Nachrichten Montag, 15. Januar, 2001

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Von Jitka Mladkova

CT-Redakteure setzen den Streik fort

Der Streik im Tschechischen Fernsehen (CT) geht weiter. Vertreter des Streikausschusses der Unabhängigen Gewerkschaftsorganisation des öffentlich-rechtlichen TV-Senders teilten am Sonntag auf einer Pressekonferenz mit, dass die Streikenden nach wie vor den Rücktritt bzw. die Abberufung der vom mittlerweile zurückgetretenen Generaldirektor Jiri Hodac eingesetzten Senderleitung verlangen. Sie warnten diesbezüglich vor der Möglichkeit, dass die CT-Leitung durch Unterzeichnung von Dokumenten dem Tschechischen Fernsehen Schaden zufügen könnte. Die CT-Programme werden nicht unterbrochen, an den fortgeführten Streik machen eingeblendete Untertitel aufmerksam. Die neue Nachrichtenchefin Jana Bobosikova sowie der Finanzdirektor Jindrich Beznoska lehnen einen Rücktritt ab.

Novelliertes Mediengesetz geht in den Senat

Mit der Novelle des Mediengesetzes, das in den frühen Morgenstunden am Samstag im Abgeordnetenhaus gebilligt wurde, wird sich am Mittwoch, dem 17.Januar, die zweite Parlamentskammer, der Senat, befassen. Der sozialdemokratische Vize-Vorsitzende Zdenek Skromach gab am Sonntag in einem Fernsehinterview seiner Hoffnung Ausdruck, der Senat werde die Novelle bestätigen, ohne über sie ausführlich zu verhandeln. Einige Senatoren äußerten jedoch die Meinung, dass das novellierte Gesetzeswerk in das Unterhaus zurückgeschickt werde. Für eine schnelle Bestätigung der Novelle plädierte in einer Fernsehtalkshow auch der sozialdemokratische Kulturminister Pavel Dostal. Die Redakteure - so der Minister - sollten auf ihre Aktivitäten verzichten und in den Stand der Streikbereitschaft übergehen.

CT-Programm verzeichnete gesunkene Einschaltquoten

Die seit drei Wochen andauernde Krise im Tschechischen Fernsehen hat sich auch auf die Einschaltquoten ausgewirkt. Diese betrugen im Falle des ersten CT-Programms in der ersten Januarwoche 18,8 Prozent und sanken somit im Vergleich zur Vorwoche um 3,4 Prozent. Das 2.CT-Programm hingegen konnte einen Anstieg von 5,3 auf 8,4 Prozent verzeichnen. Der private TV-Sender Nova erzielte im selben Zeitraum eine 52prozentige Einschaltquote.

Erster Reaktorblock im AKW-Temelin wird abgeschaltet

Am kommenden Mittwoch oder Donnerstag soll der erste Reaktorblock im südböhmischen Atomkraftwerk Temelin abgeschaltet werden. Der AKW-Direktor Frantisek Hezoucky teilte diesbezüglich mit, dass die Anlage anschließend einer geplanten prophylaktischen Überprüfung unterzogen werde. Diese sollte rund 18 Tage dauern. Hezoucky lehnte gleichzeitig die am Samstag in der Presse veröffentlichten Informationen ab, denen zufolge die AKW-Mitarbeiter derzeit mit ernsten Problemen ungewöhnlicher Vibrationen der Turbine beschäftigt seien.

Zwei tschechische Bürger in Kuba festgenommen

Der tschechische Abgeordnete und ehemalige Minister in der Klaus-Regierung, Ivan Pilip und der tschechische Bürger Jan Bubenik, die sich derzeit als Privatpersonen in Kuba aufhalten, werden dort von offiziellen Stellen des Landes festgehalten. Nach Mitteilung des tschechischen Außenministeriums wurde den beiden bis zum 13.Januar nicht ermöglicht, die tschechische Botschaft in Kuba zu kontaktieren. Nach Informationen des tschechischen Chargé d´affaieres in Havanna, der sich in der Nacht zu Sonntag persönlich mit Pilip und Bubenik in Verbindung setzen durfte, seien beide von der kubanischen Ausländerpolizei verhört worden.

Gründungsfeier im Benediktinerkloster Prag-Brevnov

Die Angehörigen des Benediktinerordens in Tschechien haben am Sonntag der Gründung ihres Klosters im Jahre 933 in Prag-Brevnov gedacht. Aus diesem Anlass zelebrierte der apostolische Nuncius , Erzbischof Giovanni Coppa, eine Messe, nach der er mit anwesenden Gläubigen zusammenkam. Wie alle anderen Klöster in der ehemaligen Tschechoslowakei wurde auch das Benediktinerkloster von Brevnov im Jahre 1950 vom kommunistischen Regime gewalttätig geschlossen und die Ordensbrüder in ein Internierungslager geschickt.

Abschließend das Wetter in Tschechien: Es steht auch am Montag unter dem Einfluss eines Hochs. In der Nacht sinken die Temperaturen auf minus 8 bis minus 15 Grad Celsius, gebietsweise ist sowohl in der Nacht als auch tagsüber mit Bildung von Nebelfeldern zu rechnen. Die Tagestemperaturen bewegen sich zwischen minus sechs bis minus zwei Grad Celsius, und dies bei wolkenlosem bzw. schwachbewölktem Himmel. Gute Bedingungen zum Skilaufen melden Sportzentren im südböhmischen Teil des Böhmerwaldes. Weniger Schnee gibt es im Riesen- und Adlergebirge im nördlichen Teil Böhmens, alle Skilifte sind jedoch im Betrieb.