Nachrichten Mittwoch, 09. Februar, 2000

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Parlamentspräsident Klaus überrascht

Die Nachricht, dass fünf Ministerposten erst nach der Haushaltsbilligung bekannt gegeben werden sollen, hat den Abgeordnetenchef Vaclav Klaus überrascht. Ohne vorherige Konsultationen mit Premier Zeman wollte aber Klaus als Chef der oppositionellen ODS keinen Schluss daraus ziehen.

Aussenminister Kavan durch österreichische Äusserungen beunruhigt

Mehr als durch eine mögliche Verzögerung der EU-Erweiterung fühle sich der tschechische Aussenminister Jan Kavan neuerdings durch die österreichischen Forderungen nach Rückgabe von einst sudetendeutschem Eigentum und die Wiederbelebung der aus der Vergangenheit herrührenden Streitfragen beunruhigt. In einer Mitteilung für die tschechische Nachrichtenagentur CTK bekräftigte Kavan das Vorhaben seines Amtes, Einzelschritte der österreichischen Regierung abzuwarten und auf diese entsprechend zu reagieren.

Milos Zeman telefonierte mit dem Parlamentspräsident Österreichs

Der sozialdemokratische Vorsitzende des österreichischen Parlaments, Heinz Fischer, hat den tschechischen Premier Milos Zeman seiner Entschlossenheit versichert, sich für die Beibehaltung der - wie es hiess - "ungestörten" Beziehungen zwischen Wien und Prag einzusetzen und diese auf die EU- Erweiterung zu orientieren. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf den SPÖ-Pressedienst informierte, habe Fischer in einem Telefongespräch mit Zeman darauf appelliert, im Ausland sorgfältig und aufgrund von Fakten zwischen einzelnen Politikern, Parteien und der Republik Österreich als Ganzes zu unterscheiden. Zeman soll über die Bedeutung gesprochen haben, die die Tschechische Republik den Beziehungen zu Österreich beimesse.

EU-Kommissar Verheugen zu Benes-Dekreten

Die Benes-Dekrete und die sich daraus ergebende Problematik gehöre nach Meinung von EU-Kommissar für die Erweiterung, Günter Verheugen, nicht in die Verhandlungen über den EU- Beitritt Tschechiens. Wie er auf einer Pressekonferenz in Brüssel auf Anfrage von CTK mitteilte, habe sich an der Beurteilung dieser Frage auch nach der Bildung einer neuen österreichischen Regierung nichts geändert. Die Benes-Dekrete seien vor den Römischen Verträgen und der Gründung der Europäischen Gemeinschaft in Kraft getreten, man könne sie deshalb nicht zum Bestandteil der Beitrittsverhandlungen machen.

UN-Hochkommissarin für Flüchtlinge zu Gesprächen in Prag

Die UN-Flüchtlingskommissarin Sadako Ogata ist am Dienstag während ihres ersten offiziellen Besuchs in Prag mit tschechischen Politikern und Repräsentanten verschiedener Nichtregierungsorganisationen zusammenkommen. Auf dem Programm ihres eintägigen Besuchs standen unter anderem Gespräche mit Außenminister Jan Kavan über die neue Asylpolitik und über die Hilfe der Tschechischen Republik für Kosovo-Albaner im letzten Jahr. Im legislativen Bereich habe Tschechien mehr geleistet als andere europäische Länder, sagte Ogata vor Journalisten nach ihrem Treffen mit Kavan.

Tschechischer Landwirtschaftsminister führte Gespräche in Brüssel

Bei einem Besuch in Brüssel hat der tschechische Landwirtschaftsminister Jan Fencl mit seinem belgischen Amtskollegen und EU-Kommissar Franz Fischler ein Memorandum über die Zusammenarbeit zwischen den Ressortsministerien beider Länder unterzeichnet. Fencl informierte seinen Gesprächspartner u.a. auch über die Maßnamen, die die Tschechische Republik im Rahmen der Vorbereitungen auf den EU-Beitritt ergriffen hat. Nach der Erfüllung der sich aus dem EU-Beitritt ergebenden Verpflichtungen - so Fencl anschliessend vor Journalisten - wolle er von der EU eine gleiche Behandlung für tschechische Landwirte verlangen.

Prager Schüler bekommen außerordentliche Ferien

Während der Sitzung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, die vom 25. bis 29. September in Prag stattfindet, werden die Prager Schulen außerordentliche Ferien haben. Diese Entscheidung hat der tschechische Minister für Schulwesen auf Wunsch des Prager Primators Jan Kasl getroffen. Kasls Vorschlag war motivert von Sorgen um die Sicherheit der Kinder während der geplanten Veranstaltung, die höchstwahrscheinlich Proteste von Globalisierungsgegnern begleiten werden.

Arbeitslosenrate in Tschechien gestiegen

Die Arbeitslosenrate in Tschechien ist im Januar auf 9,8 Prozent gestiegen. Ende Dezember ´99 betrug sie noch 9,4 Prozent. Wie das Ministerium für Arbeit und Sozialangelegenheiten mitteilte, haben die Arbeitsämter zum 31. Januar fast 509 Tausend Arbeitslose registriert. Im Dezember des letzten Jahres war diese Zahl um etwa 20 Tausend niedriger.

Atomare Sicherheit in Tschechien geprüft

Die Internationale Agentur für Atomenergie (IAEA) mit Sitz in Wien hat am Montag ihre mehrtägige Kontrollmission in der Tschechischen Republik eingeleitet. Ihre Aufgabe ist es, die Gewährleistung der atomaren Sicherheit und die Tätigkeit des Staatsamtes für Atomenenergie zu überprüfen. Wie seine Vorsitzende,Dana Drabbova,informierte, soll bis Ende Februar noch eine Mission der IAEA im tschechischen Temelin stattfinden, die vor Ort die Vorbereitung des dortigen Atomkraftwerkes für eine sichere Inbetriebnahme bewerten soll.

Meinungsumfrage: Wie entwickelt sich die tschechische Gesellschaft ?

68 Prozent der Tschechen vertreten die Meinung, dass sich die tschechische Gesellschaft dahingehend entwickelt, dass sie nur die Interessen von einem geringeren Teil der Bevölkerung zufriedenstellen werde. Mit der Ansicht, dass die Gesellschaft im Interesse einer Mehrheit verwaltet wird, identifizierten sich nur 26 Prozent der Befragten in einer Umfrage des Prager Instituts für öffentliche Meinung IVVM.

Petition zur Unterstützung der "Flagge für Tibet"

1160 Einwohner der südmährischen Stadt Brno/Brünn haben eine Petition unterzeichnet, nach der sie die Aushängung der tibetischen Flagge am 10. März verlangen. Ob diese Forderung erhört wird entscheiden die Stadtvertreter am Mittwoch. Im Unterschied zu 60 Rathäusern in der Tschechischen Republik hatte es der Brünner Magistrat im Vorjahr abgelehnt, sich der internationalen Aktion "Flagge für Tibet" anzuschliessen. Der Grund: man wolle sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines fremden Staates einmischen.

Anstieg der tschechischen Exporte in die EU-Länder

Den neuesten Angaben des Tschechischen Statistischen Amtes zufolge sind die tschechischen Exporte in die EU-Länder 1999 im Vergleich mit dem Vorjahr um 17,7 Prozent gestiegen und haben den Wert von 642,4 Mrd. Kronen erreicht. Die EU-Importe im Wert von 639,6 Mrd. Kronen sind hingegen um 8,4 Prozent gestiegen. Mit 47 Prozent aller Exporte in die EU hat der Maschinen- und Fahrzeugbau den höchsten Aufschwung verzeichnet.

Hugo Haas - Ehrenbürger von Brno

Der 1901 in Brno/Brünn geborene Theater- und Filmschauspieler Hugo Haas ist in memoriam Ehrenbürger dieser Stadt geworden. Die Stadtvertreter begründeten ihre am Dienstag gefasste Entscheidung damit, dass Hugo Haas, der 1939 aus der Tschechoslowakei in die USA emigriert war und nach dem Krieg in Wien lebte, zu den bedeutenden Persönlichkeiten des Kulturlebens gehört habe und immer noch gehöre.

Abschliessend zwei Sportnachrichten:

Die tschechische Fußball-Nationalmannschaft gewann in Hongkong das Vierer-Turnier um den Carlsberg-Pokal. Im Finale bezwangen die Schützlinge von Trainer Jozef Chovanec die Auswahl Mexikos durch Tore von Kolomaznik und Verbir mit 2:1 und sicherten sich damit neben der Trofäe auch eine Siegesprämie in Höhe von 40.000 Dollar.

In ihrem Auftaktspiel zu den Sweden Hockey Games bezwang die tschechische Eishockeyauswahl am Dienstag in Stockholm das Team aus Russland mit 6:2. Dabei bogen die Cracks von Neu-Auswahltrainer Josef Augusta einen 1:2-Rückstand durch Treffer von Prochazka, Burger, Vykoukal, Patera und Vlasak im Schlussdrittel noch in den überzeugenden Sieg um. Im Mittwochspiel zwischen Tschechien und Finnland fällt voraussichtlich die Entscheidung um den Gesamtsieg bei der diesjährigen Euro Hockey Tour.