Nachrichten Donnerstag, 30. März, 2000

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Premier Zeman begutachtet finnische Industrie

Im Rahmen seiner Skandinavien-Reise ist der tschechische Premier Milos Zeman auf einem Arbeitsseminar mit Vertretern der holzverarbeitenden bzw. Stahlindustrie in der nordfinnischen Provinzhauptstadt Oulu zusammengekommen. Zeman diskutierte hier in Begleitung von Arbeitsminister Vladimir Spidla mit den Unternehmern über Beschäftigungspolitik und regionale Entwicklung. Anschliessend besuchten beide Politiker den Industriepark Technopolis und die Forschungsstätte Neles Automation, wo sie sich mit Spitzentechnologien vertraut machten. Nach einem Treffen mit dem Guverneur der Provinz Oulu, Eino Suriainen, reiste die tschechische Delegation nach Helsinki ab, wo sie noch an diesem Mittwoch u.a. die Telekommunikationsfirma Nokia besucht.

Neue Grossinvestiton von oben abgesegnet

Die tschechische Regierung beschloss auf ihrer Sitzung am Mittwoch, die Investitionen der niederländischen Firma Philips durch Anreize zu unterstützen. Nach Angaben des Industrie- und Handelsministeriums will Phillips die zweitgrösste Farbfernseherfabrik der Welt in Tschechien bauen und dafür rund 604 Millionen Euro investieren. Die Fabrik soll 3250 Leute beschäftigen und über acht Millionen Bildschirme jährlich produzieren Das Kabinett hat auch endgültig über das Schicksal des ehemaligen jüdischen Friedhofs in der Prager Neustadt entschieden. Einem Vorschlag von Vizepremier Pavel Rychetsky nach, werden die Reste des Friedhofs, die während Bauarbeiten entdeckt wurden, in den Neubau der Versicherung Ceska pojistovna intergriert. Mit dieser Variante stimmt auch die Prager Jüdische Gemeinde überein.

Mehr Handel mit der EU

In den ersten zwei Monaten dieses Jahres sind die tschechischen Exporte in die EU-Länder im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres um etwa 40 Prozent gestiegen und haben somit den Wert von 124 Mlr Kronen erreicht. Bei den Importen aus den EU-Ländern ist ein Zuwachs von knapp 40 Prozent verzeichnet worden.

"Mein Kampf" Herausgeber wehrt sich

Der Herausgeber der tschechischen Edition von Hitlers "Mein Kampf", Michal Zitko, hat sich gegen die Anschuldigung von Kulturminister Pavel Dostal gewehrt, die Publikation der unkommentierten Ausgabe stelle die Verbreitung faschistischen Gedankenguts und somit eine Straftat dar. In einem offenen Brief an Dostal sagte Zitko, er habe das Buch absichtlich unkommentiert herausgegeben, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Trinkwasser soll besser werden

Über einen Kredit von 100 Millionen Euro zur Verbesserung der Trinkwasserqualität verhandeln das tschechische Finanzministerium, das Landwirtschaftsministerium und die Konsolidacni banka mit der Europäischen Investitionsbank. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren soll der Kredit vor allem der Reinigung und Entkanalisierung von Kläranlagen dienen, sagte der Leiter der Sektion Wasserwirtschaft beim Landwirtschaftsministrium, Jan Plechaty.

Stahlwerk Nova Hut auf Schmalspur

Wegen Geldmangels zur Finanzierung seiner Produkte arbeitet das Stahlwerk Nova Hut im nordmährischen Ostrava nur mit 85 Prozent seiner Kapazität. Das Werk stelle täglich 6,4 Kilotonnen Stahl her, bei voller Erfüllung seiner Produktionskapazität könne es die Tagesproduktion noch um 2 Kilotonnen steigern, meinte der Generaldirektor von Nova Hut, Jaroslav Petros.

Durch Lügen an Entschädigung?

Einige tschechische Bürger versuchen durch gefälschte Angaben über ihre Vergangenheit, an Entschädigungszahlungen für Nazi-Zwangsarbeiter zu gelangen. Das berichtet die tschechische Tageszeitung Lidove noviny in ihrer Mittwochsausgabe und beruft sich dabei auf den Sprecher des Verbandes der Zwangsarbeiter, Karel Ruzicka. Manche ändern zum Beispiel Angaben auf ihrem Lebenslauf oder lassen sich ihren angeblichen Einsatz von falschen Zeugen bestätigen, schreibt Lidove noviny. Allerdings werden die versuchten Betrügereien mehrheitlich schon bei der Kontrolle der Antragsformulare aufgedeckt. Auf die ehemaligen tschechischen Zwangsarbeiter sollen 423 Millionen DM Entschädigung fallen.

Deutsche Abgeordnete zu Besuch in Prag

Eine fünfköpfige Delegation der deutsch-tschechischen Parlamentariergruppe im deutschen Bundestag weilt ab Mittwoch zu einem zweitägigen Arbeitsbesuch in Prag. Die Bundestagsabegordneten kommen unter dem Vorsitz von Petra Ernstberger mit ihren tschechischen Kollegen wie auch mit Vertretern des Schul- und Verkehrsministeriums zusammen. Die Themen der bilateralen Verhandlungen betreffen u.a. die EU-Erweiterung und die gegenseitige Anerkennung von Hochschuldiplomen.

Geringe Toleranz gegenüber Drogen

Neunundachzig Prozent der tschechischen Bevölkerung betrachtet den Genuss von weichen Drogen, wie Haschisch und Marijuana als unakzeptabel und ungerechtfertigt. Das ergab eine Umfrage des Prager Meinungsforschungsinstituts STEM. Die Toleranz gegenüber weichen Drogen fällt mit ansteigendem Alter. Während 31% der Befragten zwischen 18 und 21 Jahren, den Gebrauch von weichen Drogen noch befürworten, stimmen nur sieben Prozent der über 29jährigen damit überein.

Immer mehr suchen Asyl in Tschechien

Die tschechischen Flüchtlingslager sind überfüllt. Derzeit kommen auf 1300 Plätze 1800 Flüchtlinge, gab der stellvertretende Innenminister Jaroslav Kopriva auf einer Pressekonferenz im Flüchtlingslager Cerveny Ujezd im nordböhmischen Teplice bekannt. Während im letzten Jahr noch 7000 Menschen in Tschechien um Asyl gebeten haben, soll sich ihre Anzahl dieses Jahr auf 10 000 erhöhen.

Schüler in der Weltpolitik

Sich als UNO Diplomat versuchen können rund 200 Schüler aus der Tschechischen Republik sich auf der fünftägigen Konferenz "Das Prager Modell der Vereinten Nationen", die am 5. April in Prag beginnt. Die Schüler können sich dort mit Problemen, wie regionale Konflikte, Selbstbestimmungsrecht von Nationen, Waffenhandel oder Kinderrecht beschäftigen. Dabei können sie lernen, wie globale Probleme am besten gelöst werden und bekommen mit, wie es bei der UNO in New York tatsächlich abläuft. Veranstaltet wird die Konferenz von der "Assoziation für internationale Fragen."

Verleihung unter Polizeischutz

Strenge Sicherheitsvorkehrungen hat die Brünner Masaryk Universität für die Verleihung ihrer grossen Goldenen Medaille an den Wiener Oberbürgermeister Michael Häupl getroffen. Hinsichtlich dessen, dass bei der Verleihung derselben Ehre an die amerikanische Aussenministerin Madeleine Albright Anfang März Eier geflogen sind, hat die Universität die Polizei um grössere Schutzmassnahmen gebeten.

Und nun zum Wetter:

Ein Tiefdruckgebiet wird Tschechien in der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag teilweise Regen und in den Bergen Schneeschauer bringen. Die Temperaturen bewegen sich um ein bis fünf Grad, tagsüber um sechs bis zehn Grad. Der Donnerstag wird bedeckt, mit Regen und vereinzelten Gewittern muss gerechnet werden.