht geltend machen können, dass er beim Kauf des tschechischen Autoherstellers Škoda Anfang der 90er Jahre von der staatlichen Firma Prisko um eine halbe Milliarde Kronen geprellt wurde. Dies berichtete das öffentlich-rechtliche Tschechische Fernsehen. Ein Sprecher des tschechischen Finanzministeriums sagte, man sei vom Ergebnis des Schiedsverfahrens enttäuscht und wolle in Berufung gehen. Die am Streit beteiligten Firmen haben das Urteil des Schiedsgerichts bisher nicht kommentiert.

Gericht verurteilt Drogenbande aus Budweis

Das Kreisgericht im südböhmischen České Budějovice / Budweis hat am Donnerstag die Strafen gegen eine umtriebige Drogenbande gefällt. Der Boss der Bande, Marek Svoboda, wurde zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Dem Urteilsspruch zufolge hat Svoboda mindestens 45,5 Kilogramm Marihuana verkauft. Die Bande vertrieb mindestens ein Jahr lang Marihuana, vor allem in Budweiser Bars, aber auch in Wohnungen und Geschäften sowie in kleinen Mengen auch in Bars in Jindřichův Hradec / Neuhaus. Der zweite Kopf der Bande, Roman Hučín, besaß zwei Hanfzüchtungen und wurde zu acht Jahren Gefängnis mit strenger Bewachung verurteilt. Jeweils zwei Jahre Haft mit dreijähriger Bewährung bekamen weitere sechs Männer und sechs Frauen.

In der Budweiser Bar, die Svoboda gehörte, wurden mindestens über zwei Jahre Drogen vertickt. Den Verkauf der Drogen führte die 14-köpfige Bande zudem in 148 Geschäften durch, davon waren einige in Österreich. Die Hanfzüchtungen entdeckte die Polizei in Familienhäusern in Hluboká nad Vltavou / Frauenberg und in Ševětín / Schewetin. An dem Fall arbeitete die Polizei von Frühjahr bis Herbst 2010.

Gebeine von deutschen Massengrab-Opfern wurden an Verwandte übergeben

Die Polizei hat in dieser Woche auf Antrag von Verwandten die sterblichen Überreste herausgegeben von 12 Deutschen, die vor zwei Jahren in einem Massengrab auf der Wiese Budínka bei Dobronín / Dobrenz entdeckt wurden. Sie wurden vom Bestattungsdienst übernommen. Die Überreste der 13. Person, die nicht zweifelsfrei identifiziert werden konnte, hat das Gemeindeamt in Dobronín in Verwahrung genommen, informierte die Sprecherin der Polizei in Jihlava / Iglau am Donnerstag. Die 13 Deutschen sollen angeblich kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs hier von Tschechen erschlagen worden sein. Ihre Gebeine wurden herausgegeben, weil Verwandte sie im engsten Kreis beerdigen wollen. Am Samstag soll zudem in Jihlava ein privater Gedenkakt stattfinden, meldete die Presseagentur ČTK.

Augenzeugenberichten nach sollen tschechische Rotgardisten am Fundort der Knochen mit Spaten und Hacken insgesamt 15 männliche deutsche Zivilisten aus der Umgebung erschlagen haben. Das Massaker soll sich am 18. Mai 1945 ereignet haben.

Tennis: Tschechien muss im Davis-Cup-Halbfinale in Argentinien ran

Im Tennis-Halbfinale des Davis Cups tritt die tschechische Mannschaft an diesem Wochenende in Buenos Aires gegen Gastgeber Argentinien an. Das Eröffnungseinzel am Freitag bestreiten der Weltranglisten-Achte Juan Martín Del Potro und der Tscheche Radek Štěpánek. Danach treffen Juan Mónaco und der tschechische Top-Spieler, der Weltranglisten-Sechste Tomáš Berdych, aufeinander. Das ergab die Auslosung am Donnerstag in Buenos Aires.

Auf dem Weg in das Halbfinale haben die Schützlinge von Teamchef Jaroslav Navrátil zu Hause Italien und Serbien jeweils mit 4:1 besiegt. Bei seiner letzten Begegnung in Argentinien hat das tschechische Davis-Cup-Team vor sieben Jahren allerdings klar verloren. Wollen Berdych & Co. jedoch wie einst Lendl, Šmíd und Kodeš den Davis Cup gewinnen, müssen sie es ihren Vorgängern gleichtun: Sie gewannen vor 32 Jahren das Halbfinale in Argentinien und holten danach in Prag die begehrte Salatschüssel.

Tennis: Birnerová im Halbfinale von Taschkent – Záhlavová-Strýcová auf Kurs in Québec

Auch nach den US Open machen tschechische Tennisspielerinnen bei internationalen Turnieren von sich reden. Beim WTA-Turnier in Taschkent hat Eva Birnerová am Donnerstag das Halbfinale erreicht. In ihrem Viertelfinalduell mit der Rumänin Alexandra Cadantu setzte sich Birnerová in drei Sätzen mit 6:3, 4:6 und 6:2 durch. In der Vorschlussrunde trifft sie nun auf die ebenfalls ungesetzte Kroatin Donna Vekic.

Barbora Záhlavová-Strýcová hat beim Hartplatz-Turnier im kanadischen Québec das Viertelfinale erreicht. Die Titelverteidigerin aus Tschechien gewann am Mittwoch (Ortszeit) in der zweiten Runde gegen Tatjana Malek aus Deutschland mit 6:3 und 6:3. Im Viertelfinale trifft die 26-jährige Pilsnerin auf eine weitere Deutsche, Mona Barthel aus Neumünster. Bisher haben beide Gegnerinnen zweimal gegeneinander gespielt, beide Male gewann Barthel ohne Probleme.

Eishockey: Aufsteiger und Vizemeister eröffnen neue Eishockey-Saison

Mit der Begegnung des Aufsteigers Piráti Chomutov gegen Vizemeister Kometa Brünn startet am Donnerstagabend die tschechische Eishockey-Extraliga in ihre 20. Saison. In ihr treten erneut 14 Mannschaften an, die in der Hauptrunde jeweils 52 Punktspiele bestreiten. Die besten zehn Teams erreichen die Play-offs, die Mannschaften auf den Plätzen 11 bis 14 tragen eine Qualifikationsrunde aus. Der Dritte und der Vierte der Qualifikationsrunde treffen dann in der Relegation auf die beiden besten Teams der zweiten Liga. Am Ende der Relegation, die über 12 Runden geht, qualifizieren sich die zwei Mannschaften mit den meisten Punkten für die Extraliga-Saison 2013/14. Als Titelverteidiger geht der HC ČSOB Pojišťovna Pardubice in die Jubiläumssaison.

Das Wetter am Freitag: heiter, bis 20 Grad – in Mähren bewölkt und kühler

Am Freitag ist es in Tschechien überwiegend wolkenlos bis heiter. Am Morgen treten jedoch örtlich Frühnebel auf, in Ostmähren und Mährisch-Schlesien ist es zunächst bewölkt mit vereinzelt leichtem Regen. Die Tageshöchsttemperaturen liegen bei 16 bis 20 Grad, in Nordostmähren und Mährisch-Schlesien werden es nur 14 Grad Celsius. In Lagen um 1000 Meter erreichen die Höchstwerte lediglich bis zu 11 Grad Celsius.