Nachrichten Dienstag, 02. Januar, 2001

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Von Lothar Martin

Krise im CT: Politiker wollen Lösung - Gewerkschafter riefen Streik aus

Mit der Krise im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (CT) werden sich am Dienstag die Vorsitzenden der vier größten politischen Parteien im Lande - mit Ausnahme der Kommunisten - befassen. ODS- und Abgeordnetenchef Vaclav Klaus will dabei dem Chef der Sozialdemokraten Milos Zeman, dem Vorsitzenden der Christdemokraten Jan Kasal und dem Vorsitzenden der Freiheitsunion Karel Kühnl ein Acht-Punkte-Programm zur Beilegung der Krise vorlegen.

Die Krise hatte sich während des Jahreswechsels weiter verschärft. Am Nachmittag des Neujahrstags rief die unabhängige Gewerkschaftsorganisation des Senders den Streik aus mit der Zusage, das Sendeprogramm in voller Länge weiterhin sicherstellen zu wollen. Dies war durch den neuen Generaldirektor der TV-Anstalt, Jiri Hodac, mehrfach verhindert worden, indem er die täglich über das Analogsignal ausgestrahlten Nachrichtensendungen abschalten ließ. Seit Silvester läßt Hodac zudem die Büros des Nachrichtengebäudes durch einen privaten Wachdienst abschirmen. Der im Tschechischen Fernsehen weiter eskalierende Konflikt zwischen der Leitung des Senders und dessen Belegschaft gipfelt am Mittwoch Nachmittag in einer groß angekündigten Demonstration auf dem Prager Wenzelsplatz.

Tschechen begrüßten das neue Jahr mit Feuerwerk und Champagner

Mit Feuerwerk, Böllern, Leuchtraketen und viel Alkohol begrüßten Millionen Tschechen und ihre Gäste das neue Jahr 2001 in allen Städten und Gemeinden zwischen Erzgebirge und Beskiden. Höhepunkt der Prager Neujahrfeierlichkeiten war ein riesiges Feuerwerk eine Viertelstunde nach Mitternacht, das vom Letna-Plateau gezündet wurde. Zigtausende Menschen verfolgten an traditionellen Stätten wie dem Wenzelsplatz oder der Karlsbrücke das große Spektakel, bei dem sich die Millionenmetropole in ein einziges Freudenmeer verwandelte.

Erster tschechischer Neuankömmling im neuen Jahrtausend: Lukas Bulava

Der erste neue Erdenbürger im dritten Jahrtausend auf tschechischem Territorium wurde nur 15 Sekunden nach Mitternacht in der Geburtsklinik im nordmährischen Trinec geboren. Der 50 Zentimeter große und 3400 Gramm schwere Knirps heißt Lukas und wurde von seiner 27-jährigen Mutter Libuse Bulavova als erster Familienspross geboren.

Klaus: Tschechiens Weg in die EU wird von Verzögerungen begleitet

Der Vorsitzende des tschechischen Abgeordnetenhauses Vaclav Klaus hat Zweifel an einer zügigen und unkomplizierten Integration seines Landes in die Europäische Union geäußert. Der Beitritt werde von "Bedingungen und Verzögerungen" begleitet sein, sagte der Politiker in einem Fernsehgespräch am Neujahrstag. Für die Europäische Union sei die Integration Tschechiens keine "Rückkehr des verlorenen Sohns, auf die sich alle furchtbar freuen", sagte der als "Euro-Skeptiker" geltende Chef der Demokratischen Bürgerpartei (ODS). Er verglich den Beitritt mit der "Adoption eines fremden Kindes, das keiner recht kennt". Die sozialdemokratische Regierung unter Milos Zeman strebt eine EU- Integration Tschechiens bis 2003 an.