Nachrichten Samstag, 07. Oktober, 2000

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Jitka Mladkova

Tschechische Politiker reagieren auf die Situation in Jugoslawien

Tschechische Politiker befürworten in ihrer Mehrheit die Veränderungen, die sich derzeit in Jugoslawien abspielen, und geben auch übereinstimmend der Hoffnung Ausdruck, dass der sich abzeichnende Sturz des autokratischen Präsidenten Milosevic und die Machtübernahme durch den Präsidentschaftskandidaten der Opposition, Vojislav Kostunica, womöglich ohne Gewaltanwendung verläuft. Tschechische Politiker unterstreichen gleichzeitig die Tatsache, dass Jugoslawien eine Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und der EU brauchen werde, um einen demokratischen Umbruch vollziehen zu können.

Jugoslawische Botschaft in Prag wird bewacht

Mehrere Dutzend Personen haben in der Nacht zum Freitag eine friedliche Protestdemonstration vor dem Gebäude der jugoslawischen Botschaft in Prag veranstaltet. An einem Fenster der Botschaft blieb bis in die Morgenstunden ein Zettel haften mit der Aufschrift: "Gotov je / Erledigt ist er" - eine Parole, die bei den jüngsten Demonstrationen in Belgrad häufig zu lesen war. Nach einer Information des Sprechers der Behörde bleibt die jugoslawische Botschaft, die nun von zwei Polizisten bewacht wird, bis Montag - wie es hieß - aus technischen Gründen - geschlossen.

Das tschechische Außenministerium hat am Donnerstag die Versuche des jugoslawischen Präsidenten Milosevic verurteilt, die Wahlresultate durch deren Annullierung zu manipulieren. Außenminister Jan Kavan plädierte für eine gewaltlose Lösung der explosiven Situation in Jugoslawien.

Hilfssammlungen für Belgrad und Serbien

Die tschechische Gesellschaft "Clovek v Tisni/Mensch in Not" hat eine Hilfssammlung für die durch die Lage in Belgrad betroffene Bevölkerung initiiert. Zu diesem Zweck machte sie eine halbe Million Kronen aus eigenen Finanzquellen frei. Außerdem wurde eine Sammlung unter dem Leitmotto "SOS Serbien" ausgerufen.

Palästinenser protestierten in Prag

Ohne Zwischenfälle und schon nach 45 Minuten ist am Freitag Vormittag eine Demonstration von etwa 250 Palästinensern vor der israelischen Botschaft in Prag zu Ende gegangen. Zum Abschluss der Protestaktion, die einen ruhigen Verlauf nahm, verbrannten deren Teilnehmer die israelische Staatsflagge. Skandiert wurden auf tschechisch, englisch und arabisch antiisraelische Parolen, das anwesende Polizeiaufgebot zählte rund 20 Männer.

AKW Temelin wartet auf Genehmigung seiner Inbetriebnahme

Im umstrittenen Atomkraftwerk Temelin sind in der vergangenen Nacht alle vorgeschriebenen Tests beendet worden. Dem Pressesprecher der Staatlichen Aufsichtsbehörde für nukleare Sicherheit, Pavel Pittermann, zufolge brauche das Amt noch drei Tage für die Analyse der entsprechenden Dokumentation, der dann die Genehmigung der Inbetriebnahme des AKW folgen soll. Die Wahrscheinlichkeit, dass der finale Urteilsprozess noch durch etwas gebremst bzw. hinausgezögert werden könnte, bezeichnete Pittermann als sehr gering.

Die Bürgerinitiative Jihoceske matky/Südböhmische Mütter und weitere Vereinigungen haben sich am Freitag auf einer Pressekonferenz in Cesky Krumlov an die Vorsitzende der erwähnten Aufsichtsbehörde Dana Drabova mit der Aufforderung gewandt, die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Temelin nicht zu genehmigen, solange die mögliche Auswirkung des AKWs Auf die Umwelt nicht überprüft worden ist.

Blockade an den Grenzübergängen zu Österreich

Um 6 Uhr morgens haben am Freitag österreichische Atomkraftgegner mit der angekündigten Straßenblockade entlang der gemeinsamen Grenze zu Tschechien begonnen. Die Aktivisten protestieren somit gegen die vorgesehene Inbetriebnahme des Meilers Temelin. Am Freitag Vormittag war nur der Grenzübergang Vratenin-Drosendorf in Südmähren offen. Den Autofahrern, die nach Osterreich reisen wollen, wurde empfohlen, über Deutschland zu fahren.

Regierende Sozialdemokraten kritisieren österreichische Regierung

Der sozialdemokratische Fraktionschef Zdenek Skromach hat die österreichische Regierung der Unfähigkeit beschuldigt, die Durchlässigkeit der EU-Grenze zu Tschechien zu gewährleisten. Auf einer Pressekonferenz erklärte er, dass seine Partei die Tatsache für sehr gefährlich halte, dass die Blockade der Grenzübergänge von österreichischen Politikern unterstützt werde.

Gespräche zum geplanten Staatsavertrag zwischen Tschechien und Vatikan

Am Freitag Vormittag sind in Prag bereits zum vierten Mal Experten zusammengekommen, um über einen Staatsvertrag zwischen der Tschechischen Republik und dem Vatikan zu verhandeln. Die katholische Kirche wurde durch den päpstlichen Nuntius Giovanni Coppa sowie den Vize-Vorsitzenden der Tschechischen Bischofskonferenz Dominik Duka vertreten, den tschechischen Staat vertraten die stellvertretenden Außen- bzw. Kulturminister, Martin Palous und Zdenek Novak. Die erste Runde der bilateralen Verhandlungen fand im Frühjahr diesen Jahres statt.

Gedenkstunde für tschechoslowakische Kriegsveteranen

Bei einem Treffen haben am Freitag tschechische Veteranen des 2. Weltkrieges der Opfer und Ereignisse während der Schlacht um die nordafrikanische Festung Tobruk 1941 gedacht. Bei der Gedenkstunde im Gebäude des tschechischen Verteidigungsministeriums in Prag erhielten 30 von ihnen Gedenkmedaillen der Veteranenorganisation Ceskoslovenska legionarska obec. Vor dem mit tschechischen und slowakischen Veteranen voll besetzten Saal sprachen u.a. der stellvertretende Generalstabschef Frantisek Padelek und der Vorsitzende des Tschechischen Verbandes der Widerstandskämpfer, Jakub Cermin. Die Versammlung der Teilnehmer, die während des 2.Weltkrieges bei Tobruk, Dunquerke oder am Dukla-Pass gekämpft hatten, wurde durch die anwesenden Militärattaches Grossbritanniens, Russlands, der Ukraine und Polens begrüßt.

In Decin wurde ein neues Musikfest eröffnet

Zehn sogenannte Big Bands aus Tschechien, Deutschland und Polen haben sich in der nordböhmischen Stadt Decin /Tetschen bei der Eröffnung der ersten Internationalen Musikfestspiele Decin 2000 vorgestellt. Im Rahmen des Musikfestes treten in Decin bis Sonntag etwa 1 200 Festivalteilnehmer - neben den Musikern auch Marienfunkensembles - im städtischen Kulturhaus sowie in den Strassen auf.

Abschließend das Wetter:

Für das kommende Wochenende sind diesmal keine sonnigen Tage angesagt: Sowohl in der Nacht als auch tagsüber sind Regenfälle zu erwarten, in den frühen Morgenstunden auch örtliche Nebelfelder. In der Nacht bewegen sich die Temperaturen zwischen 12 und 8 Grad, am Tag ist mit sehr unterschiedlichen Temperaturen zu rechnen: in Westböhmen steigt die Quecksilbersäule maximal auf 13 Grad, in Ostböhmen auf 16 Grad und in Mähren und Schlesien auf 14 - 18 Grad. In Böhmen sind dementsprechend auch am Tag öfters Regenfälle bzw. Regenschauer zu erwarten.