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Hochwassergefahr in tschechischen Flussregionen nimmt weiter zu

An vielen Orten in Tschechien, die an Flüssen und Bächen liegen, hat sich die Hochwassergefahr am Samstag deutlich erhöht. Die starke Schneeschmelze und durch das Tauwetter geborstene Eisblöcke, die Wasserläufe blockieren, haben für ein rasches Ansteigen der Pegel gesorgt. Zudem haben Regenfälle im Flachland die bereits feuchten Böden weiter durchnässt. In den nächsten 24 Stunden von Überschwemmungen bedroht ist besonders der Kreis Liberec / Reichenberg, für den die Meteorologen die höchste Hochwasser-Warnstufe ausgerufen haben. Starke Hochwassergefahr herrscht aber ebenso im ostböhmischen Kreis Hradec Králové / Königgrätz, im Südmährischen Kreis und im zentralmährischen Kreis Olomouc / Olmütz. Die Hochwasserwarnungen des Wetterdienstes gelten vorerst bis Sonntagmittag.

Justizminister Pospíšil droht mit Rücktritt bei Rückkehr von Oberstaatsanwalt Rampula

Der tschechische Justizminister Jiří Pospíšil hat seinen Rücktritt angekündigt für den Fall, sollte die Rückkehr des Prager Oberstaatsanwalts Vlastimil Rampula in sein Amt bestätigt werden. In einem Interview für die Tageszeitung „Lidové noviny“, das am Samstag veröffentlicht wurde, erklärte Pospíšil, dass der Oberste Staatsanwalt Pavel Zeman „irgendein Berufungsverfahren“ gegen die erneute Inthronisierung von Rampula einleiten dürfte. Die politischen Repräsentanten müssten dann entscheiden, ob Rampula im Amt bleibt. Wenn er bleiben sollte, dann wohl ohne ihn, sagte Pospíšil dem Blatt.

Hintergrund für die Reaktion des Justizministers ist die Entscheidung des Prager Stadtgerichts, das die von Pospíšil erwirkte Absetzung von Rampula als Prager Oberstaatsanwalt wieder aufgehoben hat. In der Urteilsbegründung hieß es unter anderem, dass gegen Rampula keine ausreichenden Beweise für die Verletzung seiner Dienstpflichten vorgelegen hätten. Eine schallende Ohrfeige für den Justizminister, der deshalb in politischen Kreisen in die Kritik geraten ist. Einige Politiker haben Premier Petr Nečas bereits geraten, über eine Abberufung Pospíšils als Justizminister nachzudenken.

Gegen ACTA protestierten am Samstag über 300 Menschen in Tschechien

Am Samstag haben in Tschechien über 300 Menschen erneut gegen das umstrittene Handelsabkommen ACTA protestiert. In Prag versammelten sich zirka 200 Menschen, um ihren Unmut über den die Freizügigkeit im Internet einschränkenden EU-Vertrag zu demonstrieren. Viele trugen Masken und Transparente und skandierten „Stop ACTA“ und „für ein freies Internet“. Bei der Kundgebung in der Prager Innenstadt wurden auch die heimischen Politiker kritisiert, weil sie noch keine eindeutige Stellung gegen das Abkommen bezogen hätten.

160 ACTA-Gegner trafen auch in der mährischen Messestadt Brno / Brünn zusammen, um ihrerseits gegen das Abkommen zu demonstrieren. Es sei schon der fünfte Protest in Brünn gegen ACTA gewesen, und dafür seien erneut viele Leute gekommen, sagte einer der Veranstalter. Am Samstag fanden europaweit Proteste gegen das ACTA-Abkommen statt.

Kardinal Duka zelebrierte in Prag erste Messe nach Ernennung im Vatikan

Der Prager Erzbischof Dominik Duka hat am Samstag seine erste Messe als Kardinal zelebriert. Die Messe im Prager Veitsdom war der katholischen Kirche gewidmet, Duka ehrte zudem das Andenken an Pfarrer Josef Toufar, der in den 1950er Jahren von den Kommunisten zu Tode gefoltert wurde. Pfarrer Toufar starb vor genau 62 Jahren an den Folgen der an ihm verübten Misshandlungen.

Der Messe, die am Jahrestag des kommunistischen Putsches von 1948 stattfand, wohnten auch mehrere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bei, darunter die Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Miroslava Němcová. Dominik Duka ist erst vor einer Woche im Vatikan zum Kardinal ernannt worden. Er ist der 22. kirchliche Würdenträger dieses Ranges in Tschechien. Neben ihm hat mit Kardinal Miloslav Vlk zurzeit noch ein zweiter Tscheche den gleichen Rang.

Gedenkkundgebung in Prag zum Andenken an Opfer des Kommunismus

Rund 100 Menschen haben am Freitag beim Mahnmal für die Opfer des kommunistischen Regimes in Prag derjenigen gedacht, die wegen ihrer freiheitlichen Gesinnung von den totalitären Machthabern der ehemaligen Tschechoslowakei in Gefängnisse gesteckt, gepeinigt oder sogar ermordet wurden. Die Gedenkveranstaltung fand am Vorabend des 64. Jahrestages des kommunistischen Putsches von 1948 statt. An ihr nahmen vorwiegend ältere Vertreter des Vereins der tschechoslowakischen Legionäre, des Turnverbands Sokol und der Akademiker-Gemeinde teil. Zum Andenken an die Opfer des Kommunismus zündeten mehrere Teilnehmer Kerzen an. Zum Abschluss der Veranstaltung sprach Kardinal Miloslav Vlk zu den Anwesenden.

Deutsche Opfer von 1945 sollen nun doch in Jihlava bestattet werden

Die Überreste von 13 Deutschen, die kurz nach Kriegsende auf der Wiese Budínka bei Dobronín / Dobrenz von Tschechen erschlagen worden sein sollen, werden vermutlich nun doch in einem Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof von Jihlava / Iglau bestattet werden. Das räumte am Freitag im Tschechischen Fernsehen (ČT) der gebürtige Dobrenzer Johann Niebler ein, der in diesem Fall als Sprecher der Hinterbliebenen auftritt. Noch einen Tag zuvor hatte es geheißen, dass die Überreste der deutschen Opfer in Ždírec nad Doubravou / Zdiretz begraben werden. Die Bürger der Gemeinde hatten das auch in einer Umfrage mit einer Mehrheit von 113 zu 91 Stimmen gebilligt, zumal einige der Opfer aus Ždírec gewesen sein sollen. Das relativ knappe Abstimmungsergebnis aber hat Niebler und seine Unterstützer zum Umdenken veranlasst. Man wolle das Gemeinschaftsgrab weder in Dobronín noch Ždírec errichten, um keinen Streit unter den Einwohnern beider Gemeinden zu säen, sagte Niebler im Fernsehen. Ursprünglich sei der Zentralfriedhof in Jihlava lediglich als Notlösung angesehen worden, so Niebler.

Von den 13 Deutschen, die Opfer eines Massakers von tschechischen Rotgardisten geworden sein sollen, habe man bei fünf Personen die Identität zweifeldsfrei festgestellt. Das hätten die DNA-Tests ergeben, die an den Überresten der Toten in den zurückliegenden Monaten von Experten gemacht wurden. Bei vier weiteren würden die genetischen Tests noch einmal wiederholt, informierte Niebler. Aus diesem Grund waren die Überreste der Opfer im Sommer 2010 von Fachleuten geborgen worden. Erst wenn die Überprüfung abgeschlossen ist, wird die Bestattung der Opfer vorbereitet. Der Gedenkakt soll im August dieses Jahres stattfinden.

Augenzeugenberichten nach sollen die Rotgardisten am Fundort der Knochen mit Spaten und Hacken insgesamt 15 männliche deutsche Zivilisten aus der Umgebung erschlagen haben. Das Massaker soll sich am 18. Mai 1945 ereignet haben.

Nordische Kombination: Österreicher Gruber gewinnt Weltcup in Liberec

Trotz komplizierter Witterungsverhältnisse, wie böigem Wind und feuchtem Schnee, konnte am Samstag im nordböhmischen Liberec / Reichenberg der Sprintwettbewerb im Weltcup der Nordischen Kombination ausgetragen werden. Wegen des starken Windes wurde beim Springen von der Schanze unter dem Jeschken jedoch nur ein Durchgang durchgeführt. Am besten mit den Bedingungen kam der Österreicher Bernhard Gruber zurecht, der die Konkurrenz vor dem Deutschen Eric Frenzel und seinem Landsmann Wilhelm Denifl gewann. Als bester Tscheche belegte Miroslav Dvořák den 13. Platz.

Fußball: Pilsen erspielte Rekordprämie und 15 Punkte für Länder-Koeffizient

Der tschechische Fußball-Meister Viktoria Pilsen hat in dieser Saison auf der internationalen Bühne für viel Furore gesorgt. Trotz des Ausscheidens gegen den FC Schalke 04 im Sechzehntelfinale der Europa League haben die Westböhmen für den Koeffizienten der europäischen Länder-Rangliste 15 Punkte erkämpft und zudem Prämien in Höhe von zirka 11,2 Millionen Euro eingespielt. In der Punkttabelle war von den tschechischen Teams bisher nur Slavia Prag besser; die Hauptstädter holten nach den heutigen Kriterien in der Saison 1995/96 im Uefa Cup 15,5 Punkte. In der Prämientabelle aber haben die Pilsener den bisherigen Spitzenreiter Sparta Prag überholt. Der tschechische Rekordmeister strich in den Spielzeiten 1999/2000 und 2001/2002 jeweils knapp 10 Millionen Euro ein.

Das Wetter am Sonntag: bewölkt mit Regen oder Schneeregen, bis 6 Grad

Am Sonntag ist es in Tschechien bewölkt bis bedeckt. Gelegentlich Regen oder Regenschauer, in Höhenlagen über 400 Meter auch leichter Schneefall oder Schneeregen. Die Tageshöchsttemperaturen liegen bei 2 bis 6 Grad Celsius. In Lagen über 1000 Meter bleiben die Tageshöchstwerte mit -2 Grad Celsius weiter unter dem Gefrierpunkt.