Nachrichten Freitag, 17. April, 1998

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Nachrichten, pátek, 17.4.98, 14.00 Anna Knechtel

Präsident Havel geht es besser

Der tschechische Staatspräsident Václav Havel, der sich am Dienstag in Österreich unerwartet einer schwierigen Operation unterziehen musste, befindet sich weiterhin auf dem Weg der Besserung. Hören Sie Einzelheiten im Beitragsblock nach den Nachrichten.

Tosovský kehrt aus den USA zurück

Premierminister Josef Tosovský kehrt heute von seinem USA- Aufenthalt zurück, wo er an der Frühjahrstagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds teilgenommen hat. Zum Abschluss seines Besuches trifft er heute mit dem Direktor des IWF Michel Camdessus zusammen. Auch über dieses Thema berichten wir ausführlicher im Anschluss an die Nachrichten im Aktuellen Beitragsblock.

US-Gesandter beim Nordatlantikrat zu Besuch

Über die Nato-Erweiterung, den Ratifizierungsprozess des Beitritts sowie die Reform der tschechischen Streitkräfte spricht heute Verteidigungsminister Michal Lobkowicz mit dem ständigen Botschafter der Vereinigten Staaten beim Nordatlantikrat Alexander Vershbow. Vershbow befindet sich zu einem offiziellen Besuch in der Tschechischen Republik und traf gestern zunächst mit Aussenminister Jaroslav Sedivý zusammen. Beim Besuch der ostböhmischen Metropole Hradec Králové/Königgrätz äusserte Vershbow, der Flugplatz der Stadt könne in Zukunft den Bedürnissen der NATO dienen. Dazu sagte der Königgrätzer Oberbürgermeister Martin Dvorák, der Magistrat habe dagegen nichts einzuwenden, solange die NATO alle Sicherheitsvorschriften und hygienischen Anforderungen beachte.

Abgeordnetenhaus tagt

Das tschechische Abgeordnetenhaus hat heute in den Vormittagsstunden mit der Debatte über den Jahresbericht des Fonds des Nationaleigentums für 1996 und den Haushalt für 1998 begonnen. Im Rahmen dessen wird auch über einen Antrag der Sozialdemokratischen Partei auf Abberufung des Aufsichtsrats des Fonds diskutiert. Zuvor war über die Gesetzesnovelle über die Abrechnung von Reisekosten abgestimmt worden, die mit grosser Mehrheit angenommen wurde. Ein Regierungsentwurf über die Entsendung eines Feldlazaretts für die multinationalen Kräfte, die gegebenenfalls im Irak die Einhaltung der Resolution des UNO-Sicherheitsrates überwachen sollen, wurde dagegen auf Antrag der Sozialdemokraten vertagt. In einer Entschliessung hat das Abgeordnetenhaus ausserdem die Regierung aufgefordert, keine weiteren Schritte zur Privatisierung strategischer Betriebe zu unternehmen.

Zweitgrösstes PHARE-Projekt aller Zeiten in Tschechien

Auf einer Pressekonferenz im mährischen Brünn hat EU-Kommissar Johannes Ter Haar heute aus Anlass der Europatage betont, die Europäische Union sei vor allem ein Projekt für die Bürger. Gestern hatte Ter Haar das bislang grösste Projekt in Tschechien, das aus Geldern des europäischen PHARE-Programms finanziert wird, eröffnet. Es handelt sich um die Modernisierung des knapp 20 km langen Eisenbahntrassen- Teilstücks bei Brno-Vranovice, das mit 34 Millionen ECU unterstützt wird. In einer Ansprache erinnerte Ter Haar daran, dass dieses zweitgrösste Projekt in der PHARE-Geschichte überhaupt dazu beitragen soll, die Tschechische Republik an die Entwicklung des europäischen Eisenbahnnetzes anzukoppeln. Der Bau der Trasse in Brno-Vranovice ist Bestandteil des transeuropäischen Eisenbahnkorridors Nr. 4, der von Berlin über Prag, Brünn, Wien und Budapest ans Schwarze und ans Ägäische Meer führen wird.

St. Bartholomäus wieder geöffnet

Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in Tschechien, Kardinal Miloslav Vlk übergibt am Samstag nachmittag die Kirche St. Bartholomäus in der Prager Altstadt wieder ihrer Bestimmung. Die Kirche gehört zum Kloster der Kongregation der Grauen Schwestern des Franziskaner-Ordens, die sich der Krankenpflege verschrieben haben. Das 50 Jahre lang vernachlässigte Gebäude wurde in den vergangenen drei Jahren mit einem Aufwand von 35 Millionen Kronen, fast 2 Millionen DM, renoviert. Das Kloster der Grauen Schwestern gehörte zu Zeiten des Kommunismus der Staatssicherheit und diente als Gefängnis, in dem zeitweise auch Staatspräsident Václav Havel inhaftiert war.

Neuer Roman Vaculíks

Ein autobiographischer Roman des Schriftstellers Ludvík Vaculík mit dem Titel "Unerinnerungen" kommt dieser Tage im Verlag Mladá fronta Dnes heraus. Vaculík, der 1968 weltweit bekannt geworden war durch sein Manifest der 2000 Worte, beschreibt darin die Zeit zwischen 1969 und 1972, als nach dem Einmarsch der Warschauer Pakt Staaten in die Tschechoslowakei die sogenannte Normalisierung begann.

Das Wetter: Am Samstag wolkig bis bedeckt, örtlich Regen. Tageshöchsttemperaturen 10 bis 14 Grad. Nachts 5 bis 0 Grad. Am Sonntag keine wesentlichen Änderungen.

Soweit die Nachrichten, es geht weiter mit Martina Schneibergová.