Nachrichten Dienstag, 14. Juli, 1998

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Radio Prag / Nachrichten / 14.7.1998 / ml

Willkommen zu unserem heutigen deutschsprachigen Programm sagt Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, Jitka Mladkova. Auch diesmal wenden wir uns zunächst dem aktuellen Zeitgeschehen in der Tschechischen Republik zu, anschliessend wird bei uns in der Postmappe geblättert, denn - unsere Stammhörer wissen schon - die Sendereihe Hörerforum steht diesmal auf unserem Programm. Ich wünsche guten und ungestörten Empfang, zu Beginn hören Sie die Nachrichten:

Vorbereitungen für die Parlamentsplenartagung

Die Intensität der Aktivitäten der neugewählten Abgeordneten steigert sich. Einen Tag vor der Eröffnung der konstituierenden Plenartagung des Parlamentsunterhauses treffen sich heute alle Fraktionen, um über die geplanten Programmpunkte zu beraten. Zu diesen gehört u.a. die Wahl des Unterhausvorsitzenden, dessen Stellvertreter bzw. der einzelnen Ausschüsse. Am Vormittag haben die Abgeordneten ihre Zeugnisse erhalten, die ihnen ihr für die 4-jährige Legislaturperiode gültiges Amt bestätigen.

Sitzung des Gewerkschaftskrisenstabs

Zu einer Beratung trifft am Dienstag der Krisenstab der Gewerkschaftsverbände der staatlich unterstützten Organisationen in Prag zusammen. Zur Debatte steht ihr weiteres Vorgehen nach der Bildung der neuen Regierung. Der Sprecherin dieser Gewerkschaftsverbände Alena Vondrova zufolge kann der Krisenstab noch heute entscheiden, was die Gewerkschafter gleich in den ersten Tagen nach der Kabinettsernennung unternehmen werden, um die angestrebte 2O- prozentige Lohnerhöhung durchzusetzen. Bereits am 8.Juni hatte man einen Warnstreik durchgeführt.

Senatsdelegation reist nach Slowenien

Eine sechsköpfige Delegation des tschechischen Senats, geleitet von seinem Vorsitzenden Petr Pithart, reist am Dienstag zu einem zweitägigen offiziellen Besuch nach Slowenien. In Ljubljana trifft die Delegation mit Vertretern des slowenischen Nationalrats zusammen, vorgesehen sind ebenso Treffen von Petr Pithart mit Staatspräsident Milan Kucan, Aussenminister Boris Frlec und dem Minister für europäische Angelegenheiten, Igor Bavcar. In ihrem Mittelpunkt steht die Integration in die europäischen Strukturen und ein gemeinsames Vorgehen beider Länder bei ihrer Eingliederung in die EU.

Dem tschechisch-deutschen Zukunftsfond fehlt Geld

Der tschechisch-deutsche Zukunftsfond kann in diesem Jahr nur einen Teil derjenigen tschechischen Nazi-Opfer mit einer Geldzahlung zufriedenstellen, die erst nach der festgelegten Frist Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung erhoben haben. Dem Direktor des Prager Sekretariats des tschechisch- deutschen Zukunftsfonds,Tomas Kafka, zufolge, reichen die für dieses Jahr eingegangenen Finanzmittel nicht für alle . Bis jetzt wurden 224 Mio Kronen an 6O85 tschechische Naziopfer ausgezahlt. Die zusätzlich erhobenen Ansprüche von etwa 1 2OO tschechischen Antragstellern können in diesem Jahr nur zu 7O Prozent zufriedengestellt werden.

Umweltschützer forden Bausptopp von Temelin

Abriss von Temelin - unter diesem Leitmotto hat am Dienstag Vormittag ein von der Umweltorganisation Hnuti Duha organisiertes Happening vor dem Haupttor des südböhmischen Atomkraftwerkes begonnen. Mit dieser Veranstaltung wollen sich die Organisatoren für die Einstellung dieses kostspieligen Bauprojektes einstellen, dessen Fertigstellung schon mehrmals verschoben wurde.

Minister Mlynar plädiert für Temelin-Baustopp

Für die Umbewertung des Aufbauprojektes des Atomkraftwerkes Temelin hat am Montag der neugewählte Fraktionschef der Freiheitsunion/US/ und Minister ohne Portefeuille in der amtierenden Regierung Tosovsky, Vladimir Mlynar, plädiert. Bei einem informellen Treffen mit etwa 4O Teilnehmern der seit bereits 1.Juli in Temelin stattfindenden Protestaktion "Lager vor Temelin" äusserte er die Meinung, dass das neue Kabinett die Erarbeitung einer unabhängigen Analyse des Temelin- Bauprojektes initieren und dieses auf deren Grundlage stoppen sollte.

Biochemiker und Biologen beraten in Prag

Mit Möglichkeiten der Beseitigung verschiedener Formen der Umwelverschmutzung befasst sich seit Sonntag in Prag ein internationales Symposium, an dem Biochemiker und Biologen aus über 15 Ländern teilnehmen. Bis zum 17.Juli beraten die Wissenschaftler über biologische Technologien, die bei der Beseitigung der z.B. durch Schwermetalle verursachte Umweltverureinigung bzw. bei der Liquidierung der schwer zerlegbaren organischen Stoffe ihre Anwendung finden.

Tschechische Zentralbank will intervenieren

Hinsichtlich der jüngsten Entwicklung des Kronenkurses hat die Tschechische Nationalbank/CNB/ die Entscheidung gefasst, auf dem Devisenmarkt zu untervenieren. Das Mitglied des CNB-Bankrates, Miroslav Hrncir, hat nicht die Möglichkeit ausgeschlossen, dass die Zentralbank Massnahmen zur Änderung ihrer Währungspolitik treffen wird.

Umfrage zur Wahlkampagne

55 Prozent der Tschechen hat die diesjährige Wahlkampagne gar nicht gefallen. Das ergibt sich aus einer am Dienstag veröffentlichten Meinungsumfrage der Agentur Sofres-Faktum, bei der auch ein geringeres Interesse der Bevölkerung an den Wahlen im Vergleich zu 1996 ermittelt wurde. Ganze 55 Prozent der Befragten äusserten ihre Unzufriedenheit mit der diesjährigen Wahlkampagne.

Die Mehrheit der Tschechen will nicht an den sog. Benes- Dekreten rütteln

Der Grossteil der Tschechen befürwortet die Beibehaltung der nach dem Krieg von dem tschechischen Präsidenten Edvard Benes erlassenen dekrete, die seit dem als sogenannte Benes-Dekrete bekannt sind. Nur ein Zehntel der befragten Tschechen glaubt, diese Dekrete genau zu kennen, fast ein Drittel zumindest oberflächlich. Dies ergab sich ebenfalls aus einer Anfang Juni durchgeführten Studie des Meinungsforchungsinstituts Sofres- Factum, die im Zusammenhang mit dem traditionellen Sudetendeutschen Pfingsttreffen in Nürnberg durchgeführt worden war. Die Benes-Dekrete haben u.a. die Konfiskation des Eigentums der aus der damaligen Tschechoslowakei vertriebenen Sudetendeutschen zum Inhalt haben.

Soweit die Meldungen von Radio Prag, durch die Sendung führt Sie jetzt Jana Bodicky.