Nachrichten Donnerstag, 02. März, 2000

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Tschechien hat Zweifel an proeuropäischer Orientierung der FPÖ

Die tschechische Regierung wertet den Rücktritt des österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider vom Vorsitz seiner Partei FPÖ als taktischen Schritt. Haider bereite sich damit lediglich auf eine Kanzlerschaftskandidatur vor, sagte der sozialdemokratische Ministerpräsident Milos Zeman am Dienstag vor Journalisten in Prag. "Dies wäre eine noch größere Gefahr als Herr Haider bereits jetzt als Ministerpräsident in Kärnten ist", sagte Zeman.

Das Außenministerium in Prag betonte, Tschechien werde weiterhin mit Österreich keine bilateralen Kontakte auf höchster politischer Ebene aufnehmen. "Der Rücktritt von Herrn Haider ist seine persönliche Entscheidung. ( ) Unsere Aufmerksamkeit gilt vorwiegend der neuen österreichischen Regierung unter der Führung von Kanzler (Wolfgang) Schüssel, in der auch Minister der FPÖ sind, an deren proeuropäischer Orientierung wir unsere Zweifel haben", hieß es in einer Mitteilung.

Albright dementiert erneut Interesse an Präsidentschaft in Prag

US-Außenministerin Madeleine Albright hat nochmals Berichte über eine geplante Präsidentschaftskandidatur in Tschechien dementiert. "Ich fühle mich sehr geschmeichelt von den Spekulationen, ( ) aber ich werde nicht kandidieren für das hohe Amt, für das es, glaube ich, genug qualifizierte tschechische Männer und Frauen gibt", hieß es in einer Erklärung von Albright, die die US-Botschaft in Prag am Mittwoch veröffentlichte.

Das tschechische Parlament wählt im Januar 2003 den Nachfolger des derzeitigen Amtsinhabers Vaclav Havel (63). Das "Time"-Magazin hatte in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, Albright könne sich eine Kandidatur vorstellen. Madeleine Albright wurde 1937 als Tochter eines tschechischen Diplomaten in Prag geboren und spricht Tschechisch. "Ich werde immer den Ort lieben, an dem ich geboren wurde, aber meine Loyalität gehört den Vereinigten Staaten", erklärte die US- Außenministerin.

Vertrag über Verkauf der Tschechischen Sparkasse (CS) unterzeichnet

Der Vertrag über den Verkauf der Tschechischen Sparkasse Ceská sporitelna (CS) an das österreichische Bankhaus Erste Bank Sparkassen ist am Mittwoch in Prag für die Kaufsumme von annähernd 19 Milliarden Kronen durch den 1. Vizevorsitzenden des tschechischen Nationaleigentumsfonds Jiri Havel und durch den Vorstandsvorsitzenden der Ersten Bank Sparkassen Andreas Treichl unterzeichnet worden. Der endgültige Preis, den die Erste Bank für den 52prozentigen ehemaligen Staatsanteil an der Ceska sporitelna zu zahlen hat, kann durchaus noch etwas geringer als die bekannt gegebenen 19 Milliarden Kronen sein.

Tschechien gewährt Südafrika finanzielle Unterstützung von 20.000 Dollar

Die Tschechische Republik gewährt der Republik Südafrika, die von vernichtenden Überschwemmungen heimgesucht worden ist, eine humanitäre Hilfe in Höhe von 20.000 amerikanischen Dollar. Das gab die Presseabteilung des tschechischen Außenministeriums auf Anfrage der Nachrichtenagentur CTK am Mittwoch bekannt.

Kavan sieht Benes-Dekrete als erloschen und unwirksam an

In einem Interview für die deutsche Tageszeitung "Die Welt", das am Mittwoch veröffentlicht wurde, sagte der tschechische Außenminister Jan Kavan u.a.: "Wir haben immer den Dialog mit den Sudetendeutschen unterstützt, für die Prager Regierung allerdings kann der Verhandlungspartner nur die Regierung in Berlin sein."

Zur Frage der sogenannten Benes-Dekrete äußerte Kavan, dass sie "nicht aufgehoben werden könnten, sie andererseits aber bereits erloschen und unwirksam seien". Wie der Minister weiter anführte, könne er sich durchaus vorstellen, dass dieser Standpunkt bei passender Gelegenheit auch noch einmal durch das tschechische Parlament bestätigt werden könnte.

Umfragen: Transformation gescheitert - Tschechien Paradies für Betrüger

Mehr als die Hälfte der tschechischen Bürger ist unzufrieden mit dem Stand der ökonomischen Transformation im Lande. 52 Prozent von ihnen sehen die Transformation als gescheitert an - das ist nur um ein Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Zufrieden mit der Umgestaltung der Wirtschaft zeigten sich lediglich acht Prozent, während 27 Prozent sich mit dem Prädikat "halb zufrieden" äußerten und 13 Prozent dies nicht beurteilen konnten. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IVVM, deren Ergebnis am Mittwoch durch die Nachrichtenagentur CTK veröffentlicht wurde.

In einer weiteren, im Februar vom Institut STEM durchgeführten Umfrage, machte die Mehrheit der Befragten - konkret 69 Prozent - die Aussage, dass sich das Lebensniveau in Tschechien in den letzten fünf Jahren lediglich für Betrüger und Ganoven verbessert habe. Nur 31 Prozent der Bürger glauben, dass unter den Reichen die arbeitsamen Leute überwiegen. Weitere Details dieser Umfrage können auch bei CTK nachgelesen werden.

Und hier die aktuelle Wettervorhersage:

Am Donnerstag nimmt der Zustrom kälterer Luftmassen in die Tschechische Republik wieder zu. Tagsüber wird es größtenteils bewölkt sein, örtlich ist mit Regenschauern zu rechnen, die ab mittleren Lagen in Schneefall übergehen. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen Werte zwischen 2 und 6 Grad Celsius. Die weiteren Aussichten: Am Freitag und Samstag bleibt es unbeständig und kühl. Es wird bewölkt bis bedeckt sein, örtlich ist mit Schauern und ab mittleren Lagen mit Schneefall zu rechnen. Die Nachttemperaturen bewegen sich weiterhin um den Gefrierpunkt, die Tageshöchstwerte liegen an beiden Tagen zwischen 3 und 7 Grad Celsius.