Nachrichten Dienstag, 01. August, 2000

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Von Martina Schneibergova

Horst Köhler sprach sich positiv über Vorbereitungen auf die Jahrestagung des IWF in Prag aus

Der Exekutivdirektor des Internationalen Währungsfonds Horst Köhler ist am Montag in Prag mit dem tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Havel zusammengetroffen. Nach Köhlers Meinung ist Prag fast vollständig darauf vorbereitet, im September Gastgeber einer erfolgreichen Tagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank sowie eines konstruktiven Dialogs zwischen Menschen unterschiedlicher Meinung zu sein. Ähnlich wie Präsident Havel ist Köhler der Meinung, dass die Befürchtungen vor dem Ausmaß der Protestaktionen der Globalisierungsgegner übertrieben seien.

Am Montag Vormittag traf Köhler mit dem Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses Vaclav Klaus zusammen, um auch über den Stand der Vorbereitungen der tschechischen Hauptstadt auf die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank zu diskutieren, die im September in Prag stattfinden wird. Vaclav Klaus stellte nach dem Treffen fest, Köhler bewerte die Vorbereitungen positiv. Es gebe jedoch noch das Problem, eine geeignete Form für die Verhandlungen mit den Demonstranten zu finden, die Protestaktionen gegen die beiden Finanzinstitutionen vorbereiten. Vaclav Klaus diskutierte mit Horst Köhler auch über die geplanten Änderungen im Internationalen Währungsfonds und über die tschechische Wirtschaft im Jahre 2000.

INPEG wird Happenings gegen IWF organisieren

Die Mitglieder der Vereinigung Initiative gegen ökonomische Globalisierung werden ca. jeden zehnten Tag in Prag Happenings gegen die Tätigkeit des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank organisieren. Die erste Protestaktion im Rahmen der Kampagne mit dem Titel "55 Jahre haben gereicht" wird am Mittwoch auf dem Palach-Platz stattfinden. Das erklärte die Sprecherin der Initiative Alice Dvorska am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur ctk. Die Mitglieder der Initiative haben vor, während ihrer Kampagne u.a. umstrittene Projekte zu präsentieren, an denen sich der Internationale Währungsfonds oder die Weltbank beteiligen. Die Mitglieder der Vereinigung, unter deren Schirmherrschaft die Mehrheit der für den September geplanten Protestaktionen stattfinden wird, sind der Meinung, dass die beiden internationalen Finanzinstitutionen aufgelöst werden sollten.

Archivar aus Usti: Explosion vom 31.7.1945 wurde von einem Tschechen organisiert

Die Explosion im Munitionslager im Stadtteil Krasne Brezno im nordböhmischen Usti nad Labem/Aussig an der Elbe am 31. Juli 1945, in deren Folge eine Gruppe fanatisierter Tschechen deutsche Mitbewohner von der Aussiger Brücke in die Elbe stürzte, wurde höchstwahrscheinlich von einem Tschechen organisiert, und zwar durch den ehemaligen Stabskapitän Bedrich Pokorny aus Prag. Zu diesem Schluss kam der Aussiger Stadtarchivar Vladimir Kaiser nach einer tiefgreifenden Analyse der Antwort Pokornys auf einer Pressekonferenz, die am 1. August 1945 von der damaligen Zeitung Predvoj abgedruckt wurde. Aus den Belegen, die die Aussiger Historiker bisher zusammentragen konnten, geht hervor, dass bei dem Massaker in Aussig mindestens 43, im höchsten Fall jedoch 80 bis 90 Menschen ums Leben gekommen sind. Pokorny könne - so der Archivar - für die Organisation der Explosion, die zum Signal für die Übergriffe gegen die deutsche Bevölkerung von Aussig wurde, nicht mehr verurteilt werden. Anfang der 50er Jahre sei er nämlich offensichtlich - so der Archivar - vom kommunistischen Geheimdienst StB ermordet worden.

Toyen-Ausstellung wird verlängert

Die Ausstellung des Schaffens der tschechischen Malerin Marie Cerminova, die unter dem Künstlernamen Toyen bekannt geworden ist, wird wegen großem Interesse der Öffentlichkeit bis zum 27. August verlängert. Die Ausstellung, in der Graphik, Textil- und Bühnenbildentwürfe sowie Buchillustrationen zu sehen sind, findet im Haus zur Steinernen Glocke auf dem Altstädter Ring statt und wurde bislang von mehr als 40.000 Menschen besucht. Die Exponate wurden nicht nur aus vielen tschechischen, sondern auch aus mehreren ausländischen öffentlichen und privaten Sammlungen ausgeliehen.

Keltische Kunst auf Vysehrad

Werke von 45 Künstlern, die sich durch die keltische Kultur inspirieren ließen, werden ab heute in der Ausstellung "Lugnasadh 2000" zu sehen sein, die in der Galerie Vysehrad und im Ausstellungssaal Gorlice auf dem Prager Vysehrad installiert wird. Neben tschechischen Malern, Bildhauern, Glasmachern und Keramikern nehmen an der Ausstellung auch Künstler aus Deutschland, Irland und den Niederlanden teil. Die keltische Ausstellung auf dem Vysehrad dauert bis zum 10. September. Ein Teil der Exponate wird danach in Dublin ausgestellt.