Nachrichten Mittwoch, 03. Januar, 2001

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Von Dagmar Keberlova

Dramatische Situation im Tschechischen Fernsehen spitzt sich weiter zu

Die Vorsitzenden der tschechischen Parlamentsparteien CSSD, ODS, Freiheitsunion und KDU-CSL haben sich bei ihrem gestrigen außerordentlichen Treffen auf keiner gemeinsamen Stellungnahme bezüglich der dramatischen Situation im Tschechischen Fernsehen verständigen können. Dies haben Milos Zeman, Vaclav Klaus, Karel Kühnl und Jan Kasal nach Beendigung ihrer vierstündigen Unterredung zugegeben. In Gesprächen mit Journalisten äußerten sie nach dem Treffen, dass sie gewisse Vorschläge zur Lösung des Konflikts im Tschechischen Fernsehen von den Abgeordneten ihrer Parteien erwarten, die sich mit der Medienproblematik auseinandersetzen. Regierungschef Milos Zeman führte weiter an, dass ein Mittel zur Lösung der Situation im öffentlich- rechtlichen Tschechischen Fernsehen das neue Fernsehgesetz sein kann, über das die Regierung heute verhandeln werde. Das Kabinett wird laut Premier Milos Zeman das Parlament ersuchen, über den Gesetzesvorschlag unter den gegebenen Bedingungen des legislativen Ausnahmezustandes zu verhandeln.

Die Situation im und um das öffentlich rechtliche Fernsehen verschärfte sich nach der Ausrufung eines Streiks durch die Gewerkschaftsorganisation der seit knapp zwei Wochen revoltierenden Fernsehmitarbeiter, die den vom Fernsehrat gewählten Generaldirektor Jiri Hodac nicht akzeptieren wollen. Nach wie vor wollen sie aber ein Programm im vollen Umfang vorbereiten. Die Petition zur Unterstützung der streikenden Angestellten haben bisher laut Angaben der Nachrichtenagentur CTK über 120 000 Menschen unterschrieben. Eine Gegenpetition zur Unterstützung der Leitung um Jiri Hodac haben bisher 3500 Menschen unterschrieben.

Fernsehrat fällte keine Entscheidung in der CT-Krise

Im Ergebnis der fast achtstündigen Sitzung des Rates des Tschechischen Fernsehens am Dienstag haben vier Mitglieder des Rates dem Generaldirektor Jiri Hodac vorgeschlagen, zurückzutreten. Dies teilte Ratsmitglied Vaclav Erben vor Journalisten mit. "Mehr können wir nicht tun" sagte Erben, der zu denjenigen Ratsmitgliedern gehört, die Hodac den Vorschlag zum Rücktritt unterbreitet haben. Erben zufolge fehlen dem Rat die Stimmen zweier Mitglieder zur Abberufung, für die eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich ist. Laut Aussage des Ratsvorsitzenden Miroslav Mares stellte der Rat fest, dass die Sendungen des Tschechischen Fernsehens Mängel im Bereich der Berichterstattung aufweisen, die allerdings dadurch verursacht würden, dass der Generaldirektor nicht alle technischen Einrichtungen des Senders zur Gänze benützen kann. Die nächste Sitzung des Fernsehrats findet am 8. Januar statt.

Regierungsstellungsnahme zur Krise im CT

Regierungssprecher Libor Roucek wiederholte heute die Auffassung, dass es der tschechischen Regierung nicht zustehe, sich in den Streit um das Tschechische Fernsehen einzumischen. Die Causa falle vielmehr in die Kompetenz der Leitung des Fernsehens, des Fernsehrates, des Rates für Rundfunk- und Fernsehübertragungen der Tschechischen Republik und selbstverständlich in die des Parlaments, erklärte Regierungssprecher Roucek.

Gewerkschaften sprachen Unterstützung für Streikende im CT aus

Zur aktuellen Lage im Tschechischen Fernsehen hielt auch der Rat der Böhmisch-Mährischen Konföderation der Gewerkschaftsverbände eine Sondersitzung ab. Der Rat sowie die Assoziation der selbständigen Gewerkschaften in Tschechien unterstützen den Streik der Fernsehangestellten. Sie haben die tschechische Regierung dazu aufgerufen, den Schutz der streikenden Angestellten zu sichern, wie er durch internationale Abkommen festgelegt wird.

Protestlager gegen AKW Temelin in Wullowitz wurde beendet

Die letzten Teilnehmer des Widerstandslagers gegen das tschechische Atomkraftwerk Temelin haben am Dienstag ihre Protestaktion an dem österreichischen Grenzübergang Wullowitz beendet. Ebenfalls haben sie den Parkplatz einer im Ort ansässigen Speditionsfirma geräumt. Das Lager, das aus 15 Wohnwagen bestand, wurde am 24. Dezember eröffnet und sein Bestand wurde gegen den ursprünglichen Plan bis zum 1. Januar verlängert. Für den kommenden Freitag sind weitere Protestaktivitäten, diesmal in der oberösterreichischen Stadt Linz geplant, sagte Josef Neumüller, der Hauptorganisator des Protestlagers am Grenzüberganz Dolni Dvoriste- Wullowitz.

Bürgermeister spricht sich für keine großen Silvesterfeiern in Prag aus

Der Bürgermeister des ersten Prager Stadtbezirks Jan Bürgermeister hofft, dass in Zukunft im Prager Stadtzentrum keine großen Silvesterfeiern mehr organisiert werden. Die Feiern zu Silvester 2000 hat die Stadt mit 8 Millionen Kronen unterstützt. Bürgermeister hofft, dass die Stadt diese Feiern in Zukunft nicht mehr unterstützen wird. "Ich glaube nicht, dass jedes Jahr solch ein Wirrwarr im Stadtzentrum organisiert werden soll," sagte am Dienstag Jan Bürgermeister vor Journalisten. Das neue Millennium haben in der Prager Innenstadt Tausende von Pragern und von Stadtbesuchern begrüßt, für die unter anderem ein reiches kulturelles Angebot und ein großartiges Feuerwerk vorbereitet wurde.

Krummau bereitet Tag der offenen Tür im Egon-Schiele-Zentrum vor

Im Egon Schiele Art Center in Cesky Krumlov/Krummau findet am 7. Januar ein Tag der offenen Tür für alle Kunstliebhaber statt. Die Leiterin des Schiele- Zentrums, Hana Jirmusova, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur CTK, dass an diesem Tag die Ausstellung Time Timeless zu Ende gehen wird, bei der sich hauptsächlich durch Rauminstallierungen 15 Künstler aus 8 Ländern vorstellen. Neben dieser Ausstellung stehen den Besuchern drei weitere Ausstellungen zur Wahl, die Dauerausstellung Egon Schieles und zwei temporäre Ausstellungen von Karel Nepras und Jiri Kolar.