Nachrichten Samstag, 04. November, 2000

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Von Jitka Mladkova

Blockade der Grenzübergänge nach Österreich

Seit Freitagnachmittag sind neun Grenzübergänge zwischen Österreich und Tschechien von österreichischen Atomkraftgegnern blockiert. An diesem Zustand soll sich, wie im voraus angekündigt, bis Montagabend nichts ändern. Die Internationale Straßenunion (IRU) rief die österreichischen Minister für auswärtige Angelegenheiten und für das Innere auf, sich für die Beendigung der Straßenblockaden einzusetzen. Der Sprecher des EU-Kommissars Günther Verheugen, Jean-Philippe Filori, sprach in diesem Zusammenhang von einer bestimmten Beunruhigung der Europäischen Kommission, bezeichnete jedoch die Angelegenheit als ein bilaterales Problem.

AKW Temelin steht auch in Deutschland zur Diskussion

Über sein Gespräch mit dem deutschen Amtskollegen Jürgen Trittin hat am Freitag der tschechische Umweltminister Milos Kuzvart auf einer Pressekonferenz informiert. Ihm zufolge werde man spätestens bis zum 20.November mit der Überprüfung der insgesamt 78 Änderungen in der Projektdokumentation zum Atomkraftwerk Temelin in den einzelnen deutschen Bundesländern beginnen. Es geht um die Bewertung der möglichen Auswirkungen des AKWs auf die Umwelt.

Tschechisches Fernsehen verzichtet auf Protest gegen das Vorgehen österreichischer Grenzbeamten

Einem Stab des Tschechischen Fernsehens ist am Freitagmorgen wiederholt verweigert worden, die Grenze nach Österreich zu überschreiten. Wie das österreichische Außenministerium dazu erklärte, sei seinerseits keine entsprechende Anweisung für die Zollbeamten herausgegeben worden. Aufgrund einer anschließenden Entschuldigung wird die Leitung des Tschechischen Fernsehens darauf verzichten, Protest mittels des tschechischen Außenministeriums, wie bereits angekündigt, zu erheben.

Österreicher besuchen AKW Dukovany

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr besucht am Samstag eine Gruppe von 40 - 60 österreichischen Bürgern aus grenznahen Gemeinden das tschechische Atomkraftwerk Dukovany bei Trebic. Die Österreicher werden die Gelegenheit haben, sich mit dem Betrieb des 15 Jahre alten AKWs bekannt zu machen. Als Grund dieser Aktion nannte der AKW-Sprecher Petr Spilka das Interesse der tschechischen Seite, die Befürchtungen der österreichischen Gäste vor der Atomenergie zu lindern. Bei der ersten Exkursion am 21.Oktober besichtigte eine Gruppe überwiegend bestehend aus Mitarbeitern des Zivilschutzdienstes aus Niederösterreich den Reaktorsaal und das Krisenstabszentrum.

Tschechischer NATO-Botschafter Kovanda in Wien

Über die Einbindung der Tschechischen Republik in die Nordatlantische Allianz sprach am Donnerstagabend in Wien der tschechische Botschafter bei der NATO, Karel Kovanda. Vor den Stndenten der Diplomatischen Akademie verwies er auf eine Reihe von Vorteilen, u.a. auf die gestiegenen Auslandsinvestitionen, die der NATO-Beitritt Tschechiens nach sich gezogen habe. Gleichzeitig sprach er auch über die nach wie vor skeptische Einstellung der Bevölkerung zur NATO-Mitgliedschaft.

Kein Erfolg bei Fahndung nach dem flüchtigen Mörder

Die Fahndung nach dem zweifachen Mörder Jiri Kajinek ist bis heute erfolglos gewesen. Wegen Kajinek, der am letzten Sonntag aus dem Gefängnis im nordmährischen Mirov ausgebrochen war, beschloss die Leitung dieser Strafanstalt, die Bedingungen für die zum lebenslangen Freiheitsentzug verurteilten Insassen zu erschweren. Man wolle technische Vorkehrungen im Inneren des Objektes treffen, um das Ausbrechen unmöglich zu machen, sagte die Direktorin der Verwaltung der tschechischen Strafanstalten, Kamila Meclova. Auch sechs Tage nach Kajineks Flucht aus dem für bestüberwacht gehaltenen Gefängnis ist es nicht gelungen zu klären, wie sich der Häftling die notwendigen Geräte anschaffen konnte.

Ausnahme für die tschechischen Zwangsarbeitsopfer ausgehandelt

Die tschechischen Zwangsarbeitsopfer aus der Zeit des Nationalsozialismus werden schon bei der ersten Zahlung 65 Prozent der festgelegten Entschädigungssumme aus dem Fonds "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft" erhalten. Dieser Beschluss , der am Donnerstagabend bei der Sitzung des Fondskuratoriums in Berlin ausgehandelt wurde, gilt als Ausnahmefall für die tschechischen und die polnischen Opfer. Dies sagte der Nachrichtenagentur CTK der Abteilungsleiter beim tschechischen Außenministerium Jiri Sitler.

Tschechen bejahen die Außenpolitik des Staates

Die Außenpolitik der Tschechischen Republik halten 65 Prozent ihrer Bürger Tschechen für im Prinzip richtig. Dies geht aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage der Prager Meinungsforschungsagentur STEM hervor. Mit der außenpolitischen Orientierung des Staates und den Konzepten der Diplomatie identifizieren sich vor allem Wähler der konservativen Parteien sowie jüngere Menschen mit höherer Ausbildung.

Und zum Abschluss die Wetteraussichten:

Am Samstag wird eine Kaltfront die Tschechische Republik überqueren. Tagsüber ist es bewölkt bis bedeckt, örtlich kommt es zu Regen oder Schauern. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen sieben bis elf Grad Celsius.

Auch am Sonntag keine wesentlichen Wetterveränderungen. Die Nachttemperaturen sinken auf 5 bis 1 Grad ab, die Tageshöchsttemperaturen bewegen sich zwischen 7 und 11 Grad Celsius.