Nachrichten Mittwoch, 28. Januar, 1998

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Willkommen beim deutschsprachigen Programm von Radio Prag, am Mikrophon begrüsst Sie Anna Knechtel. Wie immer können Sie nach den Nachrichten den aktuellen Block mit Beiträgen zum Tagesgeschehen hören und anschliessend das Wirtschaftsmagazin. Hier die Nachrichten.

Regierung Tosovský gewinnt Vertrauensabstimmung

Die Regierung von Premierminister Josef Tosovský hat die Vertrauensabstimmung im Abgeordnetenhaus gewonnen. Am Mittwoch Abend stimmten per Akklamation von 197 anwesenden Abgeordneten 123 für und 71 gegen Tosovskýs Kabinett. Die Negativ-Stimmen kamen von den Fraktionen der kommunistischen sowie der republikanischen Partei. Auch die meisten ODS-Abgeordneten stimmten gemeinsam mit Parteichef Václav Klaus, der in der vorhergehenden Debatte das Regierungsprogramm heftig kritisiert hatte, gegen die Regierung. Drei Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Die Unterstützung der stärksten Fraktion, der Sozialdemokraten, kam zustande, weil Premier Tosovský vor der Abstimmung deren Forderung ein Stück weit entgegenkam, indem er zusagte, innerhalb von 6 Wochen einen genauen Strukturplan über die Privatisierung und die Preisderegulierung vorzulegen.

Havel für breiten Dialog

"Der Präsident der Tschechischen Republik geht Kontakten mit den Sudetendeutschen nicht aus dem Weg" reagierte der Sprecher der Präsidentenkanzlei Martin Krafl auf die Anfrage, ob Präsident Havel einen direkten Kontakt mit Vertretern der Sudetendeutschen in Betracht ziehe. Jedoch habe er noch keine Kontaktaufnahme erwogen, präzisierte sein persönlicher Sprecher Ladislav Spacek. Präsident Havel glaube, dass nach Einrichtung des tschechisch-deutschen Diskussionsforums die Diskussionen zu den gegenseitigen Beziehungen noch intensiver würden. Der Präsident begrüsse diese Diskussionen und glaube fest, dass sich daran ein grösstmöglicher Kreis von Leuten beteiligen werde.

Verwaltungsrat kein Ort für politische Stellungnahmen

Milos Rejchrt, Chef der religiösen Sendungen im tschechischen Rundfunk und neuernanntes Mitglied des Verwaltungsrates für den tschechisch-deutschen Zukunftsfonds, hat am Dienstag abend die Äusserungen seines deutschen Kollegen im Verwaltungsrat Johann Böhm kritisiert, zeigte sich nach Informationen der Nachrichtenagentur CTK aber nicht beunruhigt. Der bayrische Landtagspräsident, der aus Böhmen stammt und nach dem 2. Weltkrieg vertrieben wurde, hatte gesagt, Prag solle den Sudetendeutschen ein Heimatrecht einräumen. Rejchrt sagte dazu, für politische Stellungnahmen sei klein Platz im Verwaltungsrat. Glücklicherweise werde man dort aber schon bald anderes tun, als über ewige Bewertungen der Vergangenheit zu sprechen - nun gehe es um konkrete Arbeit.

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte

Erster tschechischer Vertreter im neuen ständigen Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der zum Ende dieses Jahres seine Tätigkeit aufnehmen wird, ist das Mitglied des tschechischen Obersten Gerichtshofes Karel Jungwirt. Dies hat am Mittwoch nach Informationen der Nachrichtenagentur CTK die Führung der parlamentarischen Versammlung des Europarats bekanntgegeben. Jungwirt ist seit 1993 Mitglied des bisherigen Menschenrechtsgerichtshofes in Strassburg. Zu seinen Gunsten sprach offensichtlich vor allem, dass er vor 1989 viele Opponenten des damaligen Kommunistischen Regimes vertrat.

Kronenkurs

Die tschechische Krone hat ihre verhältinismässig starke Position gegenüber der Deutschen Mark halten können. Nach dem der Kronenkurs im Laufe des Mittwoch 19,25 DM erreichte, schloss er am Mittwoch abend bei 19,32.

Das Wetter:

Tageshöchsttemperaturen zwischen minus 6 und minus 1 Grad. Am Donnerstag wird es wolkig bei vereinzeltem Schneefall. Tageshöchsttemperaturen minus 5 bis minus 1 Grad. Nachts zwischen minus 5 und minus 10 Grad.

Soweit die Nachrichten von Radio Prag, ich gebe weiter an meine Kollegin Martina Schneibergová.