Nachrichten Freitag, 05. Januar, 2001

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Von Jitka Mladkova

CT-Intendant Hodac wegen Gesundheitsprobleme im Krankenhaus

Der Chef des Tschechischen Fernsehens Jiri Hodac habe am Donnerstagvormittag einen totalen Zusammenbruch erlitten und befinde sich im Krankenhaus. Die Leiterin der Nachrichtensektion Jana Bobosikova bezeichnete seinen Gesundheitszustand als ernst und deutete diesbezüglich an, dass es sich um Herzbeschwerden handeln könnte. Der 54-jährige Jiri Hodac sollte an der Sondersitzung des Medien-Ausschusses im tschechischen Abgeordnetenhaus, die am Donnerstagvormittag begonnen hat, teilnehmen.

EU-Botschafter im tschechischen Außenministerium

Wegen der zugespitzten Lage im und um das Tschechische Fernsehen(CT) hat der EU-Botschafter in Prag, Ramiro Cibrian, um ein Gespräch im Außenministerium ersucht. Vize-Außenminister Pavel Telicka zufolge habe Cibrian keine offizielle Stellungnahme der EU-Kommission überbracht, sein Ersuchen um ein Gespräch sei aber als ein Signal zu deuten, dass sich die EU-Kommission für diese Problematik interessiere.

Weitere Rufe nach Hodac's Rücktritt

Den Rücktritt des umstrittenen CT-Intendanten Jiri Hodac hält die Vize-Vorsitzende des Abgeordnetenhauses Petra Buzkova für einen unumgänglichen Bestandteil der Gesamtlösung der Situation. Sie will den Abgeordneten vorschlagen, einen Beschluss mit der Forderung nach einem Rücktritt bzw. einer Abberufung des CT-Generaldirektors zu fassen.

Mangelnde Rechtsnormen für Journalisten

Das Syndikat tschechischer Journalisten verlangt die Schaffung rechtlicher Normen für die journalistische Tätigkeit. Dass keine standardmäßigen Rechtsnormen existieren, in denen Begriffe wie redaktionelle Unabhängigkeit, Status eines Journalisten bzw. Gewissensklausel verankert sind, hält die Journalistenorganisation für eine der Hauptursachen der Krise im Tschechischen Fernsehen sowie für eine Zeitbombe in anderen Medien.

Neue Probebetriebsphase im AKW Temelin

Das südböhmische Atomkraftwerk Temelin bereitet sich auf eine neue Phase des Probebetriebs vor. Die AKW-Belegschaft sowie Mitarbeiter der Zuliefererfirmen haben am Donnerstag die Vorbereitung des Sekundärkreislaufs des zweiten Reaktorblocks für weitere Tests vollendet. Bereits am Nachmittag sollte die Reaktorleistung auf 2,5 Prozent des Nominalwertes erhöht werden. Nach anschließenden Kontrollen soll diese bis auf 28 Prozent steigen.

Abgeordnetenchef Klaus hat den legislativen Notstand ausgerufen

Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Vaclav Klaus, hat am Donnerstagvormittag gemäss Verfassung den legislativen Notstand ausgerufen. Diese Maßnahme soll eine baldige und schnelle Behandlung der Regierungsnovelle der Gesetze zum Tschechischen Fernsehen und Tschechischen Rundfunk durch das Parlament ermöglichen. Im Einklang mit der entsprechenden Forderung des Kabinetts soll der legislative Notstand vom 8. bis zum 12. Januar dauern.

Bereitschaft zum Rücktritt im CT-Direktorium

Mitglieder des CT-Direktoriums, die in jüngster Zeit von Fernsehdirektor Hodac ernannt wurden, sind bereit zurückzutreten, wenn das Abgeordnetenhaus den bestehenden CT-Fernsehrat abberufen wird. Diese Stellungnahme präsentierte am Donnerstagvormittag der Finanzdirektor der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt, Jindrich Beznoska, vor der medialen Kommission und dem Kulturausschuss im tschechischen Parlament. Die Mitglieder des führenden CT-Organs - so Beznoska - hätten nichts gegen die Billigung eines neuen Fernsehgesetzes, mit dem das Mandat des Fernsehratsmitglieder beendet werden könnte.

Strafanzeige gegen Hodac

Kulturminister Pavel Dostal, der am Mittwochabend eine Strafanzeige gegen den CT-Direktor Hodac angekündigt hat, wartet noch auf eine rechtliche Analyse. Als Grund für die Strafanzeige führte Dostal die Tatsache an, dass auch die um 21 Uhr abends ausgestrahlte Hauptnachrichtensendung, in der einer der revoltierenden Redakteure ein Interview mit ihm führte, unterbrochen wurde. Das Programm des CT- Stammteams kann nur jener geringe Teil der Fernsehzuschauer empfangen, der über Kabel- und Satellit-Fernsehen verfügt.

Demonstration auf dem Wenzelsplatz

Rund 100 Tausend Menschen haben am Mittwochabend auf dem Prager Wenzelsplatz ihre Unterstützung für die streikenden CT-Mitarbaiter, die den Intendanten Jiri Hodac nicht anerkennen wollen, demonstriert. Am selben Tag hat auch der tschechische Senat auf seiner Sondersitzung Hodac zum Rücktritt aufgefordert. In seinen Beschlüssen wurde auch die an den Fernsehdirektor adressierte Forderung formuliert, die Programme des Tschechischen Fernsehens ohne Unterbrechungen und ohne Zensur wieder aufzunehmen.

Abschließend einige Informationen zum Wetter und zur Verkehrslage:

Am Freitag liegt das Gebiet der Tschechischen Republik unter Einfluss eines von Westeuropa heraufziehenden Tiefs. In der Nacht bewölkt bis bedeckt, gebietweise Regen bzw. überfrierende Nässe, die Temperaturen bewegen sich um Null Grad. Tagsüber bewölkt mit vereinzelten Niederschlägen, in höheren Lagen schneit es, die Tagestemperaturen bewegen sich zwischen 1 - 5 Grad.

Alle Strassen im Riesen - und Adlergebirge sind befahrbar. In höheren Lagen liegt auf den Strassen eine etwa 5 Zentimeter dicke Schneeschicht, im Adlergebirge gibt es auf einigen Straßenabschnitten Eisglätte.