Nachrichten Mittwoch, 27. Dezember, 2000

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Von Lothar Martin

Krise im Tschechischen Fernsehen hat sich über Weihnachten ausgeweitet

Ohne die gewohnte Berichterstattung des täglichen Zeitgeschehens in den dafür laut Programm vorgesehenen Nachrichtensendungen des Tschechischen Fernsehens (CT) musste die tschechische Bevölkerung das TV-Programm über die Weihnachtsfeiertage quittieren. Grund hierfür war der Streit um die Leitung des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders CT, der sich über Weihnachten zu einer handfesten Krise ausgeweitet hat. Vorläufiger Höhepunkt des Konflikts zwischen der neuen Leitung und der Mehrheit der Angestellten des Senders ist die Strafanzeige gegen Unbekannt, aber auch gegen einige konkrete Beschäftigte des Tschechischen Fernsehens, die die Leitung des Senders mit dem neuen Generaldirektor Jiri Hodac an der Spitze am Mittwoch Vormittag gestellt hat. Wegen der Differenzen in der führenden tschechischen Fernsehanstalt plant der tschechische Senat eine außerordentliche Sitzung am 3. Januar nächsten Jahres, um sich mit der entstandenen Situation zu befassen. Nähere Einzelheiten und Hintergrundinformationen zu diesem Thema bringen wir im Anschluss in unserem Tagesecho.

Südböhmisches Atomkraftwerk Temelin wird wieder hochgefahren

Die Beschäftigten des südböhmischen Atomkraftwerks Temelin wollen am Mittwoch mit den Tests fortfahren, die im Programm zur Inbetriebnahme des ersten Reaktorblocks vorgeschrieben sind. Am Donnerstag, dem 21. Dezember, war die im Probebetrieb erzielte Energie bereits ins Netz gespreist worden. Einen Tag später musste die Reaktorleistung allerdings auf knappe drei Prozent heruntergefahren werden, da ein Defekt an den Belüftungsklappen einer Niedrigdruckturbine aufgetreten war. Noch vor den Feiertagen wurde dieser Defekt behoben und die Leistung im Reaktor wieder allmählich hochgefahren. Gegen das AKW haben am Heilig Abend rund zwanzig Atomkraftgegner am österreichisch- tschechischen Grenzübergang Wullowitz/Dolni Dvoriste protestiert. Die Proteste wurden am Mittwoch Vormittag mit einer weiteren Demonstration von nahezu 20 Temelin-Gegnern vor der tschechischen Botschaft in Wien fortgesetzt.

Umfrage: Havel verlor an Popularität in der tschechischen Bevölkerung

Das Vertrauen in den Präsidenten der Tschechischen Republik Vaclav Havel innerhalb der tschechischen Bevölkerung ist im Dezember auf seinen bisher niedrigsten Wert gesunken - es wurde ihm nur von 45 Prozent der Bürger ausgesprochen. In den vorangegangenen zwei Jahren hatte er noch einen Vertrauenszuspruch von leicht über 50 Prozent in der Bevölkerung. Dennoch ist Havel noch der glaubhafteste unter den drei führenden Politikern im Lande. Wie die am Mittwoch vom Meinungsforschungsinstitut STEM veröffentlichte Umfrage ergab, hat der amtierende Regierungschef Milos Zeman lediglich einen Zuspruch von 21 Prozent der Bürger, während Abgeordneten- und ODS-Chef Vaclav Klaus mit 27 Prozent auch nur unwesentlich besser dasteht. Der Popularitätsverlust von Havel wird damit begründet, dass er durch seine Attacken gegen das Tolerierungsabkommen, das zwischen den regierenden Sozialdemokraten und der größten Oppositionspartei, der ODS, besteht, gerade bei den Anhängern dieser beiden Parteien an Sympathie eingebüßt habe. Demgegenüber bewegt sich der Zuspruch für den Präsidenten aus den Reihen der Wählerschaft der Viererkoalition bei 65 bis 70 Prozent.

Tschechische Krone hat gegenüber dem Dollar leicht zugelegt

Die Tschechische Krone hat beim Fixieren des Wechselkurses am Mittwoch gegenüber dem amerikanischen Dollar leicht zugelegt. Wurde der Kurs noch vor den Feiertagen am Freitag mit 37,75 Kronen für einen Dollar notiert, so stand der Kurs am Mittwoch Vormittag um 10.15 Uhr bei 37,5 Kronen für einen Dollar. Für den aktuellen Umtauschkurs zur Deutschen Mark bedeutet dies, dass man am Mittwoch Vormittag 17,86 Kronen für eine Mark erhalten hat.

Tschechische Rentner müssen ab 2001 in Eil- und Schnellzügen voll bezahlen

Nur in Personenzügen der zweiten Klasse können tschechische Rentner ab kommenden Jahr noch eine 50-prozentige Ermäßigung bei Fahrten mit der tschechischen Eisenbahn Ceské drahy (CD) geltend machen. Die Ermäßigung kann demnach im Gegensatz zum jetzigen Stand mit der Preiserhöhung ab 28. Januar nicht mehr bei Reisen mit dem Eil- und Schnellzug sowie weder mit EuroCity noch mit InterCity-Zügen genutzt werden. Die Rentner müssen dann für diese Züge den vollen Fahrpreis zahlen. Dies teilte der Sprecher der Eisenbahngesellschaft Ceské drahy Petr Stahlavsky am Mittwoch der Nachrichtenagentur CTK unter Berufung auf einen entsprechenden Erlass des tschechischen Finanzministeriums mit.

Und zum Abschluss noch eine Meldung vom Sport:

Einen erfolgreichen Start auf dem Weg zur möglichen Titelverteidigung erwischten die tschechischen Eishockeyspieler bei der U-20-WM in Russland. Durch Tore von Blatny und Erat und einem Gegentreffer von Melin bezwang die tschechische Auswahl zum Auftakt des Championats in Moskau die Nachwuchsvertretung Schwedens mit 2:1. Die Schützlinge von Trainer Jaroslav Holik, die im Vorjahr das Nachwuchs-WM-Turnier in Schweden gewannen, treffen in ihrer zweiten Begegnung am Mittwoch auf die Mannschaft von Kasachstan.