Nachrichten Samstag, 01. April, 2000

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Havel äußert Verständnis für Rücktrittsgesuch von Innenminister Grulich

Der tschechische Innenminister Vaclav Grulich hat am Freitag seinen Rücktritt zum 4. April angekündigt. In entsprechenden Schreiben habe er Premier Milos Zeman und Präsident Vaclav Havel davon in Kenntnis gesetzt, sagte er vor Journalisten in Prag. Als Grulichs Nachfolger im Amt steht der bisherige Fraktionsvorsitzende der Tschechischen Sozialdemokratischen Partei (CSSD), Stanislav Gross, bereit. Mit der Ablösung des Innenministers steht die umfangreichste Kabinettsumbildung seit dem Amtsantritt der sozialdemokratischen Minderheitsregierung von Ministerpräsident Zeman im Juli 1998 vor dem Abschluss. Zeman hatte bereits zuvor die Minister für Verkehr, Regionale Entwicklung und ohne Portefeuille ausgewechselt. Der Wechsel im Innenmisterium war von einer Kontroverse zwischen Zeman und Grulich begleitet worden. Dabei ging es vor allem um ihre gegensätzlichen Auffassungen zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität im Lande. Präsident Havel hat seine Bereitschaft erklärt, dem Rücktrittsgesuch von Innenminister Grulich stattzugeben.

Tschechien und Litauen beschließen gemeinsame Autobusproduktion

Der tschechische Premier Milos Zeman hat am Freitag in Vilnius seinem litauischen Amtskollegen Andrius Kubilius die volle Unterstützung der Tschechischen Republik zu den Bestrebungen Litauens, der NATO und der Europäischen Union beizutreten, zugesichert. Des weiteren unterzeichneten beide Ministerpräsidenten ein Memorandum, in dem beide Länder ihren Willen zum Bau einer gemeinsamen Montagefabrik zur Produktion von Autobussen deklarierten. Mit diesem Treffen der beiden Regierungsvorsitzenden hat Zeman seinen dreitägigen Staatsbesuch in Litauens eröffnet. Bei den weiteren Gesprächen mit führenden Repräsentanten der baltischen Republik stehen insbesondere die Integration in die euroatlantischen Strukturen und die Möglichkeiten zur weiteren Vertiefung der Zusammenarbeit und des Handels zwischen beiden Ländern im Vordergrund. Mit diesem Besuch schließt Zeman zugleich seine einwöchige Auslandsreise ab, die ihn zuvor nach Norwegen und Finnland geführt hatte.

Gemeinsame Modernisierung der Armeen Tschechiens und Polens vereinbart

Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Waffenindustrie und das gemeinsame Vorgehen bei der Modernisierung ihrer Armeen - das waren die wesentlichsten Themen der Gespräche, die die tschechischen Minister für Außenpolitik und Verteidigung, Jan Kavan und Vladimir Vetchy, am Freitag mit ihren polnischen Amtskollegen Bronislaw Geremek und Janusz Onyszkiewicz in Krakow geführt haben. Die vier Minister einigten sich darauf, dass sich mit der Koordinierung der Modernisierung eine gemeinsame tschechisch-polnische Kommission befassen wird. Die "2+2"-Gespräche in Krakow waren die bereits fünften insgesamt, aber die ersten nach dem Beitritt beider Länder in die NATO im März vergangenen Jahres.

Havel: Kirchschläger war ein "großer Freund der Tschechoslowakei"

Das tschechische Staatsoberhaupt Vaclav Havel hat seinen tiefen Kummer über den Tod des früheren österreichischen Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger ausgesprochen. Das teilte die Präsidialkanzlei in Prag am Freitag mit. In einem Schreiben an seinen Wiener Amtskollegen Thomas Klestil bezeichnete Havel den Verstorbenen als "großen Freund der Tschechoslowakei" und als eine "prägende Persönlichkeit" für das Österreich der Nachkriegszeit. Mit großem Nachdruck hob Havel die Haltung Rudolf Kirchschlägers nach der Niederschlagung des Prager Frühlings und der Invasion der Truppen des Warschauer Pakts hervor. Als Botschafter in Prag habe Kirchschläger sich solidarisch mit der "überfallenen und besetzten Tschechoslowakei" erklärt und zahlreichen "verfolgten Bürgern" geholfen. Für diese Verdienste hatte Havel den Altpräsidenten mit dem Masaryk-Orden geehrt.

Präsident Havel schlägt Doppelbesetzung für Ombudsman-Amt vor

Staatspräsident Vaclav Havel hat dem tschechischen Abgeordnetenhaus die Besetzung des Ombudsman-Amtes mit einer "Doppelspitze" empfohlen. Das teilte die Präsidentenkanzlei in Prag am Freitag mit. Als Kandidaten schlug Havel die Journalistin und ehemaligen Dissidentin Anna Sabatova sowie den Informatiker Vaclav Trojan vor. Für die Leitung des einzurichtenden Ombudsman-Amtes hatte man in Prag bislang an die Nominierung einer einzelnen Persönlichkeit gedacht.

Zeitung "LN": Tschechien zieht immer weniger ausländische Touristen an

Nach rückläufigen Besucherzahlen aus dem Ausland hat die tschechische Fremdenverkehrsindustrie im vergangenen Jahr starke Einbußen verbucht. Die Deviseneinnahmen der Branche sanken 1999 verglichen mit dem Vorjahr um 18 Prozent auf 3,035 Milliarden US-Dollar, berichtete die Tageszeitung "Lidove noviny" am Donnerstag, Seit dem Besucherrekord von 1996 mit 109,5 Millionen sei die Zahl der ausländischen Gäste kontinuierlich zurückgegangen. Touristik- Experten führen die rückläufige Entwicklung unter anderem auf einen "Imageverlust" des Reiselandes Tschechien nach Berichten über mangelhafte Dienstleistungen und geprellte Gäste zurück.

Elbe in Usti nad Labem/Aussig erneut über die Ufer getreten

Die Elbe hat am Freitag im nordböhmischen Usti nad Labem/Aussig einen Pegelstand von 5 Meter 64 erreicht und ist damit zum bereits dritten Male in diesem Jahr über die Ufer getreten. Von der Überschwemmung besonders betroffen ist die Hauptverkehrsstraße am linken Elbeufer unterhalb der Eduard-Benes- Brücke, die einen Teil der Straßenverbindung zwischen Prag und Decin/Tetschen darstellt und aus diesem Grunde erneut gesperrt werden musste. Der Verkehr wird entsprechend umgeleitet. Wie die Assoziation der tschechischen Versicherungen am Freitag in Prag bekannt gab, sind infolge der Hochwasserschäden in der ersten Märzdekade, die vor allem in Ost-, Mittel- und Nordböhmen auftraten, bei 17 tschechischen Versicherungen Schadensansprüche in Höhe von über 2,2 Milliarden Kronen geltend gemacht worden.

Und hier die aktuelle Wettervorhersage:

Am Samstag wird es in der Tschechischen Republik vorwiegend bewölkt sein, vereinzelt mit Regenschauern zu rechnen, die auf den Kämmen der tschechischen Mittelgebirge in Schneefall übergehen. Die Nachttemperaturen bewegen sich um den Gefrierpunkt, die Tageshöchsttemperaturen erreichen Werte zwischen 8 und 12 Grad Celsius, in Höhenlagen über 1000 Meter bis zu 5 Grad Celsius. Die weiteren Aussichten: Am Sonntag und Montag zieht ein Tiefdruckgebiet von Südwesten her wärmere Luftmassen nach sich. Es wird vorwiegend bewölkt bis heiter sein, vereinzelt ist mit leichten Niederschlägen und morgens mit Frühnebel zu rechnen. Die Nachttemperaturen bewegen sich zwischen 4 und 0 Grad in der Nacht zum Sonntag und zwischen 6 und 2 Grad in der Nacht zum Montag, die Tageshöchstwerte liegen zwischen 9 und 13 Grad am Sonntag und zwischen 11 und 15 Grad Celsius am Montag.

Das waren die Meldungen. Durch unser weiteres Programm begleitet sie nun Marcela Pozarek.