Nachrichten Samstag, 06. Januar, 2001

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Von Marketa Maurova

Sondersitzung des tschechischen Parlaments zum TV-Streit

Mit dem Führungsstreit im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen CT hat sich am Freitag erstmals das Prager Abgeordnetenhaus auf einer Sondersitzung befasst. Wie die beiden Seiten beim TV-Streit, so ist auch das Parlament in zwei Lager gespalten. An der neuen Führung des Senders hält aber derzeit nur noch die Demokratische Bürgerpartei ODS fest.

Premier Zeman beschuldigt Präsident Havel

Premier Milos Zeman hat am Freitag den Staatspräsidenten Vaclav Havel beschuldigt, zur Verletzung der Gesetze anzustiften. Er forderte ihn undirekt zum Weggang aus der Politik auf. Das Staatsoberhaupt wies die Beschuldigung entschieden zurück und erwartet nun eine Entschuldigung. Havel unterstützte in den letzten Tagen die rebellierenden Mitarbeiter des Tschechischen Fernsehens, die die Wahl Jiri Hodacs zum Generaldirektor des Senders nicht anerkannten.

Sozialdemokraten fordern den Rücktritt Hodacs

Die Abgeordneten der sozialdemokratischen Partei haben sich am Freitag im Rahmen der Parlamentsdebatte für den Rücktritt des Fernseh-Generaldirektors Jiri Hodac offen ausgesprochen. Sollte er nicht resignieren, soll das Abgeordnetenhaus den Fernsehrat auffordern, auf seiner Sitzung am 8. Januar Jiri Hodac abzuberufen, steht in dem Beschluss der Sozialdemokraten. Vom Fernsehrat wird des weiteren verlangt, Schritte zur Wiederaufnahme objektiver Berichterstattungssendungen zu unternehmen. Die Abberufung des Rates des Tschechischen Fernsehens wird nicht gefordert. Am Montag wird der CSSD-Parteivorstand eine eindeutige Entscheidung zur Lage im Fernsehen treffen, die für die ganze Partei verbindlich sein wird.

Klaus warnt vor negativen Folgen des CT-Streites

Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses und der ODS Vaclav Klaus ist der Meinung, dass ein eventueller Sieg der streikenden Fernsehmitarbeiter, negative Konsequenzen für die Tschechische Republik haben würde. Er führte in seiner Rede vor Abgeordneten an, für das Land könne nichts schlimmer sein, als der Sieg eines Angestelltenaufruhrs. Er hält die gegenwärtige Lage im Tschechischen Fernsehen für eine künstlich hervorgerufene Krise, deren Regie bestimmte politische Kräfte übernommen haben. Diesen Kräften gehe es nicht um die Freiheit des Wortes, sondern um den Machtwechsel zu ihren Gunsten, glaubt Klaus. Er befürwortete des weiteren erneut die Privatisierung des Tschechischen Fernsehens.

Kulturminister Dostal erstattet Strafanzeige gegen Hodac

Der tschechische Kulturminister Pavel Dostál hat Strafanzeige gegen den Generaldirektor Jiri Hodac bei der Prager Staatsanwaltschaft erstattet. Grund dafür ist die Unterbrechung des Interviews, das die streikende Nachrichtenredaktion mit dem Kulturminister am Mittwochabend sendete. Wie Pavel Dostal am Freitag im Parlament sagte, hält er die Bemühungen um die Privatisierung des Tschechischen Fernsehens und Wirtschaftsinteresse privater Fernsehgesellschaften für das Hauptproblem der gegenwärtigen Entwicklung des Senders.

Hodac auf dem Weg der Besserung

Der Generaldirektor des Tschechischen Fernsehens Jiri Hodac rechnet damit, seine Arbeit im Amt am Montag wiederaufnehmen zu können. Hodac musste am Donnerstag mit einem Kreislaufkollaps auf die Intensivstation der Universitätsklinik in Prag-Motol gebracht werden. Sein Gesundheitszustand hat sich in der Nacht verbessert und die Untersuchungen zeigten keine ernste Erkrankung, informierte Jaromir Moravek von der Presseabteilung des Krankenhauses.

Assoziation der Regionen der Tschechischen Republik errichtet

Die Repräsentanten von neun neuen Landkreisen und der Oberbürgermeister der Hauptstadt Prag haben sich am Freitag in Pardubice auf die Errichtung eines gemeinsamen Organs, der sog. Assoziation der Regionen der Tschechischen Republik geeinigt. Diese wird Interessen der Regionen gegenüber anderen Subjekten im In- und Ausland vertreten und das gemeinsame Vorgehen der Landkreise in Systemfragen koordinieren.

Weiterer Protest gegen das AKW Temelin

Die österreichischen Gegner des Atomkraftwerks Temelin haben am Freitag wiederholt ihre Ablehnung des weiteren Betriebs des südböhmischen AKWs geäußert. Ähnlich wie im Dezember in Wien, veranstalteten sie nun die Fahrt einer Autokolonne durch die oberösterreichische Stadt Linz und überreichten ihre Forderungen dem Linzer Bürgermeister, dem oberösterreichischen Landeshauptmann und dem Chef der dortigen Wirtschaftskammer. Im Falle, dass man bei der Realisierung der tschechisch-österreichischen Vereinbarungen wenig fortschreite, sei mit weiteren Grenzblockaden zu rechnen, sagte Josef Pühringer aus der Oberösterreichischen Initiative gegen Atomgefahr.

Ärztliche Untersuchung tschechischer KFOR-Soldaten

Verteidigungsminister Vladimir Vetchy hat den Generalstabschef der Tschechischen Armee Jiri Sedivy beauftragt, eine eingehende ärztliche Untersuchung bei allen Soldaten vorzunehmen, die an der KFOR-Mission im Kosovo teilgenommen hatten. Diese soll den eventuellen Einfluss des abgereicherten Urans aus der durch die NATO im Kosovo eingesetzten Munition auf den Gesundheitszustand der tschechischen Soldaten feststellen. Über die Risiken durch das abgereicherte Uran begann man nach dem Leukämietod mehrerer italienischer NATO-Soldaten zu spekulieren.

Das Jubiläumsjahr geht zu Ende

Das Jubiläumsjahr der katholischen Kirche geht heute zu Ende. Eine Kirchenfeier zum Abschluss des Jubiläumsjahres 2000 wurde am Freitag auf der Prager Burg veranstaltet. Ein liturgischer Umzug begab sich aus der St.-Georg-Basilika in den St.Veitsdom, in dem Bischof Jarsolav Skarvada eine Messe zelebrierte. Heute werden große Messen in Brno/Brünn und Olomouc/Olmütz gefeiert.

Auswahl des neuen Direktors des Festivals Prager Frühling

Der Verwaltungsrat der gemeinnützigen Gesellschaft Prager Frühling unter der Leitung des Prager Oberbürgermeisters Jan Kasl hat am Donnerstag über die Auswahlmethode des Festivaldirektors entschieden, der den kürzlich verstorbenen Oleg Podgorny ablösen wird. Man müsse suchen, aber nicht hastig, weil die Musikfestspiele Prager Frühling 2001 schon völlig vorbereitet seien, sagte dazu die stellvertretende Direktorin Jana Mrlíková. Der Verwaltungs-, der künstlerische und der Aufsichtsrat werden auf ihrer nächsten Sitzung ihre Vorschläge vorlegen. Sollten sie sich auf die Reihenfolge der Kandidaten einigen, werden diese angesprochen, ohne mittlerweile ein Auswahlverfahren auszuschreiben.

Festival Opera in Prag eröffnet

Die Vorstellung der Wagner-Oper Tristan und Isolde hat am Donnerstagabend im Prager Nationaltheater das fünfte Festival "Opera" eröffnet, auf dem sich Opernhäuser aus ganz Tschechien in der Hauptstadt vorstellen. Bis zum 24. Februar werden insgesamt 16 Opernvorstellungen, ein Fernsehnachmittag und ein abschließendes Galakonzert veranstaltet, im Rahmen dessen auch Wettbewerbpreise übergeben werden. Der erste Festival-Abend galt der Gastgeberbühne, die ihre Wagner-Inszenierung unter der Leitung des tschechischen Exil-Dirigenten Jiri Kout zeigte, die im Mai vergangenen Jahres uraufgeführt wurde. Am Nachmittag wurde die Parlamentssitzung für etwa 20 Minuten unterbrochen und die unruhigen Zuschauer aus der Galerie des Verhandlungssaals ausgewiesen. Sie hatten zuvor zu laut ihre Sympathien den Abgeordneten geäußert, die die rebellierenden Fernsehmitarbeiter unterstützten.

Banküberfall in Kralupy

Zwei bewaffnete Täter haben am Freitag Morgen in der mittelböhmischen Stadt Kralupy nad Vltavou Mitarbeiter der Tschechischen Sparkasse überfallen. Sie stahlen drei Millionen Kronen, mit denen man gerade einen Bankautomaten füllte. Durch einen Schuss verletzten die Täter, zwei Männer im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, einen 27jährigen Mitarbeiter der Sparkasse. Er wurde sofort in ein Prager Krankenhaus gebracht und befindet sich nicht mehr in Lebensgefahr.

Tschechische Junioren siegten auf der Eishockey-WM in Moskau

Die tschechischen Eishockeyspieler bis 20 Jahre haben am Freitag im Finale der Junioren-Weltmeisterschaft in Moskau das Team Finnlands 2:1 besiegt. Sie gewinnen damit zum zweiten Mal den Titel der Junioren-Weltmeister, den die Tschechische Republik auch vor einem Jahr in Schweden eroberte.

Wetter Abschließend der Wetterbericht. Am Samstag soll es bedeckt sein, mit örtlichen Regenschauern muss gerechnet werden. Die Tageshöchstwerte steigen auf 5 bis 9 Grad Celsius.